Frick/Mupf/Rheinfelden

Eltern sprechen über ihre Ängste: «Die Kinder, die unsere Zukunft sind, schiebt man ab»

Die Heilpädagogische Schule in Frick wird im Sommer 2021 geschlossen.

Die Heilpädagogische Schule in Frick wird im Sommer 2021 geschlossen.

An der Gemeindeversammlung war die Schliessung der Heilpädagogischen Schule zwar nicht traktandiert, dominierte aber die Diskussion.

Es waren emotionale Monate für die Eltern von Schülern der Heilpädagogischen Schule (HPS) Frick. Denn im September wurde bekannt, dass die Schule in Frick im Sommer 2021 geschlossen wird. Ab dann gehen die HPS-Schüler aus Frick wie aus Rheinfelden in Mumpf zur Schule; die Stiftung MBF, welche die Trägerschaft der neugegründeten HPS Fricktal im Sommer 2020 übernimmt, hat das leerstehende Oberstufenschulhaus in Mumpf gekauft und wird hier am Sommer 2021 die HPS betreiben.

Die Gemeindeversammlung vom Freitag nutzten Fricker Eltern von HPS-Schülern, über ihre Ängste und Verunsicherungen zu sprechen und ihre Konsternation über die Schulschliessung respektive den neuen Schulstandort auszudrücken.

Gemeinde hat keine Handlungskompetenz mehr

Einen Antrag einer Mutter, es sei eine Steuergruppe zu bestellen, in der die Eltern Einsitz hätten, konnte Gemeindeammann Daniel Suter nicht annehmen, denn: Mit der im Sommer 2018 beschlossenen Rückgabe des Leistungsauftrags an den Kanton hat die Gemeinde keine Handlungskompetenz mehr; zuständig sind die Stiftung MBF und der Kanton.

Von beiden fühlen sich die Eltern mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Suter bot den Eltern an, auf der Gemeinde vorbeizukommen. Man werde gerne behilflich sein, bei der Stiftung MBF Türen zu öffnen. Diese will die Stiftung aber von sich aus öffnen; die Eltern sollen künftig stärker in die Planung einbezogen werden, versicherte Stiftungsratspräsidentin Ursula Brun am Donnerstag gegenüber SP-Politiker Rolf Schmid, der sich für die Anliegen der Eltern starkmacht.

Ein Vater störte sich an der Aussage Suters, die Gemeinde sei nicht mehr zuständig. Man gebe Millionen für Strassen aus, «aber die Kinder, die unsere Zukunft sind, schiebt man ab».
Suter versteht, dass die Eltern den Standort schlechter finden als Frick. Er zeigte zudem nochmals auf, dass die HPS Frick mit ihren aktuell 46 Schülern mittelfristig zu klein wäre, um zu überleben. Nur mit einer gemeinsamen HPS Fricktal sei die Schule gesichert. «Wenn wir das Ziel haben, die HPS im Fricktal zu halten, ist die Zusammenlegung der Wermutstropfen, den wir schlucken müssen.»

Eltern sollen ihre Energie nicht in Kampf gegen Entscheid investieren

Im Sommer 2018, als über die neue Trägerschaft durch die Stiftung MBF abgestimmt wurde, ging auch der Gemeinderat davon aus, dass es zwar mittelfristig eine Konzentration an einem Standort geben wird, die Schule in Frick aber noch länger bestehen bleibt, als sie das nun tut. Im Laufe der Projektentwicklung habe sich gezeigt, dass eine Zusammenlegung unausweichlich sei.

Marianne Franz, welche die Entstehung des heutigen HPS-Schulhauses miterlebt hat, äusserte ihr Verständnis für die Eltern, die ihre Schüler von einem fantasievollen Schulhaus in ein gar nicht so fantasievolles schicken müssen. Sie bat die Eltern eindringlich, ihre Energie nicht in den Kampf gegen den Entscheid zu investieren, sondern in die Zukunft, in ein Miteinander mit der Stiftung MBF. Was mit dem HPS-Schulhaus geschieht, wird im Rahmen der umfassenden Schulraumplanung entschieden. Diese will die Gemeinde in den nächsten Jahren vornehmen.

Den eigentlichen Traktanden der Gemeindeversammlung – die HPS kam unter Verschiedenem zur Sprache – stimmten die 139 der 3416 Stimmberechtigten mit grossem Mehr zu.
Beim Verpflichtungskredit für die periodische Wiederherstellung der Meliorationsanlagen über 5,126 Millionen Franken stellte ein Bürger den Antrag, dieser Betrag sei für jene Teilprojekte zu deckeln, an die Kanton und Bund gegebenenfalls keine Subventionen zahlen. Die Gemeinde rechnet mit einer Beteiligung von 54 Prozent. Der Deckelungsantrag wurde klar abgelehnt.

Kredit beim «Rebstock» massiv überschritten

Eine massive Kreditüberschreitung von 463587 Franken oder 36 Prozent musste der Gemeinderat bei der Sanierung des «Rebstocks» erklären. Konditor Markus Kunz attestierte zwar, dass der «Rebstock» eine Erfolgsgeschichte sei, fand aber den Ablauf der Sanierung alles andere als eine Erfolgsgeschichte.

Er riet dem Gemeinderat, sich künftig bei solchen Projekten mehr Zeit zu nehmen. Als Mitbewerber stiess ihm zudem saurer auf, dass er als Steuerzahler den niedrigen Pachtzins mitfinanziere. Suter rechnete daraufhin vor, dass der «Rebstock» eine Rendite von 5,4 bis 5,7 Prozent abwerfe – «man muss suchen, um eine solche Rendite zu erzielen».

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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