Pandemie

Fricktaler Restaurants während Corona eröffnet: «Normale Jahre kennen wir ja nicht»

Auch 2020 haben Fricktaler Gastronomie-Betriebe neu eröffnet – und sind trotz der Corona-Auflagen zufrieden.

Corona hat ihren Einstand in die Gastronomie gehörig durcheinandergewirbelt. Aber so langsam geht es für die Fricktaler Wirtinnen und Wirte aufwärts. Und sie ziehen eine positive Bilanz ihrer ersten Monate Selbstständigkeit als Beizer.

«Wir haben am 9. März eröffnet, eine Woche vor dem Lockdown», berichtet Giovanni Rosso vom «Warteck» in Kaisten. Voller Hoffnung waren er und Ehefrau Carolina an der neuen Wirkungsstätte ans Werk gegangen. Wollten die Kaister mit Pizza und Pasta beglücken. Dann machte ihnen die Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Glück für das Paar, dass ihnen der Liegenschaftsbesitzer während der Zwangsschliessung die Miete erliess. Heute, nach vier Monaten Wiedereröffnung, sagt Rosso: «Wir sind zufrieden. Normale Jahre kennen wir ja nicht.» Dank mehrerer Säle kann er die Gäste mit ordentlich Sicherheitsabstand dazwischen platzieren. Und: «So langsam kommen auch die Vereine wieder.»

Über die erste GV eines Vereins in ihren Räumen freute sich auch schon Svenja Häfeli vom Café Nova in Mettauertal. Im Juli an den Start gegangen, verspürt sie grossen Zuspruch aus dem Dorf, wie sie sagt. Vor allem der Freitagabend, wenn bis 23 Uhr geöffnet ist, sei stark frequentiert. Neu im Angebot hat die 23-Jährige warme Toasts in der Mittagszeit. «Wir werden jetzt auch das Kuchenangebot ausbauen, nachdem die Nachfrage nach Glace eher zurückgeht», kündigt sie an. Da muss dann Mutter Silvia, die mit im Betrieb arbeitet, noch länger in der Backstube stehen.

Am Anfang nur Take-away und Lieferdienst

Mittendrin im Lockdown, am 1.Mai, eröffnete Taher Hakimbai in der Laufenburger Altstadt seinen «Probstei Orient Express». Und konnte anfangs nur Take-away und Lieferdienst anbieten. Inzwischen bedienen er und sein fünfköpfiges Team auch Gäste an elf Tischen im Restaurant und draussen. Mittlerweile freut sich Hakimbai über 86 5-Sterne-Bewertungen auf einer Online-Bewertungsplattform. «Ich habe den Schritt, mich selbstständig zu machen, nicht bereut», sagt er. Aber bei einer Sache klingt er doch nachdenklich: «Ich frage mich, wie es in der Winterzeit weitergeht, wenn die Terrasse geschlossen ist.»

Darüber macht sich Ralph Scherz, seit 1. Juni Wirt vom «Pöstli zum Mönch» in Münchwilen, noch keine Gedanken. Noch ist es warm. Noch ist die unter einem Blätterdach liegende Terrasse das Highlight des Restaurants. «Sagenhaft angelaufen, wie im Märchen», bilanziert Scherz nach rund drei Monaten.

Essen wie bei der Grossmutter

Sein Erfolgsrezept: «Essen wie bei Grossmutter, moderate Preisen und viel Solidarität». Und das nicht nur seitens der Münchwiler, sondern darüber hinaus – aus dem Fricktal, dem Baselbiet und der Region Brugg. «Die Leute kommen, weil ich ihnen Gerichte auftische, die in der Gastronomie selten geworden sind», glaubt Scherz. Essen, das man nicht überall serviert bekomme: «echte, ehrliche und ursprüngliche Küche.»

Noch verhalten tönt es bei Ljubomir Klincov, der seit August gemeinsam mit Sohn Milos das «Rössli» in Obermumpf ­betreibt. «Jeder Anfang ist schwer», sagt er. Ihn bestärken die «positiven Rückmeldungen» aus dem Dorf. «Die Neugier und das Interesse an dem nach mehr als drei Jahren Sanierung wiedereröffneten Restaurant», freuen ihn. Aber noch sei das Team im Aufbau begriffen. Noch fehle zum Beispiel ein Koch, der Balkan-Spezialitäten zubereiten könne.

Aargauer Gastro-News 2020

Meistgesehen

Artboard 1