Fricktal

Hohe Impfrate hält die Grippewelle flach: «Dies ist relativ ungewöhnlich»

Im Herbst haben sich in den Rheinfelder Kapuziner-Apotheken rund 130 Personen impfen lassen. Sandra Ardizzone/Archiv

Im Herbst haben sich in den Rheinfelder Kapuziner-Apotheken rund 130 Personen impfen lassen. Sandra Ardizzone/Archiv

In Praxen in Mettauertal und Rheinfelden sind Influenza-Fälle selten – Apotheken melden Impfrekorde.

Hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen: Das Risiko, sich mit der saisonalen Grippe zu infizieren, sinkt seit Mitte Februar gemäss Erhebungen des Bundesamtes für Gesundheit kontinuierlich. Während in der sechsten Kalenderwoche der Peak der Grippewelle mit 306 Verdachtsfällen pro 100 000 Einwohner auftrat, waren es in der vergangenen Woche noch 206 Grippefälle. Ein Vergleich mit den Grippesaisons 2017 und 2018 zeigt: In diesem Jahr setzte die Grippewelle später ein und verlief flacher.

Dies kann Erik Hartenburg, Hausarzt im Mettauertaler Ortsteil Mettau, bestätigen. Während er in der vergangenen Saison 20 Grippe-Fälle diagnostizierte, sind es in dieser Saison bis dato erst zehn Fälle gewesen. Ein Grund dafür sei, dass die Impfbereitschaft in seiner Praxis gestiegen ist. «Etwa 115 Patienten haben sich gegen die saisonale Grippe impfen lassen. Das ist rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Teilweise war gar der Impfstoff nicht mehr lieferbar», sagt er.

Impfen nach dem Doppel-Peak

Auch Katrin Ellgehausen, Inhaberin der Rheinfelder Kapuziner-Apotheken an der Baslerstrasse und am Stadtweg, berichtet von einer Zunahme der Impfungen. Während sich im Herbst 2017 noch rund 100 Personen eine Schutzimpfung in den beiden Apotheken abgeholt haben, waren es im Herbst 2018 rund 130 Personen – so viele wie nie zuvor.

Auch in der Fricker Storchen-Apotheke wurde mit 66 Impfungen die Zahl aus dem Vorjahr (62) getoppt. «Die Erfahrungen aus der letzten Grippesaison, in der sehr viele Menschen erkrankt sind, haben mehr Leute dazu bewogen, sich impfen zu lassen», erklärt Ellgehausen. So ist es damals nach dem Peak mit gegen 350 Verdachtsfällen pro 100 000 Einwohner Anfang Januar zu einem zweiten Peak nur wenige Wochen später gekommen.

Neben der erhöhten Impfrate mit einem Wirkstoff, der in dieser Saison besonders wirkungsvoll ist, gibt es einen weiteren Grund, für die flachere und später einsetzende Grippewelle: «Wir hatten einen lang anhaltenden Sommer und einen milden Herbst», sagt Hartenburg. So überlebten Grippeviren bei warmen Temperaturen in der äusseren Umgebung weniger lang als bei kalten.

So hat das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) im Januar an seinen Standorten in Laufenburg und Rheinfelden mit acht bis zehn Prozent der stationären Patienten relativ wenig Patienten mit einer Influenza behandeln müssen. «Im Februar hatten wir dann einen Peak, im März sind es bisher wenige Fälle», sagt GZF-Sprecherin Miriam Crespo.

Beat Rickenbacher führt in Rheinfelden ein Ärztehaus mit fünf Ärzten. Er berichtet davon, dass er im Januar keinen Patienten mit der saisonalen Grippe behandeln musste. «Dies ist relativ ungewöhnlich», sagt er. Insgesamt haben etwa zehn Patienten mit Symptomen einer schweren Grippe die Gemeinschaftspraxis aufgesucht. «Das ist schon sehr wenig», sagt Rickenbacher. So seien es im Jahr zuvor etwa doppelt so viele gewesen.

Erfreulich ist es laut Jürg Frech, der seit zwei Wochen Markus Aellig als Hausarzt in Laufenburg vertritt, dass ihn nach dem Fasnachtswochenende Anfang März nur zwei Patienten mit Anzeichen einer saisonalen Grippe aufgesucht haben. «Für gewöhnlich sind diese Zahlen kurz nach der Fasnacht, an der sich viele Menschen auf engen Raum bewegen und die Viren leichtes Spiel haben, höher.» Frech vermutet, dass die frühlingshaften Temperaturen während der Fasnacht zu weniger Infektionen geführt haben.

Rickenbacher rechnet damit, dass es allenfalls in den nächsten Tagen im Ärztehaus nochmals einen Zulauf von Patienten mit Influenza-Symptomen geben kann. «An der Basler Fasnacht war es teilweise kalt und nass. Da haben es die Viren leicht, sich in die Schleimhaut einzunisten.» Danach rechnet Rickenbacher jedoch mit einem raschen Abflauen der Grippewelle.

Autor

Dennis Kalt

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