Laufenburg

Kaufen, sanieren und vermieten: 3,5 Millionen Franken pro Fall

SH

Unter zahlreichen Laufenburger Altstadtdächern ist Investitionsbedarf vorhanden.

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Dank Genehmigung des Liegenschaftskonzepts kann der Stadtrat neue Wege gehen. Mehr Sparen als heute, kann die Gemeinde nicht - dennoch muss sie das Defizit um 1 Million reduzieren.

Die Laufenburger Altstadt weist ein Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Franken. 10 Prozent davon – 20 Millionen Franken – will der Laufenburger Stadtrat bis 2020 investieren.

Konkret will er Liegenschaften kaufen, sanieren und dann vermieten. «Es handelt sich zu 100 Prozent um kein Spekulationsobjekt», betonte Stadtrat Thomas Argast an der Gemeindeversammlung von Freitagabend.

Mit dem Liegenschaftskonzept – es geht dabei nicht nur um die Altstadt, sondern auch um die Dorfkernzone im Ortsteil Sulz - beschreitet der Stadtrat neue Wege. Gleich mehrere Ziele werden anvisiert.

«Wir wollen unser Defizit um 1 Million Franken reduzieren», so Argast. Aber ohne den Steuerfuss von heute 108 Prozent zu erhöhen.

«Machen wir nichts, müssen wir den Steuerfuss in absehbarer Zeit zwischen 25 und 30 Prozent anheben.» Mehr Sparen als heute gehe nicht. Dazu kommt, dass das Loch, welches durch den Wegzug der Swissgrid entsteht, kompensiert werden muss.

Ziel des neuen Konzeptes ist es auch, die heute sehr hohe Sozialhilfequote zu dämpfen.

Der Stadtrat hat nicht vor, Mietraum auf Vorrat zu produzieren. «Im Sisslerfeld entstehen bis zu 5000 Arbeitsplätze.» Viele der künftigen Arbeitnehmer werden auch Wohnraum in der Umgebung suchen. 1,5 Prozent (rund 75 Personen) dieser künftigen Arbeitnehmer hätte auch Laufenburg gerne.

Kompetenzsumme erhöhen

Um das Liegenschaftskonzept umsetzen zu können, muss der Stadtrat schnell reagieren können. Reagieren, wenn eine Liegenschaft zum Kauf steht und saniert werden soll.

Mit dem Zusatz in der Gemeindeordnung, dass für das Liegenschaftskonzept die Kompetenzsumme pro Fall auf 3,5 Millionen Franken pro Fall festgelegt wird, ist das möglich. Das dafür nötige Geld kann zum günstigen Zins von einem Prozent aufgenommen werden.

An der Versammlung von Freitag wurde trotz der langen Diskussion deutlich, dass viele Laufenburger dem Konzept nicht ablehnend gegenüberstehen. Vorgebracht wurden vor allem Anliegen, die beim Projekt ebenfalls berücksichtigt werden sollten.

«Was ist mit dem Denkmalschutz», wollte ein Votant beispielsweise wissen. Die Hürden, die durch das Mitmischen dieser Stelle entstehen, kennt man beim Stadtrat. Hier spielt auch die Bau- und Nutzungsordnung (BNO), die zurzeit ebenfalls überarbeitet und angepasst wird, eine wichtige Rolle. «Eine BNO, die ein zeitgemässes Wohnen erlaubt», erklärte Stadtammann Herbert Weiss.

Immer auch eine Risikoanalyse

Objekte, für die sich die Stadt interessiert, werden zudem jeweils einer Risikoanalyse unterzogen. Zeigt die Ampel dabei auf Rot, verzichte man auf den Kauf, sagte Weiss.

Ein Anliegen aus der Versammlung war auch, dass im Gleichzug mit dem Liegenschaftskonzept die Infrastrukturen wie Werkleitungen oder Mobilfunknetz mit in die Planungen einfliessen. Das sei so, wurde vonseiten Behörde betont.

Ein Versammlungsteilnehmer stellte die hohe Kompetenzsumme infrage. Thomas Argast zeigte anhand verschiedener Beispiele auf, warum die 3,5 Millionen Franken nötig sind. Der Antrag aus der Versammlung, die Summe tiefer anzusetzen, wurde später zurückgezogen.

Hansjürg Fischer von der Finanzkommission verhehlt nicht, dass das Vorhaben Risiken berge. «Es braucht aber auch Mut, diesen Weg zu gehen. Der Gemeinderat hätte auch einfach den Steuerfuss anheben können.»

Die Beteiligung der Stadt an die Finanzierung der Altstadt, könne auch Anstoss für Private sein. «Wer wagt, der gewinnt – wenn er es gut macht.» Mit der grossen Zustimmung der Versammlung zum Liegenschaftskonzept kann der Stadtrat das nun beweisen.

Zuerst gilt es aber noch etwas zu warten. Die Änderung in der Gemeindeordnung muss noch an der Urne bestätigt werden.

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