Sisseln/Ueken
Homeoffice treibt Stromkosten in die Höhe – Vergleich der günstigsten und teuersten Fricktaler Gemeinde

Es wird mehr geheizt, gekocht und gespült – im Fricktal kommen Sissler am günstigen Weg, Ueker bezahlen pro Kilowattstunde am meisten.

Dennis Kalt
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Zu Homeoffice-Zeiten geht der Stromverbrauch bei so manch einem nach oben.

Zu Homeoffice-Zeiten geht der Stromverbrauch bei so manch einem nach oben.

Keystone/Christian Beutler

Der Arbeitslaptop steht zu Hause auf dem Schreibtisch, der Kaffee kommt aus der eigenen Maschine, das Mittagessen wird in der Küche aufgewärmt: Homeoffice ist für so manch einen zur Lebenswirklichkeit geworden – und damit auch ein sich schneller drehender Stromzähler.

Für die AEW Energie AG, die 19 von 32 Fricktaler Gemeinden mit Strom versorgt, ist es der vielen Einflussfaktoren wegen schwierig, eine Schätzung abzugeben, inwiefern der Stromverbrauch durch das Homeoffice-Regime steigt. «Durch Videokonferenzen oder andere Homeoffice-Tätigkeiten hat sich der private Stromverbrauch nur marginal erhöht», sagt AEW-Sprecherin Silvia Geissmann. Aber: «Da tagsüber mehr Zeit zu Hause verbracht wird, wird mehr geheizt, gekocht, gebacken und Geschirr gespült.»

Am tiefsten für jede Extra-Umdrehung des Stromzählers in die Tasche greifen müssen die Einwohner aus Ueken. Gemäss Eidgenössischer Elektrizitätskommission (Elcom) liegt hier der Tarif für einen Musterhaushalt – einer Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd, Tumbler, ohne Elektroboiler und einer Nachfrage von 4500 Kilowattstunden – bei 20,15 Rappen pro Kilowattstunde. Auf das Jahr gerechnet schlagen damit die Stromkosten eines Musterhaushaltes in Ueken mit 907 Franken zu Buche. Im Vergleich hier- zu kommt der gleiche Haushalt in Sisseln 177 Franken – 19 Prozent – günstiger weg. Hier sind die Strompreise für einen Musterhaushalt mit 16,22 Rappen pro Kilowattstunden am günstigsten.

«Die Elektra Ueken, die im Eigentum der Einwohnergemeinde Ueken ist, leistet etwas höhere Gemeinabgaben an die Standortgemeinde. Dies kommt indirekt wiederum den Einwohnerinnen und Einwohner zugute», erklärt Harry Wilhelm, Leiter der Verwaltung Herznach-Ueken, den im Fricktal höchsten Stromtarif. Zum Stromtarif in Sisseln, ebenfalls autark durch eine eigene Elektra, sagt Vizeammann Kurt Bächthold: «Wir profitieren davon, dass wir mit anderen Gemeinden zusammen Strommengen in mehreren Blöcken bereits ein bis zwei Jahre im Voraus kaufen können.»

Ein Preisunterschied von 28 Prozent

Den prozentmässig grössten Unterschied in der Stromrechnung zwischen Ueken und Sisseln zeigt im Verbrauchsprofil einer Zweizimmerwohnung mit 1600 Kilowattstunden. Hier wird der Ueker mit 434 Franken zu Kasse gebeten, während der Sissler nur 312 Franken berappen muss – ein Unterschied von rund 28 Prozent. Der Grund hierfür ist, dass die Netznutzung – also der Tarif für den Stromtransport übers Netz ins Haus – für kleinere Abnahmemengen in Ueken stärker steigt als jener in Sisseln.

Dementsprechend verringert sich der Kostenunterschied beider Gemeinden prozentual gesehen, je höher der Verbrauch ist. Für das Verbrauchsprofil eines Einfamilienhauses mit fünf Zimmern und einer Nachfrage von 7500 Kilowattstunden beträgt dieser nur noch 17 Prozent (Sisseln 1115 Franken, Ueken 1347 Franken).

Wer im Homeoffice den einen oder anderen Franken sparen möchte, sollte alle Kabel seiner Geräte an eine Steckerleiste anschliessen und am Feierabend diese vollständig ausschalten, empfiehlt Geissmann. «Damit wird stromfressender Stand-by-Modus vermieden und Energie gespart. Zudem, so Geissmann, solle man beim Kauf neuer Geräte auf die Energieeffizienz achten. «Beim Neukauf gibt die Energieetikette hierüber Auskunft.» Und Drittes empfiehlt sie: weniger Dokumente ausdrucken.