Kaiseraugst

Gemeinderat kassiert Abfuhr für Wärmepumpe-Projekt – Kreditantrag deutlich abgelehnt

Die Versorgung der Turnhalle Liebrüti in Kaiseraugst sorgte für Diskussionen.

Die Versorgung der Turnhalle Liebrüti in Kaiseraugst sorgte für Diskussionen.

Die vom Gemeinderat Kaiseraugst bevorzugte Variante wurde von der Gemeindeversammlung abgelehnt. Stattdessen sprach sie sich für Fernwärme aus.

Sie nahmen es mit Humor. 136 Stimmberechtigte fanden sich am Mittwochabend für die Gemeindeversammlung in der Turnhalle Dorf in Kaiseraugst ein. Allesamt mit Masken ausgerüstet. «Es ist schön, alle zu sehen – real statt über Videotelefonie», sagte Gemeindepräsidentin Françoise Moser, und mit Blick auf die Masken: «Ich bin ein wenig überwältigt vom Anblick. Ein bisschen fühlt es sich an wie an der Fasnacht.» Auf eine Maskenprämierung werde sie allerdings verzichten, fügte Moser mit einem hinter ihrer Maske zu erahnenden Lächeln an. Stattdessen ging sie über zum Geschäft.

Die Versammlung arbeitete sich zügig durch die Traktanden. So wurden etwa die Rechnung sowie die Kreditbegehren zur Sanierung des Gemeindehauses und zum Neubau eines Doppelkindergartens einstimmig gutgeheissen. Für Diskussionen sorgte dann das Traktandum zur Heizung im Schulhaus und in der Turnhalle Liebrüti.

Noch werden die Liegenschaften mit Fernwärme von der Firma Hoffmann-La Roche beheizt, aber nur noch bis Ende Jahr. Der Gemeinderat prüfte für die Zeit danach zwei Varianten: weiter Fernwärme – dann von der AEW Energie AG bereitgestellt – oder den Einbau von zwei Luft/Wasser-Wärmepumpen. Wobei der Gemeinderat sich klar für die zweite Variante aussprach, «weil diese umweltverträglicher und auf lange Sicht auch kostengünstiger ist», so Gemeinderat Jean Frey.

Verhandlungen mit der AEW Energie AG

Alt Gemeinderat Meinrad Schmid bezweifelte das in seinem Votum allerdings. Schon im Vorfeld der Versammlung hatte er Kritik geäussert. Nun bekräftigte er diese. Fernwärme ohne fossile Energieträger sei zwar praktisch unmöglich, die AEW Energie AG aber produziere mindestens 80 Prozent der Wärme aus nachhaltigen Energiequellen. Und: «Auch Wärmepumpen werden nicht nur aus Ökostrom betrieben.»

Schmid stellte einen Rückweisungsantrag verbunden mit dem Auftrag an den Gemeinderat, Verhandlungen mit der AEW Energie AG aufzunehmen. Und er formulierte einen Überweisungsantrag, wonach der Gemeinderat ein Programm ausarbeiten soll, wie in Einfamilienhausquartiere Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen gefördert sowie Siedlungsgebiete an das Fernwärmenetz angeschlossen werden könnten.

Kreditantrag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt

Mehrere andere Votanten schlossen sich ihm an. Weitere Argumente waren die Investitionen in Höhe von 750'000 Franken, die sich gegenüber einem Anschluss an die Fernwärme erst nach 20 Jahren amortisieren, sowie die rasante und vor allem ungewisse Entwicklung bei den Technologien, die dazu führen könnte, dass man in 20 Jahren wieder auf andere Energieträger setzt.

Der Gemeinderat liess schliesslich in Absprache mit den Votanten über den eigenen Kreditantrag abstimmen. «Bei einer Ablehnung werden wir die Verhandlungen mit der AEW Energie AG aufnehmen», stellte Françoise Moser klar – und genau so kam es: Mit deutlicher Mehrheit wurde der Kreditantrag abgelehnt. Dem Überweisungsantrag von Schmid hingegen stimmte dann eine ebenso grosse Mehrheit zu.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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