Claudio Meier, 51, gesteht: «Ich bin süchtig.» Nicht nach Genussmitteln, nein, und auch nicht nach Luxusklamotten. Der Self-made-Man aus Rheinfelden ist süchtig nach Flohmärkten. «Wenn ein Flohmarkt in der Region stattfindet, muss ich einfach hin.»

Es sei wie ein innerer Drang, wie ein Virus, erzählt er. Und dieser Virus, der schadlose, sitzt ihm seit Kindsbeinen an in den Knochen. «Schon als kleiner Knirps war ich auf jedem Flohmarkt in der Gegend anzutreffen», erzählt er.

Man habe ihn auf den Flohmis gekannt «wie einen bunten Hund», fügt er lachend hinzu. Zum Teil habe man sogar auf ihn gewartet, habe ihm das eine oder andere Schnäppchen zurückbehalten. Seine ausgegrabenen – oder besser – ausgehandelten Schätze stellte Klein-Claudio jeweils zu Hause aus. «Ich hatte für meine Trouvaillen eine eigene Vitrine.»

Es sei der Jägerinstinkt, der ihn bis heute von Flohmarkt zu Flohmarkt treibe, sagt Meier. Die Hoffnung, auf ein besonders schönes Schnäppchen, auf ein wirklich antikes Stück. «Zum Teil wissen die Leute gar nicht, was sie da an Perlen verkaufen», stellte Meier schon mehr als einmal fest – natürlich ganz zu seiner Freude.

Einmal habe er eine Jugendstilvase für fünf Franken ergattert, erinnert er sich. Zögern dürfe man da nicht lange, sagt Meier, schüttelt den Kopf. Er erinnere sich, als wäre es gestern gewesen, hebt er an und erzählt von einer «traumhaften Tannentruhe», die ein Händler auf einem Flohmarkt für 40 Franken anbot.

«Ich ging daran vorbei, wollte es mir kurz überlegen.» Keine zehn Meter weiter hat er es sich überlegt, eilt zurück an den Stand – und die Truhe ist schon weg. «Das hat mich noch lange gefuchst.»

Tipp des Profis: früh da sein

Einen Tipp hat er für alle Schnäppchen-Jäger: «Man muss einer der Ersten sein. Sonst sind die besten Sachen bereits weg.» Er überlegt kurz, schaut sich in seinem Laden in der Rheinfelder Marktgasse um, wo ein grosser Teil der Dekoration von Flohmärkten stammt.

«Ein Vorteil hat ein Besuch am Nachmittag allerdings: Die Sachen sind nochmals billiger, weil die Anbieter möglichst wenig Ware wieder nach Hause nehmen wollen.»

Wenn er selber mit seinen Sachen an einen Flohmarkt geht, richtet er schon früh eine Gratisecke ein. Hier landen oft auch Bücher, denn die laufen – wie CDs oder Geschirr – zumeist nicht sonderlich gut. Gefragt sind dagegen Raritäten, Kleinmöbel, Schallplatten («sie sind wieder trendy») und Schmuck.

Ausländer interessieren sich zudem sehr für Elektrogeräte. Ein Flohmarkt sei ein Multikulti-Anlass, sagt Meier. Das gefalle ihm. Man treffe hier Menschen aus mehreren Kulturen – und Schichten. «Vom Professor bis zum Handlanger ist alles vertreten.»

Man sei «fast eine Familie», resümiert Meier, «eine umweltbewusste obendrein». Denn dass die Sachen ein zweites Leben bekommen, sei doch viel besser, als die Gegenstände wegzuwerfen. «Schlussendlich profitieren beide: Der Käufer, der günstig zu etwas kommt, und der Verkäufer, der noch etwas dafür bekommt.»

Meier lächelt, verschmitzt. Natürlich sei es jeweils schon ein gutes Gefühl, wenn man etwas, das man selber auf einem Flohmarkt günstig erworben habe, mit einem kleinen Gewinn wieder verkaufen könne. «Dann hat der Jäger in mir doppelte Beute gemacht.»

Oft bleibt Claudio Meier dabei nur «Besitzer auf Zeit»: Er kauft etwas auf einem Flohmarkt, stellt es zu Hause oder im Laden auf und verkauft es anschliessend wieder. Wieder lacht er. «Wenn etwas im Laden nicht gut läuft, habe sich so immer noch einen zweiten Absatzkanal.»

Der Name ist Programm: Cameleon

Sein Laden erinnert irgendwie auch an einen Flohmarkt. Hier findet man Badeentchen ebenso wie Postkarten oder Kerzen. Hier stehen Metallfiguren neben Ständern mit Strohhüten und Pullovern. «Ich habe kein fixes Sortiment, sondern passe es den Jahreszeiten an.»

Und den Wünschen der Touristen: «Der Laden ist klar auf sie ausgerichtet.» Insofern hat sein Laden, den der gelernte Verkäufer seit neun Jahren betreibt, den richtigen Namen: Cameleon.

Ein Chamäleon ist auch Meier, was seine Kleider angeht: Er wechselt gerne Stil und Farben. Teure Designerklamotten kommen ihm dabei nicht ins Haus. Vieles kauft er in Brockenstuben ein. «Das ist nicht 08/15 und erst noch günstig.»

08/15 – das wollte und will Claudio Meier nicht sein. Er macht, was ihm gefällt und wie es ihm gefällt. Besonders stolz ist der gebürtige Rheinfelder dabei auf seinen eigenen Flohmarkt: Seit 15 Jahre organisiert er zusammen mit seiner Schwester Ines Lehmann zweimal im Jahr den Städtli-Flohmarkt in Rheinfelden, das nächste Mal am 12. Mai.

Über 150 Stände werden dann wieder zum Stöbern und Feilschen in der Altstadt einladen. «Wir sind seit Jahren stets ausgebucht», freut sich Meier. Der Markt biete jedes Mal «einen riesigen Fundus» für Schnäppchenjäger. Wie ihn, den Flohmarkt-Junkie aus Rheinfelden, der auch dann wieder zum Jäger mutiert.