Fricktal

Fricktal könnte bald eine eigene Mittelschule bekommen - aber wo?

Verkehrstechnisch trumpft das Areal beim Bahnhof Möhlin als Kanti-Standort auf. Noch ist aber alles offen. Die einzelnen Standorte werben mit unterschiedlichen Vorteilen.

Was der Grosse Rat bereits 1975 festgelegt hat und was seit 1981 im Schulgesetz steht, könnte 2028 endlich Realität sein: Das Fricktal bekommt, als letzte Region im Aargau, eine eigene Mittelschule. Der Kanton will bis im Sommer seine «Entwicklungsabsichten für die Mittelschullandschaft» in einem Planungsbericht aufzeigen – und dabei liegt der Fokus auf zwei zusätzlichen Mittelschulen, eine davon im Fricktal (die AZ berichtete).

Handlungsbedarf hat der Kanton aufgrund der demografischen Entwicklung. Er rechnet bis 2040 mit einem Anstieg der Mittelschüler um 20 Prozent. Da die Platzsituation an den Aargauer Mittelschulen heute schon angespannt ist und da auch die beiden Basler Halbkantone, wo aktuell 500 der rund 660 Fricktaler Gymnasiasten zur Schule gehen (siehe Tabelle), selber Raumbedarf haben, stehen die Chancen auf eine eigene Kantonsschule im Fricktal so gut wie noch nie.

Das wissen auch die Fricktaler Gemeinden – und sie bringen sich in Position, denn eine Kantonsschule im Gemeindeportfolio macht sich gut. Gleich vier Standorte haben ihr Interesse an der Fricktaler Kanti beim Kanton angemeldet und Bewerbungsdossiers eingegeben. Frick will das Gymnasium, Stein ebenso. Möhlin und Rheinfelden spannen, für einmal, zusammen, und auch der Schulverband Fischingertal sieht in der geplanten Kantonsschule eine Möglichkeit, sein ab Sommer leer stehendes Oberstufenzentrum weiter zu nutzen.

Aus Schüleroptik, das hat die AZ letzte Woche aufgezeigt, hat wohl der Standort Möhlin/Rheinfelden die Nase vorne, gefolgt von Frick, Stein und Mumpf. Wie aber sieht es in Sachen Verkehrsströme aus? Welcher Standort erzeugt die kleinsten Verkehrsströme oder hilft sogar mit, dass diese antizyklisch zum Pendlerverkehr verlaufen?

Eine Auswertung der Schülerzahlen aus dem Schuljahr 2016/17 zeigt, dass knapp zwei Drittel der Fricktaler, die ein Gymnasium oder eine Fachmittelschule besuchen, aus dem Bezirk Rheinfelden stammen. Allein aus den drei Gemeinden Magden, Möhlin und Rheinfelden waren es im Schuljahr 2016/17 261 Schüler. Das entspricht knapp 40 Prozent aller Schüler.

Die Massierung vieler Schüler auf wenige Gemeinden rund um den Standort Möhlin/Rheinfelden – die Kantonsschule ist direkt beim Bahnhof in Möhlin angedacht – ist ein Pluspunkt für diesen Standort; er würde die Verkehrsströme am wenigsten belasten.

Antizyklische Verkehrsströme

Positiv fällt zudem ins Gewicht, dass die Schüler aus Rheinfelden – hier ist fast jeder sechste Fricktaler Kantonsschüler zu Hause – nach Möhlin antizyklisch pendeln würden und damit die heute stark ausgelasteten Zugsverbindungen am Morgen Richtung Basel entlasten. Dies ist heute anders, denn aktuell fahren jeden Morgen 350 Fricktaler Schüler nach Muttenz und 150 nach Basel zur Schule.

Dieses Argument gilt jedoch auch für die anderen Standorte – und dies sogar noch im verstärkten Mass, denn wäre die Schule beispielsweise in Frick, würden auch die Steiner (17 Schüler) und Eiker (7) antizyklisch pendeln. Für Frick spricht zudem, dass dieser Standort auch für andere Regionen – allen voran Brugg – interessant sein könnte.

Stein wiederum trumpft mit seiner Zentrumslage im Fricktal auf; es ist wohl der «gerechteste» Standort, denn hierher hat es (fast) niemand wirklich weit.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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