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Ein ruhiges erstes Jahr – Mumpfer Gemeinderat bald komplett, Wittnau sucht noch

Im ersten Jahr der Amtsperiode traten fünf Gemeinderäte zurück – das sind erfreulich wenige. Eine Überraschung war der Rücktritt von Sibylle Lüthi nach sechs Jahren im Amt. Sie demissioniert aus «persönlichen Gründen». Françoise Moser ersetzte sie als Gemeindepräsidentin.

Hanspeter Zingg beschert der Gemeinde Mumpf ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk: Er kandidiert im zweiten Wahlgang für den Sitz im Gemeinderat, der nach dem Rücktritt von Beatrice Meier frei wird. Dies teilte die Gemeindekanzlei gestern Dienstag mit. Meldet sich bis zum nächsten Montag um 12 Uhr kein zweiter Kandidat, ist der 50-Jährige in stiller Wahl gewählt. Wobei: Zingg selber hofft, dass sich noch ein zweiter Interessent meldet, denn «ich bin jemand, der gerne kämpft».

Er wolle mithelfen, das Dorf weiterzuentwickeln, mit dem Dorf in die Zukunft zu gehen, sagt Zingg auf Anfrage der az. Dass er erst im zweiten Wahlgang offiziell antritt und nicht schon im ersten, hat einen einfachen Grund: Er verpasste die Anmeldefrist. Zingg versandte dann zwar knapp zwei Wochen vor dem Wahltermin noch einen Flyer – im ersten Wahlgang kann jeder gewählt werden, auch wenn er nicht offiziell kandidiert –, doch das war zeitlich zu knapp. Im ersten Wahlgang kam er auf 33 Stimmen. Das waren zwar deutlich mehr als andere, doch verfehlte er das Absolute Mehr von 57 Stimmen klar.

Zingg lacht am Telefon, wie er von der Entstehungsgeschichte seiner Kandidatur erzählt. Wenn ihn jemand in der Vergangenheit gefragt habe, ob er nicht kandidieren wolle, antwortete er stets: «Nicht bevor ich 50 bin.» In diesem Jahr wurde er 50 – und Kollegen erinnerten ihn an seine Aussage. «Ich überlegte es mir und finde es nun an der Zeit, mich zu engagieren.» Das freut auch Gemeindeammann Stefan Güntert. «Es ist gut, wenn wir wieder in Vollbesetzung sind», sagt er auf Anfrage. So verteile sich die Geschäftslast besser. Zudem sei eine ungrade Zahl gut, weil es dann auch bei strittigen Fragen eine Mehrheit gebe.

Zingg, der seit 1999 in Mumpf wohnt, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er wohnt seit 19 Jahren wieder in Mumpf, denn er verbrachte bereits einen Teil seiner Kindheit im Dorf, zog dann aber später für 12 Jahre nach Möhlin.

Mumpf ist damit auf gutem Weg, dass der Gemeinderat auch im 2019 vollzählig tagen kann. Noch nicht ganz soweit ist man in Wittnau, wo im Oktober Markus Schnidrig aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Hier läuft bis zum 28. Dezember die Bewerbungsfrist für den ersten Wahlgang. Dieser soll am 10. Februar stattfinden.

Ruhiges erstes Jahr

Das erste Jahr in der Amtsperiode 2018/21 geht damit als recht Ruhiges in die Fricktaler Annalen ein – zumindest, was die Rücktritte aus den Gemeinderäten betrifft. Insgesamt traten 5 der 162 Gemeinderäte in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden im ersten Jahr der Amtsperiode aus unterschiedlichen Gründen wieder zurück. Das sind gut drei Prozent.

Kein Vergleich zur Amtsperiode davor: Da traten im ersten Amtsjahr, also 2014, allein in Eiken vier Gemeinderäte zurück, darunter der Ammann und der Vizeammann. Auch danach rumorte es in Eiken noch weiter – und in Ueken war 2015 ebenfalls Feuer im Dach.

Lüthis Rücktritt überraschte

Überrascht hat im laufenden Jahr vor allem der Rücktritt von Sibylle Lüthi, Gemeindepräsidentin von Kaiseraugst. Sie kündete ihren Rücktritt Anfang März an, die Amtsperiode war da gerade einmal zwei Monate alt. Überrascht hat nicht nur der Zeitpunkt – sondern auch die Offenheit, mit der Lüthi ihre Demission begründete.

Für den Schritt machte die CVP-Politikerin, die seit 2006 im Gemeinderat sass und seit November 2012 als dessen Präsidentin amtete, persönliche Gründe geltend. «In den letzten Monaten war die Arbeit sehr aufreibend und unbefriedigend», sagte sie nach der Demission zur az. Sie habe schon länger gespürt, dass es ihr nicht mehr so gut gehe und dass sie keinen Spass mehr am Amt habe. «Ich konnte zum Teil nicht mehr schlafen.»

In einer spannenden Ausmarchung setzte sich Jean Frey (SVP) durch und zog neu in den Kaiseraugster Gemeinderat ein. Als neue Gemeindepräsidentin wurde die damalige Vizepräsidentin Françoise Moser gewählt, als neuer Vizepräsident Markus Zumbach.

Wegen «persönlicher Differenzen im Gemeinderat», wie es in einer Mitteilung der Gemeinde hiess, trat Rosmarie Bühler Ende Januar in Hornussen zurück. Gegenüber der az sprach Bühler damals von einem Graben zwischen ihr und anderen Ratsmitgliedern hinsichtlich der «ethischen und moralischen Vorstellungen, wie Geschäfte behandelt und Beschlüsse gefasst werden». Seit Juni ist der Hornusser Gemeinderat wieder komplett – gewählt wurde Gottfried Herzog. 

Auch Mettauertal sucht 

Auf die Suche nach einem neuen Gemeinderat gehen musste auch Mettauertal. Matthias Keller trat zurück, weil er von seinem Arbeitgeber die Chance erhielt, zwei Jahre lang in den USA zu arbeiten. Mit einem Glanzresultat von 394 der 466 eingegangenen Stimmen wurde Ende November Pascal Kläusler als neues Exekutivmitglied gewählt.

Ein Happy End gab es schliesslich in Schwaderloch und Obermumpf. Beide Gemeinden mussten in Unterbesetzung in die neue Amtsperiode starten – und bei beiden konnte Anfang März ein fünftes Mitglied gewählt werden. In Obermumpf zog Olivier Mohler in den Gemeinderat ein, in Schwaderloch Peter Schenk.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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