Rheinfelden
Kiesabbau im «Grossgrüt» scheitert am Souverän

Die «Gmeind» in Rheinfelden will keine Kiesgrube im Grossgrüt und die GLP kein Betonwerk der Holcim AG. Noch ist das Kiesabbau-Projekt aber nicht ganz vom Tisch.

Dennis Kalt
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Im Gebiet Untere Rütenen (Foto) betreibt der Baustoffhersteller Holcim bereits eine Kiesgrube. Das Vorhaben, eine zweite Kiesgrube im Grossgrüt zu betreiben, lehnten die Stimmbürger ab.

Im Gebiet Untere Rütenen (Foto) betreibt der Baustoffhersteller Holcim bereits eine Kiesgrube. Das Vorhaben, eine zweite Kiesgrube im Grossgrüt zu betreiben, lehnten die Stimmbürger ab.

Um 22.40 Uhr entbrannte Applaus im Rheinfelder Bahnhofsaal. Stadtammann Franco Mazzi musste einen Teil des Plenums zur Ordnung rufen: «Das ist hier kein Fussball-Match.»

Die Freude der Gegner des Kiesabbauprojekts im Grossgrüt war nicht zu überhören. Äusserst knapp, mit 170 zu 165 Stimmen, lehnte der Souverän den Dienstbarkeitsvertrag mit der Holcim AG ab. Der Vertrag wäre die Grundlage für den Kiesabbau und die Wiederauffüllung mit sauberem Aushubmaterial im Gebiet Grossgrüt sowie dem Bau eines Kieswerkes im Chleigrüt gewesen. An der Gemeindeversammlung waren 365 der 7621 Stimmberechtigten anwesend.

Zu Beginn von Punkt 6 auf der Traktandenliste, der rund 100 Minuten in Anspruch nahm, präsentierte Mazzi die wesentlichen Fakten des Projekts. Dies vor allem vor dem Hintergrund, «weil viele Bürger aufgrund von Falschinformationen» der Projektgegner verunsichert seien. So werde die Kiesgrube nicht zu einem riesigen Krater. Sie funktioniere vielmehr als Wanderbaustelle. Auf den Abbau folge jeweils sobald wie möglich die Auffüllung und Rekultivierung.

An diesen Punkt knüpfte Patrick Burgherr, CVP-Ortsparteipräsident ad interim, in der Diskussion an. Er bemängelte, dass es im Vertrag keinen Passus gebe, der festlege, wie gross die offene Grube maximal sein dürfe. Zudem führte er an, dass es im Vertag keine Verpflichtung für die Holcim AG gebe, mit regionalen Unternehmen beim Abbau und der Wiederauffüllung der Kiesgrube zusammenzuarbeiten. «Es gibt noch zu viele offene Fragen», resümierte er und stellte deswegen einen Rückweisungsantrag mit der Aufforderung an den Gemeinderat, diese Fragen zunächst zu klären.

Der Rückweisungsantrag – er scheiterte später deutlich – rief Kurt Steck, Projektleiter Kiesabbau der Stadt, auf den Plan. Er argumentierte, dass zu einem späteren Zeitpunkt im Zuge des Abbaubewilligungsverfahrens dem Kanton eine detaillierte Abbauplanung vorgelegt werden müsse. «Die Abbaubewilligung geht mit einer maximalen Grösse der Grube einher. Die Holcim AG kann die Grube dann nicht einfach grösser machen, weil sich die Marktsituation geändert hat», erklärt Steck. Mazzi betonte, dass die Holcim AG beim Kiesabbau und der Wiederauffüllung im Grossgrüt mit regionale Unternehmen zusammenarbeiten werde. «Dies ist ja auch bereits bei der Kiesgrube Untere Rütenen der Fall.»

Béa Bieber, Präsidentin der GLP der Stadt und des Bezirkes, schilderte, dass man Vertreter der Holcim AG eingeladen und ihnen die Frage gestellt habe, ob mittelfristig ein Betonwerk im Chleigrüt/Grossgrüt angedacht sei. «Die Firma Holcim konnte uns diese Frage nicht verneinen», sagte Bieber und betonte: «Wir wollen kein Betonwerk.»

Betonwerk nicht auszuschliessen

Mazzi forderte die Holcim AG auf, die mit zwei Vertretern im Plenum vertreten war, Stellung zu beziehen. «Wir können nicht garantieren, dass wir in den nächsten 30 Jahren kein Betonwerk beantragen werden», sagte Dennis Schneider, Projektleiter der Holcim AG. Brisant daran ist, dass Mazzi einige Minuten zuvor betonte, dass ein Betonwerk das 20-fache Bauvolumen eines Kieswerkes habe. Diesen Vergleich stellt er an, weil in Leserbriefen die Projektgegner fälschlicherweise geschrieben hätten, dass es sich bei dem geplanten Kieswerk im Chleigrütt um ein Betonwerk handle.

Dimitrios Papadopoulos, SVP-Ortsparteivorstand, unterstützte den Antrag des Gemeinderates. «Das Projekt ist so aufgegleist, dass die ökonomischen und ökologischen Interessen im Gleichgewicht stehen.» Dabei verwies er auch auf die kurzen Transportwege, da mit dem neuen Kieswerk das Material aus dem Abbaugebiet Untere Rütenen künftig vor Ort verarbeitet werden kann, während dieses heute per Lastwagen nach Eiken transportiert werden muss.

Christoph von Büren, FDP Ortsparteipräsident, wollte von der Holcim AG wissen, was die Alternativen zum Kiesabbau in Rheinfelden seien. Ingo Steinberger, Geologe bei der Holcim AG, führte aus, dass die nächste Abbaustelle in Zeiningen liege. «Dort befindet sich jedoch ein Fremdanteil von 30 Prozent im Kies», sagte er und schob nach, dass sich alle anderen Abbaustellen in der Nähe von Wohngebieten befänden oder die Erschliessungsrouten durch Wohngebiete führen würden.

Ganz ist das Kiesabbau-Projekt in Rheinfelden noch nicht vom Tisch. Durch ein Referendum – ein Zehntel der Stimmberechtigten sind dafür notwendig – können die Befürworter des Projekts das Geschäft an die Urne bringen.