Laufenburg

Fit für die nächsten 40 Jahre: Museum Schiff soll in die Zukunft segeln

Das Museum in Laufenburg soll für drei Millionen Franken umgebaut werden. Im November entscheiden nun die Einwohner und Ortsbürger — «Es geht um viel», sagt Projektleiter Joe Schnetzler.

Nun ist es definitiv: Die Kreditanträge für den Aus- und Umbau des Museums Schiff kommen an die nächsten Gemeindeversammlungen der Laufenburger Ortsbürger und Einwohner. Dies bestätigt Gemeindeammann Herbert Weiss auf Anfrage.

Zusammen sollen Ortsbürger- und Einwohnergemeinde 1,35 Millionen Franken an das Vier-Millionen-Projekt beisteuern; drei Millionen macht dabei der Bau aus, eine Million kosten Konzept und Betriebseinrichtung. Den Rest des Geldes will der Museumsverein über Subventionen, Spenden und Eigenmittel stemmen. Auch badisch Laufenburg will sich mit 110'000 Euro an den Kosten beteiligen; der Betrag wurde in den Haushaltsplan aufgenommen.

Dieses grenzüberschreitende Moment ist Projektleiter Joe Schnetzler und Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins, wichtig. Man wohne zwar in zwei Ländern, sei aber eine Stadt, betonten sie gestern vor den Medien. Das Projekt steht denn auch unter dem Motto: «Meine Stadt, mein Museum».

Offene Fragen noch vor der Gemeindeversammlung klären

Die Verantwortlichen des Museumsvereins sind sich dabei bewusst: «Es ist eine gewaltige Investition.» Auch deshalb forderte die Ortsbürgerkommission – die Ortsbürger sollen 850'000 Franken beisteuern –, dass aus ihrer Sicht offene Fragen noch vor der Gemeindeversammlung geklärt werden.

Dazu wurde eine fünfköpfige Task Force eingesetzt. Diese hat laut Schnetzler inzwischen getagt. Noch ausstehend ist ein Assessment, das der bekannte Brugger Architekt Walter Tschudin erstellen soll. Tschudin war lange Präsident der Gesellschaft Pro Vindonissa, welche die Erforschung des antiken Fundplatzes fördert.

Das Gutachten soll zusätzliche Planungssicherheit bringen, wie sich das Gemeinde und Ortsbürger angesichts der hohen Investitionen und der jährlichen Betriebskostenbeiträge, die mit dem neuen Museumskonzept ebenfalls steigen werden, gewünscht haben.

«Walter Tschudin wird eine Plausibilitätsprüfung vornehmen», erklärte Schnetzler. Er ist sich wie Burger sicher: «Das Assessment wird unsere Vorarbeiten bestätigen.» Spätestens bis am 7. November wird das Gutachten vorliegen; an diesem Tag führt der Museumsverein eine Infoveranstaltung in der Aula Blauen durch. Die Gemeindeversammlungen finden dann gut eine Woche später statt.

Sollte das Gutachten «wider Erwarten grössere Bedenken aufzeigen, müssten wir die Grösse haben, unsere Kreditanträge an den Versammlungen zurückzuziehen», sagt Schnetzler, fügt aber sogleich hinzu: «An dieses Szenario glaube ich nicht.»

Die Gebäudesubstanz ist schlecht, das Dach undicht

Klar ist: Auch im Falle einer Rückweisung durch die Gemeindeversammlungen müssten Museumsverein und Stadt handeln. Denn: «Die Gebäudesubstanz ist schlecht», so Burger. Insbesondere der Dachstock «befindet sich in einem bedenklichen Zustand».

Das Dach ist undicht – das Museum hatte bereits Wasserschäden –, die Statik ist mangelhaft und der Bestand somit gefährdet. Zudem habe man zu wenig Raum für administrative Arbeiten und auch die Ausstellungsräume genügten den Anforderungen an ein modernes Museum nicht mehr – gerade auch, wenn es eine regionale Ausstrahlung haben soll.

