Fricktal

Fricktaler Schüler schliessen ihre Französisch-Sprachlücken in Basel schnell

Cécile Wanzenried aus Möhlin geht am Gymnasium Leonhard in Basel zur Schule.

Cécile Wanzenried aus Möhlin geht am Gymnasium Leonhard in Basel zur Schule.

Aargauer Bez-Schüler, die auf Gymnasien in Basler Kantone wechseln, haben Nachteile im Fach Französisch – den Rückstand machen sie jedoch nach ein paar Monaten wett.

Hello statt salut. Good evening statt bonsoir. Schülerinnen und Schüler im Kanton Aargau lernen als erste Fremdsprache – ab der dritten Klasse – Englisch. Erst in der sechsten Klasse folgen die ersten Franz-Vokabeln. Bis mindestens 2020 wird dies auch so bleiben, das hat der Aargauer Regierungsrat im August entschieden.

In den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft dagegen beginnt der Französisch-Unterricht in der dritten Klasse und die ersten Englisch-Kenntnisse werden in der fünften Klasse vermittelt. In Zahlen gesprochen heisst das: Fricktaler Schüler haben nach der obligatorischen Schulzeit 19 Wochenlektionen Englisch und 13 Wochenlektionen Französisch gelernt – genau umgekehrt sehen die Zahlen in den beiden Basler Kantonen aus. Vorläufig ändert sich an diesen unterschiedlichen Vorzeichen nichts.

Vorsprung in Englisch

In den Gymnasial- und FMS-Klassen in Muttenz und Basel treffen dann die Schüler mit unterschiedlicher Vorbildung aufeinander. In Muttenz machen die 350 Fricktaler Schülerinnen und Schüler derzeit 40 Prozent der Gesamtzahl aus. Im Stadtkanton sind es deutlich weniger, doch auch hier gibt es Schulen wie das Gymnasium Münsterplatz mit knapp 15 Prozent Fricktaler Schülern.

Sind dann die Unterschiede im täglichen Unterricht spürbar? «Die meisten Fricktaler Schüler haben in der Tat einen Vorsprung im Fach Englisch. Sie sind allgemein schneller fertig mit den Übungen und können flüssiger sprechen», sagt Brigitte Jäggi, Rektorin des Gymnasiums Muttenz. Nora Likovic aus Stein, aktuell in der zweiten FMS-Klasse in Muttenz, bestätigt dies.

Auch Cécile Wanzenried hat diese Erfahrung gemacht. Die Möhlinerin geht seit einem Jahr in Basel ins Gymnasium Leonhard. Die Wahl fiel auf Basel, «um neue Leute kennenzulernen, fast alle aus dem unteren Fricktal gehen ja nach Muttenz». Der Plan ist aufgegangen, sie ist die einzige Fricktalerin in der Klasse. Im Englischunterricht seien Themen durchgenommen worden, «die wir in der Bez schon hatten», so Wanzenried. «Es war aber teilweise auch für Basler Repetition. Und: Sie hat mir gutgetan», sagt die Schülerin.

Die Englischlehrer in Muttenz gewinnen laut Jäggi den unterschiedlichen Niveaus – oder Levels - in den Klassen Positives ab: «Der Unterschied ist auf jeden Fall förderlich für das Lernklima, da die schnellen Schüler gute Beiträge bringen und die Qualität erhöhen.» Den fortgeschrittenen Schülern – «es gibt aber auch Baselländler, die zum Teil sehr gut in Englisch sind» – böten die Lehrpersonen jeweils «Knacknüsse», um sie nicht zu unterfordern. «Es ist eine Art Binnendifferenzierung, bis alle dasselbe Niveau erreicht haben.»

Im Fach Französisch hat man bereits vor vier Jahren auf das strukturelle Defizit der Fricktaler reagiert. «Die Bezirksschulen bieten in den 4. Klassen ein Förderangebot F+ von einer zusätzlichen Lektion an», erklärt Brigitte Jäggi. Zudem gibt es auch in Muttenz und Basel Förderangebote. «Die Lehrpersonen beobachten in den ersten Wochen die Schüler und melden allfällige Kandidaten», so Simon Thiriet, Leiter Kommunikation des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt. «Diese haben dann die Gelegenheit, zusätzliche Französisch-Lektionen zu erhalten, um die Lücken zu schliessen.» In Muttenz können Schüler mit Französisch-Defiziten während eines Quartals eine Zusatzlektion besuchen.

Nora Likovic und Cécile Wanzenried haben beide vom Förderangebot an der Bezirksschule Gebrauch gemacht. In den weiterführenden Schulen fanden sie den Anschluss ohne zusätzliche Französischlektionen. Die Baselbieter hätten nur «einen minimalen Vorsprung» gehabt, sagt Likovic. Gar keinen Unterschied hat Wanzenried festgestellt. Sie sagt allerdings von sich auch: «Ich habe an der Bez in vier Jahren mehr Französisch gelernt als in sieben Jahren Englisch.»

Lehrer sind wegweisend

Für Brigitte Jäggi ist im Fach Französisch denn auch ein anderer Faktor wichtiger als die kantonale Herkunft: «Viel entscheidender scheint die Kontinuität des bisherigen Unterrichts zu sein, das heisst zu viele Lehrkraft-Wechsel beeinträchtigen die Vorkenntnisse mehr.» Und: «Die Erfahrung zeigt auch, dass das Engagement der Lehrperson wegweisend ist. Die auffallend guten Schüler kommen oft aus der gleichen Gemeinde und hatten dieselbe Lehrperson - sei das nun in Basel-Land oder im Aargau.»

Diese Einschätzung teilt auch Cécile Wanzenried. Und die Gymnasiastin betont darüber hinaus, dass die Niveau-Unterschiede im Unterricht nie zu Problemen geführt hätten. «Innerhalb der Klasse war das nie ein Thema – und spätestens an Weihnachten waren die Unterschiede sowieso ausgeglichen.» Nora Likovic spricht sogar nur von «ein bis zwei Monaten», bis alle auf dem gleichen Level waren. Die beiden Schülerinnen bestätigen damit die Erfahrungen der Schulen. «Nach ein paar Monaten ist der Anschluss jeweils erreicht», sagt etwa Simon Thiriet.

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