Kaiseraugst
Zu viele Krähennester für die Drohne – aber: «Wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen»

Während mehrerer Wochen kam in Kaiseraugst eine Drohne zum Einsatz, um die vielen Krähennester in der Siedlung Liebrüti zu entfernen. Der Einsatz ist inzwischen beendet. Die Massnahme zeigte Wirkung, aber: Es ginge noch besser.

Nadine Böni
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Mehrere Dutzend Krähennester wurden in den vergangenen Wochen entfernt. Nun ist der Einsatz beendet.

Mehrere Dutzend Krähennester wurden in den vergangenen Wochen entfernt. Nun ist der Einsatz beendet.

Nadine Böni (26. Februar 2021)

Bei einem Inspektionsflug Ende vergangener Woche entdeckte Marcel Maurer ein Ei in einem der Nester. Damit war klar: Seine Drohne, die seit Mitte Februar regelmässig Krähennester aus den Bäumen in der Kaiseraugster Überbauung Liebrüti pflückte, kommt nicht mehr zum Einsatz. «Das Brutgeschäft der Vögel dürfen wir nicht stören», erklärt der CEO der Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH, die den Auftrag für die Gemeinde ausgeführt hat.

So schreibt es die Ausnahmebewilligung vor, die der Kanton der Gemeinde für das Entfernen der Krähennester – über die am 16. Februar beginnende Schonfrist hinaus – erteilt hatte.

Massnahme zeigt Wirkung

Mehrere Dutzend Nester konnten mit der Drohne zuvor aber entfernt werden. Das Ziel: Die Krähen zu vergrämen und das Brüten in Wald- und Auengebiete ausserhalb der Siedlung zu verlagern. Maurer hat beobachtet, dass einige Bäume nach der Entfernung tatsächlich nicht mehr neu besiedelt wurden. Er sagt:

Marcel Maurer (l.) und Allen Rohrbach entfernten mit der Drohne Nester.

Marcel Maurer (l.) und Allen Rohrbach entfernten mit der Drohne Nester.

Nadine Böni (26. Februar 2021)
«Das zeigt, dass die Nestentfernung durchaus eine Wirkung hat.»

Stattdessen hätten die Krähen ihre Nester aber in grösseren Gruppen zwischen dem Liebrüti-Schulhaus und dem Hundespielplatz gebaut. Und zwar so schnell und so viele, dass die Drohne mit dem Entfernen gar nicht mehr nachgekommen sei. «Die Vögel waren teilweise zu schnell für uns», sagt Maurer. Hinzu kam das zuletzt schlechte Wetter mit starken Winden. «Das verhinderte weitere Flüge vor der Eiablage», so Maurer.

Erkenntnisse und Kritik

Trotzdem: Marcel Maurer ist nicht unzufrieden mit dem Einsatz. «Wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen», sagt er. Für Maurer ist klar:

«Mit einer Kombination verschiedener Massnahmen ist es möglich, langfristig grosse Erfolge in der Vergrämung zu erzielen.»

Die Aktion hat in den vergangenen Wochen allerdings auch kritische Stimmen geweckt. Einige Anwohnerinnen und Anwohner monierten, die Krähen wirkten zunehmend gestresst – «für mich geht das jetzt Richtung Tierquälerei», schrieb ein Anwohner etwa auf Facebook.

Birdlife zeigt Skepsis

«Es ist klar das Ziel, den Saatkrähen den Nestbau an diesem Ort zu vergällen», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist für Jagd und Fischerei beim Kanton. Und weiter: «Das ist sicher mit Stress verbunden, andernfalls wäre das ja sinnlos. Ich denke, die Massnahme zur Entschärfung des Problems ist angemessen.»

Bei solchen Eingriffen sei «höchste Zurückhaltung geboten», sagt Chiara Baschung, stellvertretende Geschäftsführerin von Birdlife Aargau. Und weiter:

«Saatkrähen werden dadurch in aller Regel nicht weit vertrieben, sondern siedeln sich in nächster Nähe wieder an.»

Bei den Entfernungsaktionen müsse mit absoluter Sicherheit gewährleistet werden können, dass sich in den betroffenen Nestern keine Eier oder Küken befinden.

Gemeinde will dran bleiben

Bei der Gemeinde fällt die Bilanz zur Nestentfernung mit der Drohne derweil gemischt aus. «Die Idee ist grundsätzlich top. In der Ausführung aber haben sich gewisse Herausforderungen gezeigt», sagt der zuständige Gemeinderat Jean Frey. Trotzdem will die Gemeinde dran bleiben. Frey:

Gemeinderat Jean Frey will die Krähen weiter bekämpfen.

Gemeinderat Jean Frey will die Krähen weiter bekämpfen.

zvg / Aargauer Zeitung
«Unser Ziel ist es nach wie vor, für die Anwohnerinnen und Anwohner eine tragbare Situation zu schaffen und gleichzeitig haushälterisch mit den finanziellen Mitteln umzugehen.»

Das sogenannte Drei-Säulen-Konzept – neben der Vergrämung gehört dazu der Nahrungsentzug und die Dezimierung – soll deshalb fortgeführt werden. Denkbar ist etwa, dass erneut ein Falkner zum Einsatz kommt.

Die richtigen Instrumente gefunden

Ausserdem hat die Gemeinde gute Erfahrungen mit einem angemieteten Fahrzeug gemacht. Es verfügt über eine hohe Leiter, wodurch ein entsprechend ausgebildeter Mitarbeiter der Gemeinde vor einigen Tagen ebenfalls mehrere Nester entfernen konnte. Das Fahrzeug soll im kommenden Jahr erneut eingesetzt werden – wie wohl auch die Drohne. Gerade bei Bäumen und Nestern, die für das Fahrzeug nicht zugänglich sind. Frey ist überzeugt:

«Wir haben die richtigen Instrumente inzwischen gefunden. Wenn wir diese richtig einsetzen, können wir die Situation in der Liebrüti sicher auch langfristig verbessern.»

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