Es hustet und niest in den öffentlichen Verkehrsmitteln, an Supermarktkassen und an den Schaltern von Banken und Ämtern. Und wer täglich mit kränkelnden oder angeschlagenen Menschen zu tun hat, ist Grippeviren noch stärker ausgesetzt: Medizinpersonal oder Angestellte in Apotheken und Arztpraxen zum Beispiel. Eine von der Leitung angeordnete Grippe-Impfung gibts es im Fricktal aber nicht.

In der Löwen Apotheke und der Storchen Apotheke in Frick können die Angestellten selber entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen oder nicht. «Eine einzige Impfung habe ich damals meinen Angestellten verordnet: die gegen die Vogelgrippe», sagt Margrit Tscheulin, Leiterin der Storchen Apotheke. Sie legt es ihrem Personal aber nahe, sich impfen zu lassen, sollte eine Grippewelle kommen. Denn die Apotheke kann sich dann «keine personellen Ausfälle leisten». Und Hans-Ulrich Rufer, Inhaber der Löwen Apotheke, findet: «Wenn man gesund lebt und auf sich achtet, genügend schläft und ausgewogen isst, hat man auch ein starkes Abwehrsystem. Von meinen Angestellten ist selten jemand grippekrank.»

Starke Abwehr als Ausrede

«Ich habe ein gutes Immunsystem», das hört auch Beat Rickenbacher, Arzt und Präsident des Hausärztevereins Fricktal, häufig von seinen Berufskollegen als Argument gegen eine Impfung. Er empfiehlt den Mitarbeitern von Apotheken und Spitälern dennoch ausdrücklich, sich impfen zu lassen. «Es geht dabei nicht nur um die eigene Gesundheit», sagt er. «Vor allem wegen der Patienten und Kunden ist es wichtig. Schon vor dem Ausbruch der Krankheit ist man ansteckend.» Trotzdem: In seiner Gemeinschaftspraxis haben sich letztes Jahr nur knapp die Hälfte der Angestellten impfen lassen.

Motivation durch Aufklärung

Auch im Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) in Rheinfelden ist die Impfrate beim medizinischen Personal laut Mediensprecherin Miriam Crespo «nach wie vor eher bescheiden». Erfahrungsgemäss liegt die Quote jährlich bei etwa 20 Prozent. Die Leitung empfiehlt den Angestellten zwar, sich impfen zu lassen – dazu gezwungen werden kann aber grundsätzlich niemand, denn die Bundesverfassung hält in den Grundrechten die körperliche und geistige Unversehrtheit fest. Impfen ist ein Eingriff in die körperliche Integrität, ohne die Einwilligung der Betroffenen darf sie nicht durchgeführt werden.

«Letztlich ist es eine Frage der Unternehmensphilosophie, wie stark man die Mitarbeitenden beeinflussen möchte. Wir respektieren die Entscheidungen unseres Personals und sehen daher davon ab, eine Impfung anzuordnen», so Crespo. Die Leitung des GZF ist aber zuversichtlich, längerfristig mehr Mitarbeiter von einer Grippe-Impfung überzeugen zu können. Dazu wird jeweils parallel zur alljährlichen Grippe-Infokampagne des Bundesamts für Gesundheit eine interne Kampagne lanciert, um die Mitarbeitenden zu motivieren, sich bei den Personalärzten des GZF kostenlos impfen zu lassen.