Alfons P. Kaufmann strahlt – und dies in beide Richtungen. Der 57-Jährige strahlt von innen nach aussen, denn den Optimismus, der tief in ihm wurzelt, der ihn erdet, spürt man, wenn man mit ihm redet, wenn er von seinem Weg erzählt, vom Glück, das er im Leben stets gehabt habe. Er war dabei, auch dies zeigt das Gespräch, immer auch der eigene Schmied seines Glücks.

Kaufmann strahlt aber auch von aussen nach innen, denn an beiden Handgelenken trägt er je vier Armbänder aus unterschiedlichen Halbedelsteinen, am Hals baumelt eine Steinkette. «Die Steine begleiten mich schon mein ganzes Leben lang», sagt er.

Er könne nirgends hingehen, ohne einen Stein mit nach Hause zu nehmen. Ihn, den Strahler, den Steinsucher also, fasziniert dabei die Formgewalt der Natur ebenso wie ihre Heilkraft. Ja, sagt er, ohne zu zögern, er glaube daran, dass Steine helfen, zu heilen. Jeder Stein habe eine andere Energie, eine andere Wirkung.

Der Glaube versetzt Berge, mögen es andere belächeln, das ist Kaufmann egal. Er will in diesem Jahr ohnehin mithelfen, einen grossen Berg zu versetzen, nämlich jenen des tristen Niedergangs der CVP. «Die Talsohle ist erreicht», sagt er, sagt es aus tiefer Überzeugung.

Gut, viel weiter kann der Stimmenanteil in der Tat nicht mehr sinken, denn bei den letzten Nationalratswahlen machte die CVP im Aargau gerade noch 8,59 Prozent der Stimmen – gerade noch gut halb so viel wie 2003. Ein Halten ist Kaufmann, der seit Januar die CVP-Fraktion im Grossrat präsidiert, aber zu wenig. Man werde mehr Stimmen holen, auch dank den verschiedenen Unterlisten – «und damit auch den zweiten Sitz.» Er lacht. «Ich bleibe Optimist.»

Auf diesem zweiten CVP-Sitz, so er denn kommt, könnte Kaufmann Platz nehmen, insbesondere dann, wenn Marianne Binder (im zweiten Wahlgang) in den Ständerat gewählt wird. Kaufmann startet zwar nur von Platz sechs auf der CVP-Liste, hat aber bei den letzten Grossratswahlen bewiesen, dass man alles schaffen kann, wenn man es unbedingt will.

Als Kandidat aus einer kleineren Gemeinde startete er mit einem Handicap gegenüber seinem Mitbewerber aus Rheinfelden, überholte ihn dann aber stimmenmässig und zog in die Legislative ein. Weil er viel Zeit in den Wahlkampf steckte, weil er sich auf das einmal gefasste Ziel fokussiert hat – und weil er zu den Leuten ging.

Erfinder des Risotto-Busses

Er erfand damals den Risotto-Bus, der nun im Wahlkampf durch alle elf Aargauer Bezirke tourt. Natürlich wird ein oranges Risotto serviert. Er habe lange gepröbelt, sagt er, denn wichtig war ihm, dass es ein Risotto wird, das sich jede Familie leisten kann. Mit teurem Safran oder künstlichen Farbstoffen musste man dem Farbprofi dabei nicht kommen; er (er-)fand sein oranges Risotto mithilfe von Rüebli. «Die passen erst noch perfekt zum Rüebli-Kanton», schmunzelt er.

Kaufmann bekam für seine Rüebli-Risotto-Idee am letzten Parteitag kurzerhand die Chef-Kochmütze verpasst. Eine orange, versteht sich. Das Risotto verrät viel über den Unternehmer. Zum einen seine Vorliebe fürs Essen. Zum anderen für das Tessin. Hier zieht es ihn seit seiner Kindheit jedes Jahr hin. Das Tessin sei seine zweite Heimat, sagt er, und ist seinem Grossvater dankbar, dass dieser sich vor Jahrzehnten vis a vis von Locarno einen Flecken Erde gesichert hat, den er nun zusammen mit seinen Geschwistern besitzt.

