Wittnau

Gemeinschaftsgrab für 150 Personen geplant: «Es drückt aus, dass im Tod alle gleich sind»

Gemeinderätin Gertrud Häseli mit dem Muster einer Platte, auf der die Namen eingraviert werden.

Gemeinderätin Gertrud Häseli mit dem Muster einer Platte, auf der die Namen eingraviert werden.

Wittnau plant ein Gemeinschaftsgrab für 150 Personen. Die Namenstafeln sollen dabei aus recyclierten Grabsteinen erstellt werden.

Am Anfang stand ein Wunsch aus der Bevölkerung. Jener nach einer Alternative zu einem Einzelgrab, nach einem Gemeinschaftsgrab, wie es viele Gemeinden inzwischen haben. «Immer mehr Menschen stellt die 25 Jahre dauernde Grabpflege vor eine Aufgabe, die sie nicht übernehmen können», sagt die Wittnauer Gemeinderätin Gertrud Häseli. Oder wollen. Weil keine Angehörige im Dorf oder der Nähe leben, weil die Angehörigen selber schon älter sind, weil man diese Last nicht anderen aufbürden möchte.

Der Anfang liegt schon ein paar Jahre zurück. «Die Idee, ein Gemeinschaftsgrab einzurichten, kam vor gut fünf Jahren auf», blickt Häseli zurück. Zwar hat Wittnau bereits ein kleines Gemeinschaftsgrab, in einer Ecke, unscheinbar, mit Ascheabwurf.

«Das ist kein besonders würdiger Ort», findet Häseli. Sie hat aber Verständnis dafür, dass man vor rund 20 Jahren, als das Gemeinschaftsgrab eingerichtet wurde, so gehandelt hat. «Damals dominierte das Traditionelle noch viel stärker.»

Inzwischen geht man mit dem Sterben, dem Tod und der letzten Ruhe auch in traditionell katholischen Gebieten offener um. «Deshalb ist es jetzt Zeit für ein würdevolles Gemeinschaftsgrab.» Auch deshalb, weil nun der Platz vorhanden ist. «Mit dem Ende der Grabesruhe für einen Teil des Friedhofes haben wir den Raum, den das Gemeinschaftsgrab braucht», so Häseli. Das Gemeinschaftsgrab soll im nunmehr freien Bereich neben der Baumallee zu stehen kommen.

Namenstafeln werden in einem Bogen angeordnet

Für Häseli ist das Gemeinschaftsgrab neben den bestehenden Erd- und Urnengräbern sowie der Urnenwand eine zusätzliche Wahlmöglichkeit. Die Namenstafeln sollen dabei in einem Bogen angeordnet werden. Auf beiden Seiten führt ein Plattenweg zu den Tafeln. «Hier können die Angehörigen Blumen niederlegen», sagt Häseli, schüttelt den Kopf. Andere Gemeinden würden dies bei ihren Gemeinschaftsgräbern verbieten. «Das ist mir unverständlich, denn jeder soll seinen Bezug mit Blumen oder Grablichtern ausdrücken dürfen.»

150 Namenstafeln, in zwei Reihen angeordnet, haben auf dem Bogen Platz. «Das reicht für viele Jahre», sagt Häseli. Die Platten sind dabei so gelegt, dass sie der Steinhauer mit in die Werkstatt nehmen und dort bearbeiten kann. «Das erleichtert ihm die Arbeit.»

Auch ein ökologischer Aspekt schwingt im Projekt mit: Die Tafeln bestehen aus Recyclingmaterial. «Wir verwenden dafür jene Grabsteine, die nach dem Ende der Grabesruhe nicht abgeholt wurden und somit in den Besitz der Gemeinde übergingen», sagt Häseli. Der Umstand, dass die Grabsteine aus verschiedenen Steinen gehauen sind, «macht den Bogen gleichzeitig farbig und lebendig».

Häseli findet das Projekt «ab­solut gelungen». Der Friedhof werde so noch mehr zu einem Begegnungsort und das Gemeinschaftsgrab drücke aus, «dass im Tod alle gleich sind».

Dabei tragen die Platten durchaus auch individuelle Züge: Die Schrift, in welcher der Name und die Daten eingraviert werden, gibt die Gemeinde nicht vor. Ebenfalls nicht, wie die Asche im Grabfeld beigesetzt wird. «Das kann eine Urne sein oder auch nur die Asche», sagt Häseli.

An den Kosten will sich die Kirchgemeinde beteiligen

Das Gemeinschaftsgrab kostet 90000 Franken. Die Kirchgemeinde hat vor, sich daran mit 30000 Franken zu beteiligen. Hat das Projekt angesichts der anstehenden Projekte – Stichwort: Turnhalle – vor dem Souverän überhaupt eine Chance? Häseli ist optimistisch. «Die Turnhalle ist ein wichtiges Projekt. Es darf aber nicht alles andere verhindern.»

Davon überzeugen können sich die Wittnauer am 3. Oktober an einer Informationsveranstaltung vor Ort. Da wird auch Planer Remo Streit aus Brugg Fragen beantworten. Läuft alles rund und stimmen Einwohner und Kirchgemeinde dem Projekt zu, soll es im Frühling 2021 umgesetzt werden.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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