Zuzgen

In diesen Mathematik-Stunden steht das Kind im Fokus

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An der Zuzger Schule lernen die 1.- bis 3.-Klässler Mathematik seit den Sommerferien individuell und nicht mehr im Frontalunterricht.

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Die Schule setzt auf eine neue Lernkultur – Frontalunterricht ist in der Mathematik Geschichte. Doch damit stossen sie nicht nur auf Begeisterung: «Nicht alle Kinder kommen mit der neuen Lernform gleich gut zurecht.»

An der Schule Zuzgen hat nach den Sommerferien eine neue Lernkultur Einzug erhalten. Frontalunterricht ist in den Mathematikstunden der 1. bis 3. Klasse seither Geschichte. Die Schülerinnen und Schüler lernen individuell, in ihrem eigenen Tempo, mit neuem Unterrichtsmaterial. Vorbild ist unter anderem das Modell der deutschen Bodensee-Schule (Kontext). 

«Im Vordergrund stehen dabei nicht das Dozieren und die Wissensvermittlung durch die Lehrperson als vielmehr die individuelle Unterstützung und Förderung des einzelnen Kindes», sagt Heilpädagogin Barbara Steiner, an der Schule Zuzgen verantwortlich für die Unterrichtsentwicklung.

So sitzen die Kinder nicht mehr mit rauchenden Köpfen am Tisch über das Mathebuch gelehnt, während der Lehrer an der Tafel seine Erklärungen abgibt. Sie können sich im Rahmen der vorgegebenen Lernziele selber ein Thema auswählen und sich mit verschiedenen Materialien damit beschäftigen.

Bei Fragen stehen die Lehrpersonen beratend zur Seite. Das geht so weit, dass die Schülerinnen und Schüler selber entscheiden können, wann sie bereit für eine Prüfung sind und diese schreiben wollen.

Unterrichtsmaterial erarbeitet

Jedes Kind habe einen eigenen Hintergrund, verfüge über unterschiedliches Wissen, lerne anders und unterschiedlich schnell, sagt Steiner. «Das wollten wir im Unterricht berücksichtigen und weg von der Gleichschrittpädagogik kommen.»

In einer Arbeitsgruppe entstand schliesslich vor rund zwei Jahren die Idee, eine neue Lernkultur in Anlehnung an die Erfahrungen der Bodensee-Schule einzuführen. An der Gemeindeversammlung vor einem Jahr gab auch die Bevölkerung ihre Zustimmung zum Projekt: Der Kredit über 40 000 Franken für die Schulentwicklung wurde damals deutlich angenommen.

Eine vierköpfige Projektgruppe, bestehend aus Lehrpersonen, erarbeitete anschliessend das Unterrichtsmaterial. Der Inhalt des Projektkonzepts ist mit dem kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport sowie der Fachhochschule Nordwestschweiz abgesprochen. Die Lerninhalte entsprechen dem kantonalen Lehrplan, versichert der Zuzger Schulpflege-Präsident Jascha Schneider.

Nach sieben Wochen der Umsetzung sei es noch zu früh für ein Fazit, sagt Schneider. «Der erste Eindruck aber ist positiv.» Barbara Steiner bestätigt das. Vor allem die Kinder seien begeistert, das zeigten Nachfragen. «Aber natürlich stecken auch wir in einem Lernprozess», sagt sie weiter. Und: «Nicht alle Kinder kommen mit der neuen Lernform gleich gut zurecht.»

Projekt soll weitergehen

Die beteiligten Lehrpersonen tauschen sich daher regelmässig aus. Sie besprechen, was nicht ideal läuft und wie Kinder mit Lernschwierigkeiten besser eingebunden werden können. Auch die Eltern werden in diese Gespräche einbezogen.

«Wir müssen aber realistisch sein: Als Heilsbringer darf die neue Lernkultur nicht verstanden werden. Es gibt kein Rezept, alle Schüler erfolgreich zu machen», sagt Steiner ehrlich.

Ziel sei es, die Kinder auf die Anforderungen des heutigen Berufslebens vorzubereiten. Das ist auch eines der Argumente, mit denen auch kritische Stimmen überzeugt werden sollen: «In heutigen Stelleninseraten werden Selbstständigkeit und Eigeninitiative als wichtige Qualifikation gefordert», sagt Steiner. Also genau das, worauf in der neuen Lernkultur grosser Wert gelegt werde.

Das Projekt ist zunächst auf ein «Erprobungsjahr» angesetzt, die Zuzger Verantwortlichen sind aber bestrebt, es langfristig zu übernehmen. Parallel laufen in der Kreisschule Wegenstetten-Hellikon bereits Vorbereitungen, das Modell ebenfalls im Kernfach Mathematik zu übernehmen.

Auch wird weiterführendes Unterrichtsmaterial für die 4. bis 6. Klasse entwickelt. «Wir sind vom Projekt überzeugt und haben auch vom Kanton positive Rückmeldungen», sagt Barbara Steiner. «Vielleicht können dereinst andere Schulen von diesen Erfahrungen profitieren.»

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