Kunst

Ganz persönliche Einblicke: Rheinfelder Maler gewährt sie in seiner neuen Ausstellung

Unter dem Titel «aus dem richtigen Leben» stellt Viktor Hottinger seine Bilder aus.

Unter dem Titel «aus dem richtigen Leben» stellt Viktor Hottinger seine Bilder aus.

Nach dem Tod seiner Frau war er lange nicht in der Lage, zu malen. Nun stellt der 75-jährige wieder aus und gibt dabei vieles von sich preis.

Leben ist erleben mit all seinen Höhen und dem tiefen Schmerz, der ausgehalten werden muss, schreibt der bekannte Rheinfelder Maler Viktor Hottinger begleitend zu seiner Ausstellung «Bilder aus dem richtigen Leben» in der Johanniterkapelle.

Nach dem Tod seiner Frau Käti im September 2016 war er lange nicht in der Lage zu malen. Nun aber spürte er, dass die Zeit gekommen ist, mit Pinsel und Farbe zu erzählen, was ihn im Innersten beschäftigte und beschäftigt, Stimmungen und Situationen damit Ausdruck zu geben.

Der 75-Jährige vermittelt, wie er den grossen Verlust seiner Frau versucht zu verarbeiten, einen gewissen Abstand zu finden, wieder Freude am Leben zu haben. In dieser Ausstellung sind Erlebnisse der letzten beiden Jahre festgehalten, das Thema «zwüsche Liecht» fand er erst im November 2018. Es bezeichnet die Zeit zwischen beginnender Dämmerung und definitiver Nacht, eine Zeit, in der die Landschaft ihre klaren Umrisse verliert, Horizonte zerfliessen, sich ein Schleier aus dunkelblau-violett und Indigo über alles legt, aber auch kleine, hoffnungsvolle Lichter zu sehen sind.

Fast alle ausgestellten Bilder sind 2019 entstanden. Es sind berührende Momentaufnahmen, emotional mit einer teilweise gewaltigen Wucht, überwiegend in Indigoblau mit ganz unterschiedlichen Farbnuancen. Landschaften, in denen Himmel, Erde, Bäume und Wasser schemenhaft kaum noch erkennbar ineinander übergehen, kleine, hellgelbe Lichtstreifen in weiter Ferne. Packend das Werk, wo er zeigt, wie die erdrückende Last des gesamten Universums auf einen Menschen lastet, sodass er das kaum noch tragen kann, flüchten will vor dem Schmerz, aber «wohin?».

Zwei prallgrüne Bäume erzählen von der Hochzeit mit Käti, der Geburt seiner Kinder, ein «Feuer der Liebe» lodert in Acryl auf Jute. Und gleich daneben der «Radikale Einschnitt» – zwei eng miteinander verbundene Bäume werden durch einen blutigen Riss brutal getrennt. Bildgewordene Einsamkeit eines tiefgebückten Mannes in einer kaltgelben Mondscheibe, eine nach oben führende Leiter, die sich im Nichts verliert zeigen das Unfassbare dieses Verlusts.

Aber auch hoffnungsvolle Augenblicke sind zu sehen, ein «Kleiner Frühling» mit fröhlich umherflatternden Schmetterlingen und bunten Blumen. Ein Bild, an dem der Künstler im Frühjahr lange gemalt hat, wie er sagte.

Episoden aus dem Tagebuch erzählt

Umrahmt wird die Ausstellung bis zur Finissage am 10. November jeweils sonntagvormittags von unterschiedlichen Matinees. Den Anfang machte eine Lesung von kleinen, vergnüglich philosophischen Episoden aus Viktor Hottingers Tagebuch, ein erlebtes Auf und Ab zwischen 1984 und 2010. So erzählte er von einem unerwarteten Zusammentreffen mit kleinen und grossen Säuli auf dem Velo im Wallbacher Forst, erinnert sich wehmütig an gemeinsame Familientage, an Kätis Humor, ihre Grosszügigkeit, überdenkt Begriffe und Werte. Er beschreibt seine Begegnung in kalter, ungemütlicher Morgenstunde mit einem alten Mann, der ihm förmlich ein Gespräch aufnötigte.

Hottinger liess die vielen Besucher teilhaben an seinen nächtlichen Gedanken, machte sich lustig über den Wahnsinn der Nummerierungen aller Dinge, berichtete über eine vergessene Tasche und – alle kennen es – einen wie vom Boden verschluckten Autoschlüssel, der an nie erwarteter Stelle wieder auftauchte. Auch eine nächtliche Heimfahrt auf dem Velo in der Fussgängerzone blieb natürlich selbst zu dieser Stunde nicht ungesühnt.

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