Gipf-Oberfrick

Es kommt Tempo in die Tempo-30-Frage – im November entscheidet der Souverän

Hannes Erb und Melanie Jenni (v.l.) übergeben die Petition mit 571 Unterschriften für die Einführung von Tempo 30 an Gemeindeammann Regine Leutwyler und Vizeammann Georg Schmid.

Hannes Erb und Melanie Jenni (v.l.) übergeben die Petition mit 571 Unterschriften für die Einführung von Tempo 30 an Gemeindeammann Regine Leutwyler und Vizeammann Georg Schmid.

In Gipf-Oberfrick wird der Verkehr vermessen. Die Daten fliessen ins Fachgutachten zu Tempo 30.

Tempo 30 sorgt in Gipf-Oberfrick seit Jahren für temporeiche Diskussionen. Zweimal stimmte die Gemeindeversammlung bereits über die Projektierung ab. Einmal sagte die Versammlung Nein, einmal Ja – beide Male wurde das Referendum ergriffen und beide Mal siegten die Tempo-30-Gegner an der Urne.

Tempi passati. Seit der letzten Abstimmung sind zehn Jahre ins Land gezogen. Das Dorf ist in dieser Zeit um gut 300 Einwohner gewachsen, der Verkehr hat entsprechend zugenommen. Eines indes ist gleich geblieben: Die Tempofrage bewegt die Gemüter noch immer.

Im letzten September haben rund 40 Einwohner einen weiteren Anlauf genommen und eine neue Petition für die Einführung von Tempo 30 auf den Quartierstrassen gestartet. Mit Erfolg. 571 Personen haben die Bittschrift unterschrieben – das wäre, wenn ausschliesslich Gipf-Oberfricker unterschrieben haben, jeder Sechste.

Der Gemeinderat drückte aufs Tempo

Die Gemeinde nahm die Petition gerne entgegen, auch, weil sie im Kommunalen Gesamtplan Verkehr, der 2017 erarbeitet wurde, die Einführung von Tempo 30 in den Quartieren mittelfristig ohnehin vorsieht.

Der Gemeinderat drückte nun seinerseits aufs Tempo und stellte die für das obligatorische Fachgutachten nötigen 25000 Franken bereits ins Budget 2020 ein. Darüber gab es, wenig verwunderlich, an der Gemeindeversammlung erneut eine angeregte Diskussion.

Ein Änderungsantrag blieb chancenlos, der Betrag blieb im Budget – und so kann das Gutachten nun erstellt werden oder wie es Vizeammann Georg Schmid an der Gemeindeversammlung sagte: «Wir brauchen dieses Fachgutachten, damit wir über Tempo 30 endlich mit Fakten und nicht nur mit Emotionen diskutieren können.»

Gutachten wird im April vorliegen

Die Arbeiten sind inzwischen angelaufen, wie Gemeindeschreiber Urs Treier sagt. Ein Fachbüro wurde evaluiert und ab kommendem Montag werden die nötigen Messungen vorgenommen. «Es werden in allen relevanten Quartierstrassen die Anzahl durchfahrender Motorfahrzeuge und die Geschwindigkeiten gemessen», sagt Treier. Die Daten werden dabei mittels Seitenradargerät, das an den Kandelabern montiert wird, erfasst. «Es werden keine Fahrzeugdaten oder Haltereigenschaften aufgezeichnet», hält der Gemeinderat fest.

Das Fachgutachten wird laut Treier etwa Mitte April vorliegen. Es umfasst die Ergebnisse der Messungen, die Beurteilung der Sicherheitsdefizite, vorgeschlagene Massnahmen, Eingangstore, absehbare Sicherheitsdefizite sowie einen Massnahmenplan samt Kosten.

Bevölkerung wird in den Prozess eingebunden

«Danach muss das Fachgutachten dem Kanton zur Beurteilung vorgelegt werden», erläutert Treier den nächsten Schritt. Nach dieser Prüfung – Treier rechnet damit, dass das Ergebnis aus Aarau im Juni vorliegt – wird das Gutachten in der Verkehrskommission und im Gemeinderat diskutiert. Wichtig ist dem Gemeinderat, so Treier, dass das Verfahren für die Einführung von Tempo 30 transparent durchgeführt wird und dass auch Zeit für die Einbindung und Information der Bevölkerung bleibt, bevor die Gemeindeversammlung entscheidet.

Diese Information und Einbindung der Bevölkerung und damit auch der Petitionäre sieht der Gemeinderat im August und September vor. Zudem wird die Exekutive in der nächsten Dorfzeitung im März über den Stand des Projekts informieren.

Umsetzung in einem Zug

Abgestimmt wird über die Einführung von Tempo 30 auf den Quartierstrassen an der Gemeindeversammlung im November. An der Position des Gemeinderates hat sich derweil seit der Erarbeitung des Kommunalen Verkehrsplans nichts geändert. Der Gemeinderat befürworte «im Grundsatz die Einführung von Tempo 30», sagt Treier, werde aber seinen definitiven Entscheid erst nach Vorliegen des Fachgutachtens fällen. «Der Kredit für die Umsetzung von Tempo 30 wird aber so oder so vor das Volk beziehungsweise im November vor die Gemeindeversammlung kommen.»

Schon im Kommunalen Gesamtplan Verkehr hat der Gemeinderat deutlich gemacht, dass er Tempo 30 zeitgleich auf allen Quartierstrassen einführen möchte. Andere Gemeinden  – etwa die Nachbargemeinde Frick – handhaben das anders. Sie führen Tempo 30 quartiersweise ein – immer dort, wo sich die Bevölkerung dies wünscht.

Wäre das auch in Gipf-Oberfrick ein Weg? Nein, sagt Treier. «Der Gemeinderat sieht keine gestaffelte Einführung, sondern die Umsetzung auf allen Quartierstrassen in einem Zug vor.» Gipf-Oberfrick sei dafür bestens geeignet, «weil die Haupt- oder Landstrasse mitten durch das Dorf führt und man von allen Quartierstrassen her in kurzer Zeit auf die Landstrasse gelangt».

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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