Rheinfelden

Entspannung mit Haken: Fischen ist wieder in Mode

Cédric Guggisberg, Fischer

«Ich finde es schade, wenn das Fischen zu einem einsamen Hobby gemacht wird.»

Cédric Guggisberg, Fischer

Immer mehr junge Menschen in der Region fischen – die Vereine und Zünfte aber profitieren bisher noch kaum davon.

Ein rascher Schwung aus dem Handgelenk und der Silk gleitet mit einem leisen Surren von der Rolle. Der Köder – an diesem Abend ein Stück Hartkäse – fliegt flussaufwärts über den Rhein und taucht dann mit einem «Plopp» in die dunkelgrünen Wellen.

Cédric Guggisberg zieht die Fischerrute etwas näher an den Oberkörper, den Blick konzentriert auf den orangenen Schwimmer gerichtet, der ihm die Position des Köders anzeigt.

Es ist eine idyllische Szenerie am Rheinfelder Rheinufer. Auf dem nahen Inseli sitzen Menschen in Badekleidern, gönnen sich die letzten Sonnenstrahlen. Ab und zu springen junge Männer von der alten Rheinbrücke ins Wasser und lassen sich einige Meter treiben. Guggisberg geniesst die Ruhe. Hier auf dem Balkon über dem Rhein hat ihm der Grossvater zum ersten Mal eine Fischerrute in die Hand gedrückt.

Guggisberg arbeitet als Assistent bei einer Grossbank und studiert nebenbei Betriebsökonomie – beides eher büro- und vor allem kopflastig. Das Fischen ist ein Ausgleich. «Ich bin draussen an der frischen Luft und habe Zeit, den Gedanken freien Lauf zu lassen», sagt er. «So kann ich den Alltag verdauen.» Damit ist er nicht allein.

«Junge Menschen haben vermehrt Interesse an der Fischerei, weil das Naturerlebnis als Ganzes gesehen wird», sagt etwa Rolf Bürgi vom Fischereiverein des Bezirks Rheinfelden. «Gerade der gesellschaftliche Druck ist dabei einfach und schnell zu vergessen.»

Tatsächlich zeigt sich: Immer mehr Jugendliche begeistern sich für das Fischen. So ist die Anzahl an Fischerprüfungen während der letzten Jahren gestiegen und auch für Jungfischer-Kurse gibt es mehr Anmeldungen. Das bestätigen verschiedene Fischerzünfte und -vereine sowie das Schweizer Netzwerk Anglerausbildung.

Guggisberg holt den Köder ein, überprüft, ob noch Käse am Haken hängt, wirft dann wieder aus. Immer und immer wieder. «Ich könnte hier ewig stehen und fischen», sagt er. Seit einem Jahr ist Guggisberg Vorstandsmitglied und Jungfischerleiter bei der Fischerzunft Rheinfelden. Im laufenden Jahr gab es 30 Anmeldungen für die Jungfischerausbildung.

Erfreulich für die Fischergilde, allerdings: Den Schritt von der Ausbildung in die Zunft machen die wenigsten jungen Fischer. 2016 waren es in Rheinfelden genau zwei. Dabei würde Nachwuchs der Zunft guttun. «Wir leiden an spürbarer Überalterung», sagt Guggisberg. Das zeigt sich etwa bei der Organisation des Fischessens. Noch vor einigen Jahren fand dieses auf dem Inseli statt; ein riesiger Aufwand. Guggisberg: «Das können wir kaum mehr stemmen.» Das Essen findet daher beim Salmenweiher statt, wo auch die Zunfthütte steht.

Den Jungen Zeit geben

Ein Ziel ist es deshalb, vermehrt junge Fischer für die Zunft zu gewinnen, sie nach der Ausbildung binden zu können. Ein Rezept: Die Jungen direkt ansprechen. Ihnen die Vorteile des Zunftlebens aufzeigen, die Geselligkeit etwa. «Ich finde es schade, wenn das Fischen zu einem einsamen Hobby gemacht wird», so Guggisberg.

Ein anderes Rezept: Jungen die nötige Zeit geben. «Wir haben öfter die Erfahrung gemacht, dass sich junge Personen nahezu komplett aus der Zunft zurückzogen und einige Jahre später wieder bereit waren mitzuwirken», so Guggisberg. Es gilt, sie im richtigen Moment zu erwischen.

Apropos erwischen: An diesem Abend bleibt der Haken nur einmal hängen – an einigen Pflanzen am Boden des Rheins. Fische beissen nicht an. «Das macht nichts», sagt Guggisberg. «Wenn ich etwas fange, ist das ein Bonus. Das Fischen aber gibt mir an sich schon genug.»

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Autor

Nadine Böni

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