Frick

In der Bio-Welt zu Hause: «Da kann ich voll dahinterstehen»

Linda (29) und Manuel Schmutz (31) handeln mit gesunden Lebensmitteln.

Linda (29) und Manuel Schmutz (31) handeln mit gesunden Lebensmitteln.

Linda und Manuel Schmutz haben mit ihrem Bioladen in Frick die wahre Berufung gefunden. Das Verkaufen fällt den beiden dementsprechend leicht.

Bei vielen Kindern kommt es, was den Beruf angeht, zu einer Rebellion. Söhne und Töchter entscheiden sich oft für einen Job, der absichtlich nichts mit dem der Eltern zu tun hat. Linda (29) und Manuel Schmutz (31) sind in der Hinsicht anders.

Das Geschwisterpaar ist bewusst in die Fussstapfen der Eltern Peter und Anita getreten: Beide haben die Regie bei Bio Peter übernommen, in dem kleinen Bioladen-Verbund, der aus Filialen in Frick und Lenzburg besteht und den Namen des Vaters bis heute im Logo trägt. «Hinter der Biobranche kann ich voll stehen, ich muss hier niemandem etwas andrehen», sagt Manuel Schmutz.

Seit August 2018 in Frick präsent, arbeitet die zweite Schmutz-Generation heute da, wo Mutter Anita schon zwischen 1994 und 2003 wirkte – als Inhaberin eines Reformhauses. 2018 tat sich die Chance auf, das frühere Geschäft der Mutter «zurück in die Familie zu holen», wie es der Sohn formuliert.

Der letzte Vorbesitzer, Alfred Schädeli, hatte den Laden aufgeben müssen, nachdem ihm als Pächter des FiBL-Hofs in Frick gekündigt worden war. Familie Schmutz konnte an die Fricktaler Tradition anknüpfen und sich zu dem von Vater Peter in Lenzburg betriebenen Laden ein zweites Standbein ­sichern. Heute sind Vater, Mutter, Sohn und Tochter im Geschäft – mit je 25 Prozent Beteiligung an einer gemeinsamen GmbH.

Die Umsätze sind wohl so gut, dass es für alle vier reicht. Schon rund ein halbes Jahr nach Öffnung konnte Manuel Schmutz für Frick ein positives Fazit ziehen. Geholfen beim Einstieg hatte ein zuvor schon gegründeter Förderverein, der beispielsweise eine neue Kühlanlage finanzierte.

Corona lässt die Kasse klingeln

In Gespräch dauert es nicht lange, bis das Wort Corona fällt und die Sprache darauf kommt, wie die Pandemie den Lebensmittel-Handel im Allgemeinen und die Bio-Branche im Speziellen beflügelt hat. «Corona war für uns sicher nicht von Nachteil», bilanziert Manuel Schmutz. Der sich noch gut an den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erinnert und daran, wie auch mit der Grenzschliessung zu Deutschland Umsatz und Kundenfrequenz nach oben schnellten. «Ich hätte das so nicht erwartet, so grenznahe wie Laufenburg oder Rheinfelden liegt Frick ja nicht», sagt er. Und so kamen viele, die zuvor in deutschen Bioläden einkauften zu Bio Peter. Die Pandemie habe der Branche aber auch eine neue Klientel beschert, wirft die Schwester ein. Menschen, die angesichts der globalen Erkrankung entschieden hätten, sich bewusster und gesünder zu ernähren.

Ingwer und Zitrone in rauen Mengen

Kaum noch nachgekommen sei man im Frühjahr damit, den Kundenansturm zu bewältigen und rechtzeitig zu bestellen. «Diese Zeit hat für uns frühe Morgen, kurze Mittagspausen und lange Abende mit sich gebracht», erinnert sich Linda Schmutz. Und: «Ingwer und ­Zitrone wurden als Immun­abwehr-Booster megagut verkauft.»

Doch die Bio-Einkaufstouristen, für die sich die Grenze geschlossen hatte, brachten auch eine gewisse Anspruchshaltung mit. Sie verglichen Preise und Vielfalt mit deutschen Grossanbietern wie Alnatura. «Da spielen wir als Schweizer Familienbetrieb mit rund 3000 Artikeln im Sortiment natürlich in einer anderen Liga, sagt Manuel Schmutz. «Was die Schweizer Grossverteiler und das Ausland uns voraushaben, kompensieren wir mit Fachwissen, Authentizität und Nähe», sagt er.

Nähe – das heisst für Bio Peter auch regionale Lieferanten: Wein und Schoggi aus Frick, Eier aus Wittnau, Obst aus Zeihen. Wobei die Schmutz-Geschwister eines aus ihrem inzwischen zweieinhalbjährigen Wirken in Frick gelernt haben: Die Menschen dort kaufen im Vergleich zu den Lenzburgern weniger Obst und Gemüse. «In Frick haben die Leute eben noch mehr eigene Gärten oder kaufen in Hofläden ein», mutmasst Linda Schmutz.

Wobei: Beim Rundgang durch den Fricker Laden wird deutlich: Auch die Biobranche reagiert mit Tiefkühlpizza und Fertigbrühe im Glas auf die modernen Trends. Darauf, dass auch der um gesunde Ernährung bemühten Hausfrau immer weniger Zeit zum Kochen bleibt.

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