Militärmaschine

Holzbomber mit Haifisch-Zähnen rottet vor sich hin und braucht Auffrischung

Ein 1956 von der Schweizer Luftwaffe in Dienst gestelltes und 1983 ausgemustertes Flugzeug vom Typ Venom steht seit 1999 auf dem Flugplatz Fricktal-Schupfart. Der Holzbomber mit den Haifischzähnen hat eine Restauration dringend nötig.

Das Flugzeug fällt von weitem auf. Es ist eine ehemalige Schweizer Militärmaschine bei der Einfahrt zum Flugplatz Fricktal-Schupfart. Seit 15 Jahren dient die alte Venom vor dem Restaurant Airpick als Gate Guard und damit als Blickfang. Die Maschine mit dem auffälligen Doppelleitwerk begeistert selbst heute noch junge und jung gebliebene Flugzeugfans gleichermassen.

Wer die Venom De Havilland DH-112, 1956 in der Schweiz in Lizenz hergestellt, aus der Nähe betrachtet, bemerkt die ausgeprägten Spuren der Verwitterung. Der Zahn der Zeit nagt am Ausstellungsstück mit der militärischen Immatrikulation J-1648.

«Das Flugzeug mottet still und leise vor sich hin – das trifft leider zu», bestätigte auch Pilot Werner Zulauf aus Schupfart im Gespräch mit der Schweiz am Sonntag. «Man müsste wirklich wieder einmal etwas machen. Die Jüngeren wären hier gefragt», hielt er weiter fest. Zulauf hatte im Winter 1998/1999 geholfen, die Venom nach dem Transport von Basel nach Schupfart wieder zusammenzusetzen und zu restaurieren. Das Flugzeug stand nämlich zuerst von 1983 bis 1998 beim Zeughaus in Basel und musste dort aus Platzgründen weichen. Das Venom-Team LSLK (Flugplatz Fricktal-Schupfart) nahm sich dessen an. Doch soll dieser Zeuge der Schweizer Militäraviatik auch in Zukunft als Ausstellungsstück Freude bereiten, wäre eine Sanierung fällig.

Abblätternde Farbe und Risse an verschiedenen Stellen des Flugzeugs fallen besonders auf. Metallteile oxidieren, Bespannung und Beplankung sind ungeschützt der Witterung ausgesetzt und werden dadurch arg strapaziert, sodass am Rumpf sogar Holz zum Vorschein kommt.

Unter dem Begriff Holzbomber kennt man die Venom, weil der Rumpf dieses freitragenden Mitteldeckers aus Pressholz besteht. Flügel und Steuerung, einschliesslich der Balken des Leitwerks, sind dagegen aus Aluminium gefertigt. Entwickelt wurde das einplätzige Flugzeug von der De Havilland Ltd. in Hatfield (Grossbritannien). Am Lizenzbau in der Schweiz waren 1956 die Flugzeugwerke Emmen, Doflug Altenrhein und Pilatus AG in Stans beteiligt. Von der DH-112 konnten für die Schweizer Luftwaffe insgesamt 250 Exemplare für Jagd, Erdkampf und Aufklärung beschafft werden, wobei die meisten Maschinen 1983 und 1984 ausgemustert wurden.

Hier noch ein paar technische Daten: Spannweite 12,7 Meter, Länge 10 Meter, Höhe 1,88 Meter, Abfluggewicht maximal 6995 und ohne Aussenlasten 5530 Kilogramm. Das Radial-Turbo-Strahltriebwerk Ghost 48 Mk 1 mit einstufigem Kompressor und 10 Brennkammern wurde von der Gebr. Sulzer AG in Winterthur in Lizenz hergestellt. Es erreichte unter Volllast am Stand 10 250 Umdrehungen pro Minute und erzeugte einen Standschub von 2220 Kilopond (ein Kilopond ist die Kraft, welche durch die Schwerebeschleunigung an der Erdoberfläche auf eine Masse von einem Kilogramm ausgeübt wird). Das Triebwerk brachte das Flugzeug auf eine maximale horizontale Geschwindigkeit von 920 km/h. Steigleistung: 22 Meter pro Sekunde. Die Venom erreichte eine maximale Einsatzhöhe von 12 000 Meter über Meer und konnte eine Stunde in der Luft bleiben. Reichweite: 700 Kilometer.

Die Bewaffnung dieser Flugzeuge bestand aus 20-Millimeter-Kanonen, Raketen sowie 200- oder 400-Kilo-Bomben. Die Kanonen wurden nach der Ausserdienststellung der ganzen Venom-Flotte in die Schützenpanzer M113 eingebaut.

Einer der MilitärPiloten, der mit dem auf dem Flugplatz Fricktal-Schupfart ausgestellten Venom-Düsenflugzeug selber einige Jahre geflogen ist, konnte von der Schweiz am Sonntag ausfindig gemacht werden: Gregor Cotting, seinerzeit Angehöriger des in Dübendorf stationierten Überwachungsgeschwaders (UeG), war nach seiner Ausbildung auf die Venom umgeschult worden. Der heute 75-jährige Pilot sagte: «Damals interessierte uns primär, was geschieht, wenn wir den Leistungshebel nach vorne schieben. Bei der Venom war das schon sehr eindrücklich.» Der heute im Kanton Zürich lebende Cotting flog während seiner Laufbahn als Militärpilot auch den Hunter und die Mirage IIIS. Auf die Frage, mit welchem Flugzeugtyp er am liebsten geflogen sei, meinte er: «Alle hatten ihre Tücken. Doch der Hunter war das gutmütigste Flugzeug.»

Dass die Venom J-1648 auf dem Flugplatz Fricktal-Schupfart heute in einem schlechten Zustand ist, findet Gregor Cotting schade: «Eine Restauration wäre nötig, um das Flugzeug zu erhalten.»

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