Greenacher

Lieber Herr Marthaler

BZF-Rektor Hans Marthaler.

BZF-Rektor Hans Marthaler.

Letzten Donnerstag im Basler St.-Jakob-Park: Europa League; FC Basel gegen Getafe FC. Der FCB hatte eine dominierende erste Hälfte gespielt, ehe die Spanier mit einem verdienten Penalty in der 45. Minute zum 1:1-Ausgleich kamen: Stürmer Jaime Mata versetzte Torhüter Omlin ganz dumm – ärgerlich war das, zum Reinbeissen!

Doch nun, es war ein paar Minuten nach acht Uhr abends, lief die zweite Halbzeit. Dieser Mata stolpert dem vifen FCB-Rechtsverteidiger Silvan Widmer hinterher und wir 26 298 Zuschauerinnen und Zuschauer im St. Jakob sahen es der Körpersprache des Aargauers an: Ich bin noch immer hässig, dass dieser Mata den Penalty versenkt hat, dem geb ich nun Saures! Widmer überläuft den Torschützen, sprintet rechts über die Platzhälfte, zieht in die Feldmitte, setzt sich gegen vier Spanier durch und spielt ein Zuckerpässli zu Fabian Frei, der einnetzt: 2:1!

Sie werden sich nun fragen, lieber Herr Marthaler, weshalb ich Ihnen diesen magischen Moment so exakt schildere.

Warum?

Weil Körpersprache etwas signalisiert. Wie Sprache überhaupt. Unsere Wörter geben nicht nur Tatbestände wieder, definieren nicht bloss Subjekt und Objekt. Wörter signalisieren auch Befindlichkeiten, Einstellungen, Engagement.

«Das Schicksal von gewissen Lehrpersonen, die vom Abbau betroffen sind, tut mir sehr leid», erklärten Sie als Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) unlängst. Von «gewissen Lehrpersonen»? Nicht von allen?

Es geht um die Reform in der Berufsbildung, mit der ihr BZF kastriert wird. Statt 670 Lernende kommen ab August 2020 noch gut 250 nach Rheinfelden. Mehr als die Hälfte der Lehrer muss sich eine neue Stelle suchen.

Und Sie klönen, weil die anderen Schulen dank grösseren Klassen kostengünstiger arbeiten könnten: «Das wird für uns eine grosse Herausforderung.»

Das tönt etwa so ,wie wenn Rechtsverteidiger Widmer vorgestern in der Platzhälfte des FCB eingeschüchtert stehengeblieben wäre, die Spanier sich den Ball geschnappt und das Siegtor erzielt hätten.

Verlierer erkennt man an ihrem mauen Auftritt. Und an der lahmen Sprache.

* Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und in Zürich. E-Mail: grenacher(ad)azkolumne.ch

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