Konjunktur
Wider die Prognose: Die pandemiebedingte Zunahme an Konkursen bleibt aus

Auch Corona hat die Zahl der Konkurse nicht in die Höhe getrieben. 2020 waren die Gerichte im Kanton Aargau noch davon ausgegangen, dass die Krise 2021 voll durchschlagen wird – aber das hat sich nicht bewahrheitet. Zumindest nicht laut den Zahlen der Amtsstelle Brugg des Konkursamts Aargau, die auch fürs Fricktal zuständig ist.

Hans Christof Wagner
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Teil des Konkursverfahrens ist es auch, am Gesellschaftsvermögen Siegel zwecks Sicherung anzubringen.

Teil des Konkursverfahrens ist es auch, am Gesellschaftsvermögen Siegel zwecks Sicherung anzubringen.

Christian Beutler/Keystone

Die Prognose für 2021 fiel im Geschäftsbericht der Gerichte des Kantons Aargau 2020 deutlich aus. Es hiess darin: «Die Covid-19-Pandemie zeigte in Bezug auf die Anzahl der Konkurse im Berichtsjahr noch kaum Auswirkungen. Im kommenden Jahr ist aber mit einer Zunahme der Konkurse zu rechnen.»

Laut Christoph Fuhrer, Leiter der auch fürs Fricktal zuständigen Amtsstelle Brugg des Konkursamts Aargau, gibt es aber keine coronabedingte Häufung von Konkursen in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Fuhrer hat auch eine Erklärung dafür, dass die erwartete Konkurswelle ausgeblieben ist. Er sagt:

«Die Covid-Kredite und die Härtefallgelder haben den Firmen über die schwierige Zeit geholfen. Zudem hat die Wirtschaft inzwischen ja schon wieder etwas angezogen.»

Im Bezirk Rheinfelden haben Fuhrer und sein aus den Konkursbeamten Patrick Ammann und Roland Laube bestehendes Team in diesem Jahr bisher 37 Fälle bearbeitet. Im Bezirk Laufenburg waren es 34 Fälle. Fuhrer schätzt:

«Bis Ende des Jahres rechnen wir für Rheinfelden mit total rund 50 bis 60 Fällen und in Laufenburg mit 40 bis 45 Fällen.»

Was die Fällestatistik des Brugger Konkursamts für die Bezirke Rheinfelden und Laufenburg anführt, sind nach Fuhrers Angaben zurzeit ausgeschlagene Erbschaften. Immer öfter verzichten Nachkommen auf das Erbe, etwa, weil sie fürchten, dass statt Vermögen nur Schulden übrig geblieben sind. In solchen Fällen sieht das Gesetz die Eröffnung des Konkurses über die verstorbene Person vor, was im Amtsblatt vermeldet wird. Dann muss das Konkursamt das Inventar aufnehmen.

Eher städtisches Phänomen erobert den ländlichen Raum

Die Zahl der Fälle schweizweit ist seit vielen Jahren in Folge schon ansteigend. Das Problem dahinter: Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind verschuldet. Kosten für die Alterspflege haben die Ersparnisse aufgezehrt und das Defizit verursacht. Lange galten ausgeschlagene Erbschaften eher als städtisches Phänomen. Aber wenn sie jetzt auch im Fricktal auf Platz 1 der vom Konkursamt bearbeiteten Fälle liegen, hat sich das offenbar gewandelt.

Überschuldung und mangelnde Liquidität als Hauptursachen

Auf Platz 2, nach den ausgeschlagenen Erbschaften, folgen die GmbHs. Zu den aktuellen Fällen bei Firmenkonkursen im Fricktal gehören laut dem Amtsblatt des Kantons Aargau ein Fitnessstudio, eine Unternehmensberatung, ein Autoteilehändler und ein Abbruchunternehmen.

Fuhrer zufolge gibt es derzeit keine besonders konkursanfälligen Branchen. Es seien alle Branchen betroffen. Überschuldung der Firmen sowie mangelnde Liquidität seien die Hauptursachen dafür, dass Unternehmen ihren Betrieb einstellen müssen und aus dem Handelsregister gelöscht werden.

Grosse Namen wie noch 2019, als der Konkurs gegen das Fricktaler Zirkusunternehmen Nock eröffnet worden ist, fehlen unter den aktuell hängigen Fällen. So dürfte es dabei auch nicht um Riesensummen gehen, die Gläubiger geltend machen. Um welche Summen es bei Firmenkonkursen im Schnitt geht – dazu kann laut Fuhrer ohnehin keine Aussage gemacht werden. Er erklärt: «Die Verlustzahlen können bei der Einstellung von Konkursverfahren nicht erfasst werden.»

Verfahrensdauer zum Teil mehrere Jahre

Was aber feststeht, ist die Zeit, die ein Konkursverfahren im Schnitt dauert. Bei einfacheren Verfahren sind es etwa vier Monate. Bei komplexeren Verfahren können Fuhrer und seine Leute aber auch schon mal mehrere Jahre damit beschäftigt sein.

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