Das Risotto verrät noch etwas über Kaufmann: sein Wunsch, mit den Menschen in Bezug zu sein, etwas für sie zu tun. Man müsse zu den Menschen gehen, sie anhören, ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen, sagt er. Dafür sei der Risotto-Bus gedacht. «Auch wenn nur eine Handvoll Leute kommt – es hat Wirkung», ist er überzeugt.

Dieses Austarieren ist auch seine Art zu politisieren. Andere mögen das WischiWaschi-Politik nennen, das ist Kaufmann egal. «Mir geht es um Lösungen und die lassen sich nicht in ein Links-Rechts-Schema pressen», sagt er. Mit Populismus kann er überhaupt nichts anfangen, «egal, ob er nun von Links oder von Rechts kommt».

Wichtig ist ihm bei allem, was er tut, es mit Respekt vor dem Gegenüber zu tun. «Ich ziele nie auf den Mann oder die Frau.» Das ist für ihn, den Katholiken, auch Bestandteil des «C». «Das ‹C› bedeutet nicht, dass ich auf Kirchenlinie politisiere, sondern dass ich es ethisch-moralisch verantworten kann.» Vor sich, den anderen, der (Um-)Welt.

Das «C» wurde ihm schon in die Wiege gelegt, wenn man so will. Denn schon sein Vater politisierte in der CVP. Von ihm hat er vor 27 Jahren auch das Maler- und Gipsergeschäft übernommen. Heute zählt es 12 Mitarbeitenden, davon 2 Lehrlinge. Dass er die Leitungsstruktur anpassen müsste, wenn er gewählt würde, ist er sich bewusst. Probleme seien nichts anderes als Herausforderungen, ist er überzeugt.

Eine solche ist die Nachfolgeregelung im Betrieb ohnehin. Er habe seiner Belegschaft vor zwei Jahren, mit 55, gesagt, er werde die nächsten zehn Jahre nutzen, um eine gute Nachfolgelösung zu finden. Ob dies eine interne – einer seiner drei Söhne ist Maler und Gipser/Trockenbauer – oder eine externe sein wird, weiss er noch nicht. «Es kommt wie es kommt», sagt er. In seiner Stimme schwingt nicht Gleichgültigkeit mit, sondern Zuversicht, ja, eine innere Gewissheit.

«Das ist moderner Sklavenhandel»

Als Unternehmer ist es sich Kaufmann gewohnt, zu (ver)handeln. Wenn es sein muss, auch einmal hart. Diesen Biss zeigt er auch, wenn er von den politischen Themen spricht, die ihn bewegen. Die Bildung etwa, die mitten in einem Umbruch steckt. «Bildung ist die einzige Ressource, die wir haben», mahnt er. «Wir müssen erwachen, sonst werden wir abgehängt.» Oder vom «Pulverfass Wirtschaft», auf dem die Schweiz sitze.

Fachkräftemangel und Pensionierungswelle «werden uns vor gewaltige Probleme stellen». Er nimmt dabei seine Unternehmerkollegen mit in die Pflicht. «Wer seine Arbeitnehmer nicht fair behandelt und entlöhnt, begeht langfristig Selbstmord», mahnt er und sagt über Temporärfirmen: «Das ist moderner Sklavenhandel.»

Harte Worte, die im Kontrast zum Wandgemälde und den geschwungenen Säulen im Büro stehen. Sie wirken fremd, südländisch, fast schon kitschig. Er habe in Venedig eine Zusatzausbildung in alter Handwerkstechnik absolviert, erzählt er, dazu gehöre das Restaurieren von alten Gemäuern ebenso wie von Freskos. «Es war eine der lehrreichsten Zeiten.» Eine ebensolche waren auch die 16 Jahre, die er in der Verbandspolitik durchlaufen hat. Zuerst war er Präsident des Aargauischen Maler- und Gipserverbandes, dann des Schweizerischen.

Zusammen mit den Erfahrungen im Grossrat bringe er den Rucksack für Bern mit, ist Kaufmann überzeugt. Den Willen ebenso. «Wenn man ein Ziel konsequent verfolgt, ohne dabei überheblich zu sein, erreicht man es auch», sagt Kaufmann. Dieser Satz beschreibt Kaufmann bestens. Es ist diese Mischung aus Zielstrebigkeit und Menschlichkeit, die ihn auszeichnet.