Kaiseraugst
Nach 26 langen Monaten: 125 Wohnungen und Sanierung Liebrüti-Zentrum bewilligt – der Domus kommt

Erste Arbeiten für das 70-Millionen-Projekt könnten bereits Ende Jahr erfolgen. Die Gewerbetreibenden sollen in einem Containerdorf auf dem Violaparkplatz angesiedelt werden. Eine Fachkommission legt ein Augenmerk auf die Fassaden- und Farbgestaltung.

Dennis Kalt
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Françoise Moser, Gemeindepräsidentin Kaiseraugst, und Thomas Götz, Miteigentümer Liebrüti und Varioserv-Verwaltungsratspräsident, wollen das Bauprojekt zusammen speditiv vorantreiben.

Françoise Moser, Gemeindepräsidentin Kaiseraugst, und Thomas Götz, Miteigentümer Liebrüti und Varioserv-Verwaltungsratspräsident, wollen das Bauprojekt zusammen speditiv vorantreiben.

Dennis Kalt / Aargauer Zeitung (1. Februar 2020)

Das Warten für Liebrüti-Miteigentümer Thomas Götz hat ein Ende: Der Gemeinderat hat das Baugesuch für den Domus mit 125 Wohnungen samt Neugestaltung des Zentrums in der Liebrüti bewilligt. Vom Einreichen des Baugesuchs auf der Gemeinde bis zur Bewilligung sind über 26 Monate vergangen. Umso grösser ist die Freude bei der Bauherrschaft um Thomas Götz:

«Nun haben wir endlich Planungssicherheit und können mit einem Ziel vor Augen weiterarbeiten.»

Es sei eine knifflige Aufgabe gewesen, die Interessen der Einwender in die Bewilligung des komplexen Bauprojekts zu integrieren, sagt Gemeindepräsidentin Françoise Moser unverhohlen. Dementsprechend sind an die Baubewilligung mehrere Auflagen geknüpft. Als wichtigsten Punkt nennt hier Moser die Gründung einer Fachkommission, die den Prozess der Fassaden- und Farbgestaltung des 72 Meter hohen Turms begleitet.

Heimatschutz Aargau ist in Kommission zur Fassadengestaltung vertreten

Konstituieren soll sich das Gremium in wenigen Wochen mit Architekten, Vertretern der Baukommission Kaiseraugst, der Bauherrschaft und des Heimatschutzes Aargau. Letzterer verwies in der Einwendung auf den Stellenwert eines akkuraten architektonischen Bezugs zur bestehenden Siedlung.

«Architektonisch gibt es kein absolutes Falsch oder Richtig», sagt Götz, der die begleitende Fachkommission als Chance sieht, «den Horizont zu öffnen», um die beste Lösung zu finden.

Dem Heimatschutz Aargau ist es ein Anliegen, dass sich der Neubau in die bestehende Siedlung architektonisch einpasst.

Dem Heimatschutz Aargau ist es ein Anliegen, dass sich der Neubau in die bestehende Siedlung architektonisch einpasst.



Chris Iseli / Aargauer Zeitung (2. August 2019)

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Gemeinde ist, «dass die Bewohner des Quartiers auch während der Bauphase eine Anlaufstelle in der Nähe haben, in der sie gesammelt ihre Dienstleistungen beziehen können», sagt Moser. Dementsprechend arbeite das Planerteam ADT Innova mit Hochdruck an einem Baugesuch für Provisorien, welche die Gewerbetreibenden aus dem Zentrum – etwa auch Denner – temporär beziehen können. «Vorgesehen ist ein kleines Containerdorf auf dem Violaparkplatz», sagt Götz. Im Idealfall, so Götz, seien gewisse Abbruch- und Ausbrucharbeiten am Zentrum bereits gegen Ende Jahr möglich.

Lärmemissionen während Bauarbeiten sind «aushaltbar»

Auflage der Baubewilligung sind Grenzwerte für Lärmemissionen. «Wir haben den Vorteil, dass wir innerhalb eines bestehenden Volumens sanieren, sodass die Lärmemissionen ausserhalb des Zentrums aushaltbar sein werden.» Sobald der Domus in die Höhe wachse, müsse man mit dem gewöhnlichen Baulärm rechnen.

Hinsichtlich Lärmschutz nach Fertigstellung des Baus ist eine Auflage, dass die Lüftungsanlagen auf dem Dach eingehaust werden, um etwaige Emissionen durch Schall zu minimieren. Ebenfalls eingehaust werden soll auch die Anlieferungszone für die im Zentrum domizilierten Detaillisten, damit der Lärm der Lastwagen nicht nach oben in Richtung Anwohner dröhnt.

Auf dem Liebrüti-Zentrum in Kaiseraugst ragt das Profil für den Domus bereits seit über zwei Jahre in die Höhe.

Auf dem Liebrüti-Zentrum in Kaiseraugst ragt das Profil für den Domus bereits seit über zwei Jahre in die Höhe.


mfi / Aargauer Zeitung (10. Oktober 2018)

Die grösste bautechnische Herausforderung sieht Götz im Operieren mit grossen Maschinen in einer bestehenden Substanz. Er sagt:

«Um mit den Maschinen, die es für das Setzen der Turmpfähle braucht, in das Zentrum hineinzukommen, müssen Fassaden aufgebrochen, ja vielleicht sogar Schnitte durch bestehende Decken gemacht werden.»

Ziel, so Götz, sei, die Fundation des Domus in das Zentrum einzubauen und dessen Dach gleich wieder zu schliessen, sodass das Zentrum idealerweise im Jahr 2023 – etwa ein bis eineinhalb Jahre vor dem Erstbezug des Domus – eröffnet werden kann.

Flohmärkte und kulturelle Events sind im neuen Zentrum vorstellbar

Die Planungssicherheit durch die Baubewilligung würde sich positiv auf die Suche nach Mietern für die Gewerbeflächen auswirken, so Götz. Moser wünscht sich, dass das Zentrum wieder zu einem Ort des sozialen Kontaktes und des Austausches wird. Dies mit einem attraktiven Hallenbad, einem Restaurant und:

«Wir würden es begrüssen, wenn die Migros langfristig wieder einen Weg findet, ins Zentrum zurückzukehren.»

Götz doppelt nach: «Wir wollen ins Zentrum Leben reinbringen – auch mit Events wie Flohmärkten oder anderen gesellschaftlichen und kulturellen Anlässen.» Auch die Migros als Ankermieter im Zusammenspiel mit Denner ist für ihn ein vorstellbares Modell. «Zudem», so Götz, «bin ich halt auch ein Migros-Kind», schiebt er mit einem Schmunzeln nach.