Der laufende Frühling war warm und trocken. Gemäss Meteo Schweiz erlebte die Schweiz den viertwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864. Während die einen die sommerlichen Temperaturen genossen, bedeuten sie für die anderen nicht nur Freude.

«Wir mussten Ernteausfälle verkraften», sagt Landwirt Bernhard Weiss aus Laufenburg. Vor allem die Zuckerrüben hätten unter der Wärme und der Trockenheit im Frühjahr gelitten. «Einen Acker mussten wir umpflügen. Der Ertrag wäre schlussendlich zu klein gewesen», sagt Weiss.

Aktuell kann sich Weiss aber nicht beklagen. «Der momentane Mix aus warmen Temperaturen und ab und zu einem kleinen Gewitter regt das Wachstum enorm an», sagt er. Getreide wie Mais schiesse regelrecht in die Höhe.

Der Mai war 2,3 Grad zu warm

Die Macht der Natur, welche die Bauern bei der täglichen Arbeit auf dem Feld zu sehen bekommen, belegt Helmut Kohler mit Zahlen. Der Betreiber zweier privater Wetterstationen in Bad Säckingen und Schwörstadt schreibt in seinem Bulletin: «Der letzte Frühlingsmonat war gegenüber der Norm 2,3 Grad zu warm und 17,8 Liter pro Quadratmeter zu trocken.»

Auch der April hatte es wettertechnisch in sich. «Meteo Schweiz» berichtete von einem «Rekord-April» – nur einmal war es in den letzten 154 Jahren seit Messbeginn wärmer. Dies war 2007 der Fall. Es war heuer rund zwei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt.

Der warme Frühling beeinflusste auch die Gefahr von Hochwasser am Rhein. «Mit dem kontinuierlichen Abschmelzen der Schneedecke im Mai verringerte sich auch das Potenzial für Frühjahrshochwasser», sagt Norbert Kräuchi, Leiter der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer. Dies hänge auch mit der raschen, durch Starkregen verursachten Schneeschmelze zusammen. Für den Experten ist die Hochwassergefahr für den Rhein mittlerweile «gebannt», überdurchschnittlich viel Schnee in Höhen von über 2200 Metern liege nur noch im Einzugsgebiet der Rhone.

Noch kein Wassermangel

Obwohl der Frühling bisher sehr warm und trocken ausfiel, ist der Grundwasserpegel noch nicht kritisch tief. «Dafür müsste es ein paar Wochen wirklich trocken sein. Im Moment regnet es ja immer mal wieder», sagt Andreas Schib, Brunnenmeister in Möhlin. Auch in Frick ist das Wasser noch nicht knapp. «Es ist noch alles gut. Wir haben eigentlich Schlimmeres erwartet», sagt Brunnenmeister Nicola Leone. «Natürlich sollte man trotzdem kein Wasser vergeuden», ergänzt er.