Die Auffassungen über die geplante Umwandlung in einer Postagentur prallen zwischen dem Gemeinderat und der Post seit August 2017 unversöhnlich aufeinander. Dennoch scheinen die Tage der Poststelle Gipf-Oberfrick bereits gezählt. Geht es nach Urs Möschli, Leiter Region Basel bei der Post, ist alles schon längst beschlossene Sache. Trotz heftigem Widerstand des Gemeinderats und der Bevölkerung. 676 Unterzeichnende wehren sich mit einer Petition gegen die Schliessung.

«Die Poststelle bleibt für den Gemeinderat unbestritten und wir wehren uns nach wie vor gegen eine Schliessung der Poststelle», betonte Gemeindeammann Regine Leutwyler an einem Informationsanlass in der Mehrzweckhalle. «Von einem Dialog kann aus Sicht der Gemeinde nicht gesprochen werden. Die Meinungen der Post waren immer schon gemacht.»

Als Alternative kommt für den Gemeinderat nur eine «kompetent bediente Agentur» mit grosszügigen Öffnungszeiten infrage. Im Juli 2017 bat der Gemeinderat den Regierungsrat um seine Unterstützung. Der Regierungsrat sicherte darauf hin schriftlich zu, dass er den Erhalt der Poststelle – «soweit sinnvoll» – unterstützen werde. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei der Post.

Umweg über Frick

Tatsächlich reduziert sich durch eine Umwandlung der Poststelle in eine Agentur das Leistungsangebot erheblich. Einzahlungen und Überweisungen sind nur noch bargeldlos mit Karten (PostFinance, Maestro, V PAY) möglich. Immerhin bleibt das «gelbe Büchlein» erhalten, seine Einzahlungen kann man nach wie vor durch einen Stempel quittieren lassen. Maximal 500 Franken können bar ausgezahlt werden. 50 Franken werden für eine Auszahlung garantiert, jedoch ist der Betrag abhängig vom Kassenbestand des Filialpartners. Die Abholung von Gerichts- und Betreibungsurkunden ist dann nur noch in Poststelle Frick möglich. Dafür muss der Kunde zukünftig einen Umweg von rund 2,7 Kilometern in Kauf nehmen.

«Ein verändertes Konsum- und Verbraucherverhalten in der digitalen Welt hinterlässt auch bei der Post seine Spuren, erklärte auf Anfrage Markus Werner, Kommunikationsverantwortlicher Postnetz Region Post. Die Poststelle in Gipf-Oberfrick ist defizitär, die Zahlen sind stark rückläufig. Urs Krattiger, Spezialist Netzentwicklung bei der Post, präsentierte den Anwesenden in der Mehrzweckhalle die Situation der Poststelle auf. Von 2010 bis 2017 wurden 70 Prozent weniger Briefsendungen versendet, 21 Prozent weniger Einzahlungsbelege und 38 Prozent weniger Sendungsabholungen gezählt. Das Paketvolumen erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 10 Prozent.

Kompromiss in weiter Ferne

Der Gemeinderat steht mit der Post weiterhin im Clinch, ein Kompromiss steht noch in weiter Ferne. «Die Gemeinde erwartet bis Anfang 2019 ein konkretes Angebot der Post. Nur wenn die Rahmenbedingungen passen, wird der Dialog mit der Post weitergeführt», so Leutwyler. «Ansonsten fordern wir eine Überprüfung durch die eidgenössische Postkommission PostCom».