Frick
Geprellte Kunden sind «stinksauer»: Drei Frauen über ihre Erlebnisse mit der BHS Binkert Schweiz

«Man wird hinters Licht geführt»: Drei Frauen über ihre Erlebnisse mit der BHS Binkert Schweiz GmbH Frick.

Dennis Kalt
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Der Onlineshop «Techniworld.ch» der BHS Binkert Schweiz GmbH hat viele Kunden enttäuscht.

Der Onlineshop «Techniworld.ch» der BHS Binkert Schweiz GmbH hat viele Kunden enttäuscht.

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Eine Vielzahl an Betreibungen laufen gegen die seit Montag konkursite BHS Binkert Schweiz GmbH mit Sitz in Frick. Der Online-Händler um Geschäftsführer Michael Binkert hat mit seinem Shop «Techniworld.ch» eine Flutwelle der Entrüstung geprellter Kunden auf sich gezogen. Der Tenor auf mehreren Bewertungsportalen im Netz: Kunden haben ihre bestellte Ware im Voraus bezahlt, diese aber nicht erhalten; ebenso wenig wie ihr Geld zurück (AZ von gestern).

Eine dieser geprellten Kunden ist Ekaterini Markopoulos aus Basel-Stadt. Im Juli 2020 bestellte sie für ihre Mutter eine Dunstabzugshaube und bezahlte rund 300 Franken im Voraus. Nur: Die Dunstabzugshaube kam nie an. Auf die Rückerstattung des Geldes wartet sie noch heute. «Ich bin stinksauer», sagt Markopoulos. «Nie hätte ich gedacht, dass in der Schweiz und so nahe bei mir, solch ein Betrug stattfinden kann», schiebt sie nach.

Online-Händler vertröstet immer wieder

Bestellt hat sie über «Techniworld.ch», weil der Shop mit einer kurzen Lieferzeit warb und ihre Mutter die Dunstabzugshaube dringend benötigte. Mit «Lieferschwierigkeiten wegen Corona», habe sie der Online-­Händler abgespeist. Nach der Stornierung der Bestellung und der Rückforderung des Geldes, sei sie vom Kundenservice immer wieder vertröstet worden. Es hiess, dass man sich für die Verzögerung der Rücküberweisung entschuldige und man meine Kontodaten nochmals an die Buchhaltung weitergegeben habe, so dass ich in den nächsten sieben Tage mit der Überweisung rechnen könne, erzählt sie.

Schliesslich hat Markopoulos den Online-Händler betrieben – obwohl sie davon ausgeht, ihr Geld nicht mehr wieder zu sehen. «Es geht mir ums Prinzip. Ich habe mir gedacht, vielleicht wird ihm das eine Lehre sein, andere Leute nicht mehr abzuzocken», sagt Markopolous.

Die Geschäftsmachenschaften des Online-Händlers stiessen auch Daniela Obradovic aus dem Raum Zürich sauer auf. Einen Drucker für 268 Franken wollte sie sich bei «Techniworld.ch» bestellen. Nur: Als sie den Drucker via Smartphone bezahlen wollte, kam es während des Traktionsprozesses zum Abbruch – gleiches passierte beim zweiten Versuch.

«Am nächsten Tag habe ich gesehen, dass mir die 268 Franken zwei Mal von meinem Konto abgebucht wurden», sagt Obradovic, die kurz nach ihrer Bestellung vom Online-Händler eine E-Mail erhielt, dass ihr Drucker nicht lieferbar sei.

Eine Mitarbeiterin vom Payment-Service hätte Obradovic daraufhin gesagt, dass man ihre IBAN-Nummer hätte und ihr den Betrag in wenigen Tagen zurückerstatten würde – dazu kam es aber bis heute nicht. «Die Kommunikation des Online-­Händlers läuft professionell und freundlich ab, doch in Wahrheit wird man hinters Licht geführt», enerviert sich Obradovic, die es «eine Schweinerei» findet, «Geld abzukassieren», aber dafür keine Gegenleistung zu erbringen.

Unter Zugzwang wegen ­ausbleibender Lieferung

Gar auf eine Rückerstattung von fast 900 Franken von der BHS Binkert Schweiz GmbH wartet Maria Luise Kleindienst, die in Schöftland ein Geschäft führt. Bestellt hat sie sich einen Kühlschrank und einen Geschirrspüler. «Eine Schweizer Firma mit einem seriösen Auftritt – das hat für mich zunächst gepasst», sagt Kleindienst. Doch auch sie sei vom Online-Händler «x-mal vertröstet» worden.

Als sie schliesslich damit drohte, einen Anwalt einzuschalten, habe sich das Unternehmen gemeldet und gesagt, sie solle doch mit dem Anwalt warten, denn man bemühe sich ja mit der Auslieferung, habe die Ware aber selbst noch nicht vom Zulieferer erhalten, erzählt Kleindienst. «Wieso kann das Unternehmen eigentlich nicht gleich ehrlich sein und sagen, was los ist», fragt sie sich.

Ärgerlich für Kleindienst: Dadurch, dass der Kühlschrank und der Geschirrspüler auf sich warten liessen, kam es zu Verzögerungen in der Herrichtung ihrer Bed & Breakfast-Wohnung. «Ich musste deswegen selbst meinen Küchenbauer immer wieder vertrösten und bin gegenüber meinen Kunden in Zugzwang gekommen», sagt Kleindienst. Über die Geschäftspraktiken des Online-­Händlers kann sie nur den Kopf schütteln.