Kaiseraugst

Hier wird ein junger Storch beringt – unter den Augen seiner zahlreichen Paten

Kaiseraugst: Jungstorch Pamino wird unter den Augen seiner vielen Paten beringt

Jungstorch Pamino wird untersucht und beringt.

Bei der Beringung der Jungstörche übernahm eine Schulklasse eine Patenschaft.

Pamino ist ein echter Pfundskerl. Der acht Wochen junge Storch bringt stolze 3,9 Kilogramm auf die Waage – und ist damit einer der grössten Jungstörche, die an diesem Mittwochmorgen in Kaiseraugst beringt werden. 21 Jungstörche hätten trotz der lang anhaltenden Kälte und Nässe des Frühjahrs überlebt, sagt Urs Wullschleger. Eine Bilanz, mit welcher der Storchenvater durchaus zufrieden ist: «Das ist sicherlich kein schlechtes Storchenjahr.»

Pamino schlüpfte am 19. April im Horst seiner Eltern auf einer Platane im Pausenhof des Schulhauses Dorf. Deshalb sind an diesem Morgen auch Schul- und Kindergartenklassen bei seiner Beringung und Taufe mit dabei. Lehrerin Jacqueline Koessler beteiligte sich mit ihren Drittklässlern sogar am Programm «Storchenforscher» von Storch Schweiz. Sie haben in den letzten Wochen ganz genau verfolgt, was auf dem Horst so alles passiert ist.

Vögel stellen sich tot

Das waren schöne Momente, beispielsweise, als die Jungstörche im April schlüpften. Aber auch traurige Momente: Paminos drei Geschwister haben das Frühjahr nicht überlebt. «Deshalb sind wir besonders stolz auf Pamino, dass er es geschafft hat», sagt Koessler. «Die Kinder haben einen engen Bezug zu ihm aufgebaut.» Und sie haben eine Patenschaft für den Jungstorch übernommen. Die Beringung und Taufe ist deshalb ein wichtiger Moment. Die Kinder verfolgen ganz genau, was mit «ihrem» Storch passiert.

Und: Auch Paminos Eltern sind nicht weit weg. Von einem der benachbarten Gebäude äugen sie wachsam hinunter. Pamino lässt die Prozedur – sie dauert wenige Minuten – ruhig über sich ergehen. «So lange sie noch nicht fliegen können, stellen sich die jungen Störche in Gefahrensituationen tot», erklärt Bruno Gardelli, Regionalleiter Nordwestschweiz der Organisation Storch Schweiz. Dieser Reflex nennt sich in der Fachsprache Akinese und schützt die Jungvögel beispielsweise auch vor Raubvögeln, während ihre Eltern sich auf Futtersuche befinden. «Die Untersuchung und Beringung stellen eine Stresssituation dar, aber die Vögel werden gut damit fertig und erholen sich schnell», so Gardelli.

Tierärztin Seraina Meister kann Pamino in Ruhe untersuchen. Sie nimmt ein paar Proben von seinen Federn, von Blut und Kot. Sie werden später auf Parasiten untersucht. Schliesslich ist es Jacqueline Koessler, die den Ring am Fuss des Storchs befestigen darf. Das Kürzel «HES SM 200» identifiziert ihn künftig. Dann geht es für Pamino zurück in die Tragevorrichtung und mittels Leiter der Rheinfelder Feuerwehr zurück auf den Horst auf der Platane vor dem Schulhaus Dorf.

Name aus der «Zauberflöte»

Seinen Namen hat der junge Vogel aus Mozarts «Zauberflöte». Seine Eltern heissen – wie die Mensch-Vogel-Mischwesen in der bekannten Oper – «Papageno» und «Papagena». Da lag die Wahl von «Pamina» nahe, heisst so doch deren Tochter. «Zu Ehre des bekannten und leider verstorbenen Kaiseraugster Storchs Camino beschlossen wir die leichte Abänderung des Namens», erklärt Koessler. Für den Storchenvater Urs Wullschleger ist es eine Freude, die Begeisterung und das Interesse der Kinder zu sehen. «So entsteht ein richtiger Bezug zu den Vögeln, die in Kaiseraugst zum Dorfbild gehören.»

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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