Lebensmittel
Auch im zweiten Lockdown können die Fricktaler Hofläden vom Trend zur Nähe profitieren

Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurden die Hofläden von Kunden überrannt. Der Riesen-Run ist zwar wieder etwas abgeflacht. Doch unterm Strich freuen sich die Hofläden über mehr Kunden als noch vor der Pandemie.

Hans Christof Wagner
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Charlotte Brogli vom Widmatthof in Zeiningen (rechts) mit ihrer Angestellten Marlen Jegge schmeissen den Hofladen gemeinsam.

Charlotte Brogli vom Widmatthof in Zeiningen (rechts) mit ihrer Angestellten Marlen Jegge schmeissen den Hofladen gemeinsam.

Hans Christof Wagner / Aargauer Zeitung

«Die Panik von 2020 ist verflogen, es hat sich eingependelt», berichtet Charlotte Brogli vom Widmatthof in Zeiningen. Sie sagt: «Wir konnten von den Coronafolgen profitieren und etwa ein Viertel der 2020 hinzugewonnenen Neukunden halten.» Und was schätzen die am Einkauf im Hofladen? Brogli glaubt:

«Sicher die Übersichtlichkeit und die geringere Frequenz im Vergleich zum Einkauf beim Grossverteiler.»

Auch den Bestellservice, den es schon seit Gründung des Ladens vor rund 20 Jahren gibt, hat Corona beflügelt. «Auch dort haben wir Neukunden gewinnen können», berichtet Brogli.

Im Angebot ist das Fleisch der hofeigenen Piemonteser Rinder und das von Schweinen aus Zuzgen. Sämtliche Tiere werden in Zeiningen geschlachtet. Das Fleisch wird in Möhlin zerlegt und im Zeininger Hofladen verkauft. «Wir achten auf möglichst nahe Kreisläufe», so Brogle.

Zulauf war auch Herausforderung für die Familienbetriebe

Auch beim Willihof in Herznach ist das die Betriebsphilosophie. Noch kurz vor dem Lockdown 2020 hatten die Ackles, wie die Inhaber heissen, den Hofladen auf Selbstbedienung umgestellt – gerade rechtzeitig, um den danach einsetzenden Run abzufedern. Eier, Süssmost, Äpfel seien gekauft worden wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, erinnert sich Manuela Ackle. Jetzt findet sie es «eigentlich schade», dass es wieder «krass abgenommen» habe. Anderseits: «Einige sind auch hängengeblieben.» Und: «Der Riesenzulauf von 2020 hat uns auch an den Rand unserer Kapazitäten gebracht.»

Eigens Mitarbeiter für den Hofladen einzustellen, lohne sich dann doch nicht. Den Zuwachs an Kundschaft müsse man als Familienbetrieb stemmen. Sie erzählt:

«Seitdem in der Schweiz Homeoffice-Pflicht ist, verkaufen wir massiv mehr Eier.»

Ackle vermutet dahinter, dass mit dem Mehr an zu Hause verbrachter Zeit auch wieder mehr selbst gebacken und gekocht wird. Soll es ein Fleischgericht sein, haben die Ackles Kalbfleisch aus hofeigener Mast im Angebot. Geschlachtet werden die Tiere in Effingen und erst dann, wenn alle Teile verkauft sind. Drei bis vier Mal pro Jahr komme das vor.

Das eigene Dorf neu entdecken

Corona schränkt die Mobilität der Menschen ein. Die Folgen spüren auch Fricktaler Hofbetriebe. «Die Leute entdecken das eigene Dorf neu, nehmen wahr, was sie zuvor vielleicht lange übersehen haben», denkt Ackle. Dazu gehört dann eben auch der Hofladen um die Ecke. Auch Helen Schreiber, die den Hofladen auf der Gründelematt in Wegenstetten führt, macht diese Erfahrung. Sie sagt:

«Die Leute haben jetzt mehr Zeit zum Herumfahren und Entdecken.»

Zu entdecken im dem Biohof angeschlossenen Geschäft gibt es das Fleisch der Black-Angus-Jungrinder, die auf dem Betrieb gehalten werden. «Das war 2020 der Renner», so Schreiber. Die Nachfrage sei zwar nicht mehr so riesig wie vergangenes Jahr. Unter dem Strich aber verzeichne man immer noch mehr Nachfrage danach als noch vor Corona. Geblieben sei auch die Wertschätzung für Lebensmittel, deren Herkunft der Verbraucher nachvollziehen könne. Den Jungrindern, die zur Schlachtung nach Brugg und Oberflachs gebracht werden, bringt die Schreiber-Familie Wertschätzung entgegen: «Wenn die Zeit dafür gekommen ist, gehen mein Sohn und auch mein Mann immer mit», berichtet Helen Schreiber.