Streit in Möhlin
Ist die Rendite wichtiger als das Dorfbild? In der Baukommission rumort es und die Mitglieder laufen davon

Vier langjährige Mitglieder der Möhliner Baukommission treten zurück. Sie fühlen sich vom Gemeinderat zu wenig ernst genommen.

Nadine Böni
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In der Gemeinde Möhlin gibt es Ärger. (Symbolbild)

In der Gemeinde Möhlin gibt es Ärger. (Symbolbild)

Quelle: CH Media

Rolf Schafroth, Martin Hohermuth, Peter Sägesser und René Keller – es sind allesamt langjährige Mitglieder, die gleichzeitig ihren Rücktritt aus der Möhliner Baukommission bekanntgeben. Hinter dem geschlossenen Abgang steckt ein Knatsch zwischen der Kommission und dem Gemeinderat. Das geht aus einem Schreiben hervor, das die abtretenden Mitglieder am Donnerstagmorgen versandt haben.

Grund für den Abgang sind demnach offenbar unterschiedliche Vorstellungen über die baulichen Entwicklungen im Dorf. «Seit Jahren werden ältere Häuser und Bausubstanzen gerade in der Kernzone umgebaut. Das Dorfbild hat sich so stark verändert», sagt René Keller, eines der abtretenden Mitglieder. Er lässt durchblicken, dass es aus ihrer Sicht nicht unbedingt eine Veränderung hin zum Besseren war. «Wir wollten verhindern, dass weitere Bausünden begangen werden und dazu beitragen, ein optisch schöneres Dorf zu gestalten», so Keller. «Wir setzten uns für einen sensiblen Umgang mit den wenigen noch bestehenden Strassenzügen und Gebäudegruppen und deren Umgebung ein.»

Interessen der Bauherren höher gewichtet?

Nur fühlen sich die abtretenden Mitglieder nicht gehört. Keller ist bewusst, dass die Baukommission eine beratende Kommission ist, vom Gemeinderat gewählt und ohne Befugnisse – ihre Anliegen müssen vom Gemeinderat also nicht zwingend berücksichtigt werden. «Unsere Bedenken und Anliegen wurden aber kaum einmal beachtet und ernst genommen», erklärt er. Stattdessen würden etwa «Renditegelüste einzelner Bauherren» vom Gemeinderat höher gewichtet. «So macht für uns die Mitarbeit in der Kommission keinen Sinn», sagt Keller und betont: «Es geht dabei nicht um uns als Personen, sondern um die Sache.»

Der Gemeinderat nimmt auf Anfrage der AZ schriftlich Stellung. Er verweist auf die Herausforderungen, die das Bauen gerade in Kernzonen bringe: «Das ist eine schwierige Angelegenheit, da es um viel Geld geht und sehr gegensätzliche Interessen aufeinanderprallen.» So etwa von Bauherren, Architekten, künftigen Bewohnern sowie der Einwohner. Daraus lasse sich erahnen, wie «schwierig es ist, Wünsche und Anliegen der Baukommission, die durchschnittlich einmal pro Monat zusammenkommt, in diesen Prozess aufzunehmen», schreibt der Gemeinderat. «Dies hat regelmässig zu Verstimmungen und unerfreulichen Diskussionen in der Baukommission geführt und war eine Belastung für alle Beteiligten.»

Endgültig zerbrach die Zusammenarbeit Ende des vergangenen Jahres – an den unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie es mit der Kommission weitergehen soll. Der Gemeinderat habe im November die Aufgaben der Baukommission neu definiert, sagt Keller. «Dabei wurden die Aufgaben praktisch auf eine Aufsichtspflicht gegenüber der Bauverwaltung reduziert», sagt Keller und fügt an: «Unter diesen Voraussetzungen braucht es keine Baukommission.»

Neue Legislaturperiode mit Fachkommission?

Der Gemeinderat hingegen schreibt von einem Lösungsvorschlag, den er der Kommission im Dezember unterbreitet habe. Seit einiger Zeit werden gerade komplexe Projekte in der Kernzone von der «Fachkommission Kernzonen» begleitet. Der Vorschlag lautete, die Baukommission aufzulösen und dafür die Fachkommission um zwei Mitglieder zu erweitern. Sie sollten dort die Rolle der Baukommission übernehmen. «Das wurde von der Baukommission gut aufgenommen», schreibt der Gemeinderat. Dass wenig später die Rücktritte folgten, bezeichnet er als «etwas befremdlich».

Die abtretenden Mitglieder werden in der Kommission vorerst nicht ersetzt. Der Gemeinderat und die Abteilung Bau und Umwelt werde mit den verbleibenden drei Mitgliedern weiterarbeiten. Das Thema wird an der Klausurtagung des Gemeinderats im Mai besprochen. Zustimmung des Gesamtgemeinderats vorausgesetzt, soll im Spätsommer im Sinne eines Versuchs die erweiterte Fachkommission eingesetzt werden. «Wenn dieser Versuch so funktioniert wie erhofft, soll diese Fachkommission per Beginn der neuen Legislatur definitiv eingesetzt werden», schreibt der Gemeinderat.