Obermumpf

«Igelmami» ist rund um die Uhr für ihre Schützlinge da

Fütterung in der Igelstation in Obermumpf

Fütterung in der Igelstation in Obermumpf

Eva Frei betreibt eine der beiden Schweizer Säuglings-Aufzuchtstationen für Igel. Aktuell sind 22 Tiere in ihrer Obhut. Sie füttert die Igel mit einer Pipette.

Es gibt immer weniger Insekten – 76 Prozent weniger als noch vor 30 Jahren. Für Eva Frei, Gemeindeammann von Obermumpf, ist das nicht irgendeine Zahl. Für sie ist das ganz konkret. Denn weil immer weniger kreucht und fleucht, finden die Insektenfresser Igel immer weniger Nahrung. Dann sterben sie und lassen ihre Jungen verwaist zurück.

Und diese «Waisenkinder» sind Freis Schützlinge. Bisher 83 hatte sie dieses Jahr in ihrer Obhut, «so viele wie noch nie». Frei ist schon seit fünf Jahren «Igelmami» und kann den Vergleich ziehen. Sie sagt: «2020 ist es besonders dramatisch für die Igel.»

Igelsäuglings-Aufzuchtstationen gibt es zwei in der Schweiz. Frei betreibt eine davon. Wenn Leute Igeljungen finden, rufen sie auf der Hotline Pro Igel (079/652'90'42) an und gelangen zu Anneliese Girlich von der Igelstation Rheinfelden/Laufenburg. Diese leitet die Anrufer an Frei weiter.

Alle vier Stunden gefüttert

Manchmal sind sie wenige Tage alt. «Wenn so kleine Igel sich ausserhalb des Nests befinden, noch blind, kann man sicher sein, dass die Mutter nicht mehr lebt, verhungert, verdurstet oder tödlich verletzt ist», sagt Frei. Dann wird nach Rücksprache der Nachwuchs zu ihr gebracht.

Schon seit 2015 betreut Frei Igeljungen, die ersten Jahre in Zusammenarbeit mit Girlich, seit dem 1. Mai in eigener Regie und mit Genehmigung des Kantons. 22 Tiere hat sie aktuell in ihrer Obhut – vom dreiwöchigen Säugling bis zum «Teenager», der kurz vor der Auswilderung steht.

Dieses Jahr hat Eva Frei schon 83 Igel betreut.

Dieses Jahr hat Eva Frei schon 83 Igel betreut.

Dem Säugling flösst sie mit einer Pipette Hundewelpenmilch ein, alle vier Stunden. «Um Mitternacht gibt es das letzte Fläschchen, dann wieder um sechs Uhr morgens.» Sie muss dem Baby auch bei seinen Ausscheidungen helfen – Toiletting wird das genannt. Die älteren Tiere sind pflegeleichter. Sie bekommen Nassfutter, danach Trockenfutter für Katzen. Frei füttert sie auch mit lebenden Heimchen. Das hat sie anfangs Überwindung gekostet, aber jetzt ist sie es sich gewöhnt.

83 Igel bisher – und die Saison ist noch nicht zu Ende. Wie viele werden noch kommen? Die Obermumpfer «Igelmami» hat es nicht in der Hand. «Vielleicht findet in dem Moment jemand einen mutterlosen Wurf mit vier Igeljungen. Und bringt ihn in der nächsten halben Stunde vorbei», sagt Eva Frei. Dabei ist sie schon jetzt am Limit.

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