Frick

Freiwillige verhelfen Flüchtlingen zu Arbeit – und monieren: «Unterstützung durch Kanton fehlt oft»

Hossein Musavi (l.) ist froh um die Unterstützung von Rolf Schmid und der Kontaktgruppe Asyl.

Hossein Musavi (l.) ist froh um die Unterstützung von Rolf Schmid und der Kontaktgruppe Asyl.

Die Kontaktgruppe Asyl Frick hat 15 Flüchtlingen eine Lehr- oder Praktikumsstelle vermittelt – und übt Kritik an der Haltung des Kantons.

Hossein Musavi ist die Freude anzusehen. Der 21-jährige Afghane, der seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz lebt und inzwischen den Status «vorläufig aufgenommen» hat, kann im August in Zeihen eine Lehre als Montageelektriker beginnen. «Das ist ein grossartiges Gefühl», sagt er.

Für Musavi geht damit der Traum in Erfüllung, auf den er in den letzten Monaten mit Unterstützung der Kontaktgruppe Asyl Frick hingearbeitet hat. Musavi war 2016 vor dem Krieg in Afghanistan geflohen, kam in die Schweiz und wurde der kantonalen Asylunterkunft in Frick zugewiesen. Seit er den Status F, also den Status «vorläufig aufgenommen», hat, lebt er in der Flüchtlingsunterkunft in Wegenstetten, die Anfang Jahr wegen Kakerlaken und fehlenden Mobiliars in die Schlagzeilen geraten war.

Man könne in der Schweiz viel erreichen, wenn man nur wolle, ist Musavi überzeugt. Er wollte und lernte innert weniger Monate, gut deutsch zu sprechen. «Das ist die Voraussetzung für die Integration», sagt Rolf Schmid von der Kontaktgruppe Asyl.

Die Kontaktgruppe umfasst rund 30 Freiwillige. Sie betreuen die bis zu 150 Asylsuchenden in der Unterkunft im ehemaligen A3-Werkhof.

Als neues «Handlungsfeld» kam im letzten Jahr die Vorbereitung der Asylsuchenden auf eine Lehre oder ein Praktikum hinzu. «Im Herbst 2018 bekamen die ersten Asylsuchenden aus Frick den Status F oder B und dürfen damit im ersten Arbeitsmarkt tätig werden», sagt Schmid.

Bei der Suche nach einem Arbeits- oder Lehrplatz werden sie von der Kontaktgruppe unterstützt. Das sei nicht einfach, so Schmid und meint es in doppelter Hinsicht. Zum einen haben nicht wenig Arbeitgeber Vorbehalte gegen die Anstellung von Flüchtlingen. Infrage gestellt werden oft der Durchhaltewille, das Geschick und die Sprachkenntnisse. «Hier gilt es, Vorurteile abzubauen.»

Zum anderen verhalte sich der Kanton nicht immer kooperativ. «Die Unterstützung fehlt oft», sagt Schmid. «Aber wenigstens behindert er unsere Arbeit nicht.» Für ihn ist das zu wenig. «Es ist anmassend, dass sich der Kanton auf die Arbeit der Freiwilligen abstützt.»

Wenn die Freiwilligen nicht wären, «würde den Flüchtlingen niemand bei der Integration in den Arbeitsmarkt helfen.» Hier wünscht sich Schmid ein Umdenken beim Kanton, mag aber selber nicht recht daran glauben. Zwar wird die Integrationspauschale erhöht, «doch für diesen Bereich wird kaum mehr abfallen».

Aktuell könnten rund 30 Flüchtlinge, die in Frick leben oder bis vor kurzem gelebt haben, in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Für 15 ist es der Kontaktgruppe bereits gelungen. Dahinter stecke viel Arbeit, sagt Schmid. Die Kontaktgruppe schreibt gezielt Firmen an, die Lehrstellen oder Jobs ausgeschrieben haben. Klappt es mit der Schnupperlehre, klappt es oft auch mit der Lehrstelle. «Die grosse Hemmschwelle ist der Erstkontakt zwischen Arbeitgebern und Flüchtlingen», so Schmid.

Manchmal geht es aber auch ganz einfach – wie bei Hossein Musavi. Ein Mail an den Inhaber der Richard Schmid Elektrofachgeschäft AG in Zeihen reichte – und Musavi konnte schnuppern gehen. «Zwei Wochen später hatte ich die Zusage», erzählt der junge Afghane.

Derzeit sei es einfacher als vor einigen Monaten, Flüchtlinge zu vermitteln, weiss Schmid. «Wer noch eine offene Lehrstelle für den Sommer hat, ist offener dafür, einen Flüchtling zu nehmen.» Er würde sich wünschen, dass die Unternehmen, die gute Erfahrungen mit Flüchtlingslehren gemacht haben, dies innerhalb der eigenen Branche noch verstärkt verbreiten würden. «Das würde unsere Arbeit erleichtern.»

Arbeitgeber missbrauchen Praktika-Plätze

Die meisten Flüchtlinge seien sehr motiviert, urteilt Schmid. «Man muss sie einfach an die Hand nehmen und führen.» Das fängt zum Teil schon bei der Suche nach dem richtigen Beruf an. «Während einige einen klaren Berufswunsch haben, haben anderen keine Vorstellungen davon, was sie arbeiten wollen.»

Bei Musavi war auch dieser Schritt einfach. «Er erzählte, dass er technische Berufe mag, und so kamen wir im Gespräch schnell auf das Berufsfeld Elektriker.»

In der ersten Zeit vermittelte die Kontaktgruppe Asylsuchende auch in Praktika. Davon ist sie wieder abgekommen. «Wir haben zum Teil schlechte Erfahrungen gemacht», sagt Schmid. So gebe es Unternehmen, die einfach Praktikant an Praktikant einstellen, um Stellen einzusparen. «Das kann es nicht sein», ärgert sich Schmid. «Das ist Ausbeutung.»

Enttäuscht ist er nicht nur von den Unternehmen, sondern auch vom Kanton. Man habe diese Fälle gemeldet, doch geschehen sei nichts.

Finanzielle Anreize sind zu klein

Nicht gut gelöst ist für Schmid auch die finanzielle Frage. Die Flüchtlinge, die eine Lehre beginnen, bekommen gerade einmal 100 bis 150 Franken pro Monat mehr als jene, die nichts machen. «So fehlt zum einen bei einigen der Anreiz, zu arbeiten», sagt Schmid. Zum anderen reicht das Geld kaum für Lehrbücher sowie Arbeits- und Schulweg.

Aber auch die Wohnsituation ist teilweise hinderlich. In Wegenstetten etwa teilen sich vier Flüchtlinge ein Zimmer. WLAN gibt es nicht. «Lernen ist unter diesen Prämissen nur schwer möglich», sagt Schmid.

Glücklich mit der Wohnsituation ist Hossein Musavi nicht. Beklagen will er sich aber trotzdem nicht. «Ich bin froh, dass ich diese Chance erhalte», sagt er. Er wolle in der Lehre alles geben. «Ich will ein guter Elektriker werden.» Und nach der Lehre? Musavi lächelt verlegen. «Mein Traum wäre es, in der Schweiz bleiben und arbeiten zu können.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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