Man habe ab 2017 verschiedene Um- und Ausbauvarianten geprüft, sagt Schnetzler. Diese reichten von einer einfachen Sanierung bis zu einem Neubau auf grüner Wiese. Man entschied sich für die Variante «Bestandessicherung plus Erweiterung über dem bestehenden Perimeter», wie es Schnetzler nennt. Das Baukonzept würde «bestens in das Konzept des Gemeinderates bezüglich Attraktivitätssteigerung der Altstadt passen», ist er überzeugt.

Das Projekt sieht vor, die Ausstellungsfläche um gut 300 Quadratmeter zu erweitern. Da die Ausstellungsfläche auf mehreren Etagen liegt, soll das Gebäude mit einem Lift behindertengerecht erschlossen werden. Neben Räumen für Wechselausstellungen sind Themenkabinette über die gemeinsame Laufenburger Geschichte geplant.

Swisslos wird sich an den Kosten beteiligen

Angedacht ist zudem, im Erdgeschoss das Tourismusbüro zu integrieren. Die Taverne soll zu einem Multifunktionsraum mit Kleinküche umgebaut werden. Der Raum soll ebenso von Schulen als Geschichtslabor genützt werden können wie für Anlässe der Zunft oder für Empfänge des Stadtrates. Die Zunftstube und die Salmigrotte bleiben bestehen. «Angedacht ist zudem die Nutzung der beiden Zollhäuser als keine Aussenstationen», erklärte Schnetzler.

An den Kosten wird sich auch Swisslos beteiligen. «Ein Beitrag wurde in Aussicht gestellt», so Schnetzler. Der Museumsverein rechnet mit Subventionen von Swisslos und Denkmalpflege in der Höhe von 1,8 Millionen Franken. «Ein Engagement von Swisslos ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass sich auch die Gemeinde an den Kosten adäquat beteiligt», sagt Burger.

Weitere Voraussetzungen sind «ein in die Zukunft gerichtetes neues Betriebskonzept», so Schnetzler, eine Teilprofessionalisierung des Betriebs sowie eine Erweiterung der Öffnungszeiten. An eine reine Bestandessicherung indes «würde Swisslos keine Beiträge sprechen», so Schnetlzer.

Museum soll höheren Stellenwert erhalten

Mut machten dem Verein auch die Rückmeldungen aus Aarau. Man «liess uns wissen, dass das Museum zukünftig im Verbund der Aargauer Musen einen höheren Stellenwert bekommen sollte und nicht einfach ein herkömmliches Dorfmuseum bleiben soll», sagt Schnetzler.

Er wie Burger sind überzeugt: Die Investitionen lohnen sich, denn sie machen das Museum fit für die nächsten 40 Jahre. Das Museum, das seit 41 Jahren in Betrieb ist, erhalte eine «zeitgerechte, zukunftsorientierte Neukonzeptionierung und Erweiterung zur Präsentation vieler eingelagerter Objekte», so Schnetzler. Für ihn ist klar: «Das ist der richtige Weg.» Der Museumsverein habe gute Argumente, ist Schnetzler überzeugt.

Entscheiden werden die Einwohner und Ortsbürger in gut drei Wochen. «Es geht um viel», sagt Schnetzler. Nämlich «um die Sicherung des zukünftigen grenzüberschreitenden Museumsbetriebs».

Stimmen Einwohner und Ortsbürger im November zu, sollen die Planungen bis im Frühjahr soweit vorangetrieben werden, dass das Beitragsgesuch bei Swisslos eingereicht werden kann. Im Frühling 2020 ist die Projektgenehmigung durch die Generalversammlung des Vereins geplant. Es folgen Baugesuch und Realisierung. Läuft alles glatt, könnte das neue Museum 2023 eröffnet werden. «Am liebsten an der Hela», wünscht sich Burger.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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