Bekommt das Fricktal eine Mittelschule? Und, wenn ja: Wo? Diese Fragen werden derzeit im kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) diskutiert – und nun auch in der Region. Die AZ weiss: Kurz vor Weihnachten informierte das BKS den Vorstand des Planungsverbands Fricktal Regio über die Anforderungen an den Standort für eine mögliche Mittelschule im Fricktal. Dieser reichte die Informationen an seine Mitgliedsgemeinden weiter. Verbunden mit der Aufforderung, mögliche Standorte zu eruieren und dem Kanton zu melden.

Rund 500 Fricktaler Schülerinnen und Schüler besuchen heute ausserkantonale Mittelschulen in den beiden Basler Halbkantonen. Im vergangenen August kündigte der Kanton an, die Gestaltung der künftigen Mittelschullandschaft an die Hand zu nehmen und – Zitat aus der damaligen Pressemitteilung – «insbesondere die Situation im Fricktal unter Einbezug der Nachbarkantone zu überdenken». Hintergrund der Überlegungen sind unter anderem die demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Kanton geht davon aus, dass die Anzahl Mittelschülerinnen und Mittelschüler zwischen 2020 und 2040 um rund 20 Prozent wachsen wird. Somit stelle sich die Frage nach einer Mittelschule im Fricktal.

Grosses Grundstück gesucht

BKS-Sprecherin Simone Strub bestätigt, dass die Standortevaluation inzwischen begonnen hat und die Kriterien dafür definiert sind. Die gesuchte Fläche etwa müsste mindestens 30 000 Quadratmeter gross sein, bevorzugt innerhalb einer bestehenden Bauzone liegen und ein Entwicklungspotenzial von mindestens 10 000 Quadratmetern aufweisen. Das ist im an die Gemeinden verschickten Anforderungskatalog festgehalten. Daneben gehören zu den Anforderungen auch «eine gute Lage im Einzugsgebiet und eine leistungsstarke Erschliessung mit öffentlichen Verkehrsmitteln», wie Strub sagt.

Diese Anforderungen – gerade, was die öV-Erschliessung angeht – deuten darauf hin, dass vor allem die zentralen Gemeinden entlang der BözbergZuglinie gute Chancen haben. Das wären Rheinfelden, Möhlin, Frick und Stein. Und der Kanton stösst hier auf offene Ohren. Allen voran Rheinfelden und Möhlin zeigen Interesse. Hier steht eine gemeinsame Lösung im Vordergrund, konkret: eine Mittelschule auf dem im kantonalen Richtplan festgeschriebenen Entwicklungsschwerpunkt Rheinfelden Ost/Möhlin.

Vorschlag eingereicht

Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi hatte bereits am Neujahrsapéro von der Idee geschwärmt, hier eine Mittelschule anzusiedeln. Am Dienstag bestätigte Stadtschreiber Roger Erdin das Interesse gegenüber der AZ. Wenig später gaben die beiden Gemeinden in einer Mitteilung bekannt, dass sie sich mit einem «Areal am Bahnhof Möhlin» offiziell als Mittelschulstandort bewerben. Der Standort sei «hervorragend an den öffentlichen Verkehr angebunden», so Erdin. Ausserdem stammten knapp 83 Prozent der Fricktaler Schüler, die heute eine ausserkantonale Mittelschule in den beiden Basel besuchen, aus dem Einzugsgebiet der beiden Gemeinden.

Möhlin und Rheinfelden dürften mit ihrem gemeinsamen Standortvorschlag allerdings nicht allein bleiben. Bereits von sich aus beworben hat sich der Schulverband Oberstufe Fischingertal mit dem bald leerstehenden Schulhaus in Mumpf (die AZ berichtete).

Auch Frick und Stein interessiert

Und auch in anderen Fricktaler Gemeinden könnte man sich mit einer Mittelschule mehr als anfreunden. «Wir haben grosses Interesse daran», sagt etwa der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer. Die Gemeinde habe betreffend möglicher Standorte bereits die Fühler ausgestreckt. «Klar ist, dass der Standort in der Nähe des Bahnhofs liegen sollte», so Widmer. Auch Stein ist daran, ein entsprechendes Dossier zu erstellen. «Wir haben konkrete Ideen für einen Standort im Hinterkopf», sagt Gemeindeschreiber Sascha Roth.

Der Kanton lässt sich derweil nicht in die Karten blicken. Die Frage, ob Stein – als einzige Fricktaler Gemeinde als möglicher Mittelschulstandort im Schulgesetz festgeschrieben – in der «Poleposition» für eine allfällige Fricktaler Mittelschule ist, beantwortet BKS-Sprecherin Strub so: «Die Eingaben der Gemeinden werden alle gleich behandelt.» Die Eingabefrist für die Gemeinden läuft noch bis Ende Januar. Dann würden die eingegangenen Vorschläge von den Fachpersonen des Kantons auf ihre Eignung geprüft, so Strub. Die Ergebnisse fliessen in den Planungsbericht zur Entwicklungsstrategie für die Mittelschulen ein. Dieser soll im Herbst im Grossen Rat beraten werden.