Frick

Er erkennt ein Schlitzohr schon von Weitem

Bis Ende November wird Herbert Weiss in Pension gehen. Foto: pst

Bis Ende November wird Herbert Weiss in Pension gehen. Foto: pst

Hauswart Herbert Weiss geht nach 21 erfüllten Jahren an Fricks Primarschule in Pension. Schlitzohren erkennt er von Weitem. Die Schüler sind ihm aber ans Herz gewachsen.

Ende Monat wird er zum letzten Mal seinen allabendlichen Rundgang durch sämtliche Zimmer und sanitären Anlagen der Schule antreten, um zu kontrollieren, ob alle Lichter gelöscht, alle Fenster geschlossen sind und sich auch kein Schüler unter dem Pult versteckt hat. Der bescheidene Mann war während mehr als zwei Jahrzehnten eine grosse Stütze für Lehrer, Schüler und Eltern gleichermassen. Dank seiner ruhigen und angenehmen Wesensart war er bei Jung und Alt beliebt und hinterlässt eine grosse Lücke.

«Grüezi, Herr Weiss»

Gut, dass Herbert Weiss in Frick selber wohnt. So wird er auch nach seinem «Letzten» öfter mal auf seinen Spaziergängen im Dorf in den Genuss eines kindlich-fröhlichen «Grüezi, Herr Weiss» kommen. Denn die Schüler, egal, welchen Alters und welcher Stufe, sind ihm im Laufe der Jahre so richtig ans Herz gewachsen.

«Ich habs gut mit den Kleinen», so Weiss, der sich trotz Abschiedswehmut darauf freut, alles ein bisschen ruhiger anzugehen zu dürfen. «Es kommt schon mal vor», fährt er fort, dass so ein Dreikäsehoch frühmorgens das Köpfchen ins Büro steckt und munter von sich und seiner kleinen Welt erzählt.»

Trotz gedrängtem Tagesprogramm nimmt sich der Fricktaler immer Zeit für solche Plaudereien und interessiert sich für alles. Ein grosser Teil von Fricks Jugend hat er bei ihren ersten Schulschritten beobachtet, sie grösser und immer grösser werden sehen. Oft wusste er bereits beim ersten Blick oder Kennenlernen gleich, in welche Kategorie (ob Lausbub/Schlitzohr, Lusmeitli etc.) «seine» Schützlinge gehören. «Und ich lag in den seltensten Fällen falsch, eine Trefferquote von mindestens 90 Prozent war immer drin», lacht der sympathische gelernte Maurer.

Natürlich gab es bei dem begeisterten Hobby-Musiker, der seit 18 Jahren bei der MG Oeschgen als Dirigent für den richtigen Takt sorgt – er selber spielt seit dem Militär Eufonium –, auch ein Leben vor der Primarschule Frick. Aufgewachsen ist er in Sulz. «Unser Hauswart in der Schule», erzählt Weiss, «war eine Respektperson. Manchmal hatte man fast ein wenig Angst vor ihm, ganz anders als heute.»

«Nie werde ich Hauswart»

Einer Begebenheit mit ihm während der Mittelstufenzeit ist auch ein Vorsatz zuzuschreiben, den sich Herbert Weiss zwar geschworen, aber dann doch nicht in die Tat umgesetzt hat. Nach einer für ihn peinlichen Bestrafung inklusive eines An-den-Ohren-genommen-Werdens hat sich «Schlitzohr Weiss» nämlich vorgenommen: «Ich werde nie und nimmer Hauswart...»

Noch sind es etwas mehr als zwei Wochen bis zu seinem verdienten Ruhestand. Dann wird er sich vermehrt seiner Musik, dem Garten, langen Spaziergängen und Reisen widmen. Bis dahin erledigt er Tag für Tag gewissenhaft seine Arbeit innerhalb und ausserhalb der verschiedenen Gebäude der Primarschule. Als Erstes ist am Morgen jeweils die Turnhalle inklusive Garderoben und Duschen dran. Es gilt, aufzuräumen, was vom Vorabend (diese Lokälitäten werden auch nach Schulschluss von Vereinen, Versammlungen etc. rege benutzt) liegen geblieben ist, und die Räume zu putzen.

Finden Anlässe der Schule selber statt, darf er beim Vorbereiten und Aufräumen stets auf die tatkräftige Hilfe des Schulleiters und der Lehrer- und Schülerschaft zählen. «Man hilft einander immer», bekräftigt Herr Weiss. Während des Schulunterrichts erledigt er die je nach Jahreszeit anfallenden Arbeiten im Freien. Dazu gehören Rasen mähen, Platz fegen, Sträucher schneiden, Blätter einsammeln. Kleinere Reparaturen erledigt der geschickte Handwerker stets selber.

Sorgloser Umgang

Bei all seinen Tätigkeiten stösst er immer wieder auf Liegengebliebenes. Die Liste und sein «Lager» sind endlos. Ein Klassiker sind die Znüni-Boxen, die halt so manch fussballbegeisterter (Laus-)Bub in der Ecke des Goals vergisst. Aber auch Jacken, Turnschuhe – zum Teil fast neuwertig – Handschuhe, Mützen Schals bis hin zu Scootern und Helmen gehören zur Sammlung. Beim Anblick dieser Mengen tut es ihm manchmal schon ein bisschen weh, wie sorglos heute mit den Dingen umgegangen wird und wie schnell Neuanschaffungen getätigt werden, anstatt erst bei ihm anzufragen, ob etwas abgegeben wurde.

«Mein Arbeitstag fängt morgens um acht Uhr an und endet abends, wenn ich das Gefühl habe, mit gutem Gewissen die Anlage verlassen zu können», erklärt er. Ein weiterer Hauptbestandteil seiner Aufgaben ist das gründliche Putzen aller Gebäude. Dies wird in den Ferien erledigt. Doch bald ist das Vergangenheit. Der Nachfolger wird dann im Amt sein, aber der gewissenhafte Herbert Weiss müsste nicht Herbert Weiss sein, wenn er nicht schon angeboten hätte, am Anfang auf alle Fälle für Fragen oder Notfälle zur Verfügung zu stehen.

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