Das «Glaibasler Charivari» ist eine der ältesten und traditionsreichsten Vorfasnachtsveranstaltungen in Basel. Es findet bereits seit 1976 im Volkshaus statt. Während insgesamt 15 Abenden können sich Liebhaber der Basler Fasnacht auf die «drey scheenschte Dääg» einstimmen. Dieses Jahr dabei ist auch eine Formation aus Möhlin: die Fasnachtzunft Ryburg (FZR) unter der Leitung von Ivan Kym. Für eine Gruppe, die nicht aus Basel kommt, ist das etwas ganz Spezielles. «Das schafft man nur, wenn man etwas vorweisen kann, was die Basler Gruppen nicht vorweisen können», sagt Kym.

Im Falle der Ryburger Tambouren ist das unter anderem der Titel als Schweizer Meister im Sektionstrommeln, den sie im letzten Sommer nach 2006 und 2010 zum dritten Mal gewinnen konnten. Gleichzeitig siegten mit Stefan Freiermuth in der Kategorie 1 und Jérôme Kym bei den Jungen auch Ryburger Trommler in den Einzelkategorien. Es war eines von vielen Topresultaten der FZR an regionalen und nationalen Wettbewerben der vergangenen Jahre. «Wir gelten als Trommelhochburg», sagt Kym, ohne dabei vermessen zu klingen.

Auftritt mit einem neuen Stück

Für das Charivari haben sich Ivan Kym und seine Tambouren besonders ins Zeug gelegt. Einerseits werden sie im Volkshaus das Stück «Generation Y» trommeln. Es handelt sich um eine der schwierigsten Kompositionen überhaupt – so komplex, dass sie mit einem Dirigenten aufgeführt werden muss. «Anders geht es nicht», sagt Kym, Komponist des Stücks und Dirigent. Das Trommeln mit Dirigent aber sei eine Gratwanderung. «Das kennt die Basler Fasnacht eigentlich nicht. Wir werden deshalb sehen, wie das Publikum darauf reagiert.» Kym ist zuversichtlich, fügt lachend an: «Das Risiko gehen wir ein.»

Andererseits hat Kym für das Charivari eigens ein neues Stück komponiert. In Anlehnung an den dritten Schweizer-Meister-Titel, also den dritten Stern, heisst es «Stärne-Sound». In den vergangenen Monaten haben die Tambouren das dreistimmige Stück einstudiert. «Es ist unser Anspruch, dem Publikum etwas Neues präsentieren zu können», sagt Kym. «Gleichzeitig ist das eine Chance, das Repertoire zu erweitern und Neues auszuprobieren.» Diese Herausforderung schweisse die Tambouren zusammen.

Hohe Erwartungen

Kym weiss: Die FZR lässt sich für die Charivari-Verantwortlichen auch dank des Meistertitels gut vermarkten – gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung des Publikums an die Fricktaler, gerade, weil sie eben keine Basler Gruppe sind. «Der Erfolg verpflichtet. Wir müssen und werden die Auftritte ernst nehmen», sagt Kym. «Das Ziel ist es, auf dem gleichen Niveau zu trommeln, wie uns das im Sommer an der Schweizer Meisterschaft gelungen ist.»

Nun, gut eine Woche vor dem ersten Auftritt in Basel vom 9. Februar, halte sich die Nervosität in Grenzen. «Natürlich wird das Herz höher schlagen, wenn wir die Bühne betreten», sagt Kym. «Aber in erster Linie spüren wir jetzt einfach eine grosse Vorfreude.» Insgesamt über zwei Dutzend Trommler der FZR nehmen an den Vorführungen teil, jeweils 18 werden gleichzeitig auf der Bühne stehen. Der jüngste Tambour ist 13 Jahre alt, der älteste 52. «Die gemeinsame Anreise, das Nachtessen, die Auftritte vor 500 Menschen und das Ausklingen danach – das tut uns als Gruppe gut», sagt Kym. Nebst der musikalischen Herausforderung sei dies der Hauptgrund für die Teilnahme.

Für Ivan Kym – selber viermaliger Schweizer Trommelmeister und fünffacher Basler «Drummelkeenig» – ist es ausserdem auch persönlich ein besonderer Auftritt. Vor Jahren als junger Trommler, kaum 20 Jahre alt, stellte er sich den damaligen Charivari-Verantwortlichen schon einmal vor. Er hatte eine VHS-Kassette mit Aufnahmen seiner Trommel-Künste dabei und fragte an, ob er mal mitmachen dürfte. Das Nein kam in Form der Frage: «Woher kommst du denn mit deinem lustigen Dialekt?» War Kym damals schwer enttäuscht, so erzählt er die Anekdote heute mit einem Lachen. «Es hat sich über die Jahre viel verändert», erklärt Kym. «Vor einigen Jahren noch wäre das nicht denkbar gewesen. Deshalb ist unser Auftritt am Charivari ganz sicher eine besondere Ehre für uns als Fricktaler Trommlergruppe.»