«Top oder Flop?», fragt das Architektur- und Immobilien-Unternehmen Anton Giess AG auf Facebook und stellt zwei Visualisierungen eines Hochhauses in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Alters- und Pflegezentrums Kloos zum Eintrag. «Der Architekt der Kaiserstrasse in Rheinfelden, der international bekannte Max Dudler, hat sich mit dem Stadtbild von Rheinfelden tief auseinandergesetzt. Seiner Meinung nach fehlt ein ‹Tor› als Eingang zur Stadt, ein Bau, der ein Zeichen setzt», heisst es im Facebook-Post der Anton Giess AG weiter. Das Hochhaus sei Dudlers Idee für ein solches Eingangstor.

Die Idee des zehnstöckigen Baus sei entstanden, als man sich mit Max Dudler über die Umgebungsgestaltung der Arealüberbauung Kaiserstrasse unterhalten habe, erklärt Simon Giess auf Anfrage. «Wir standen auf dem Gelände und hatten den Eindruck, dass dort etwas fehlt.» Die Idee sei aus einer städtebaulichen Diskussion entstanden, so Giess weiter. Die Visualisierung sei ein Denkanstoss und nicht spruchreif. So stehe man weder in Kontakt mit den Behörden, noch wisse man, ob der Bau überhaupt zonenkonform wäre.

«Um ein solches Projekt zu realisieren, braucht es Mut, Durchhaltewillen und ein bisschen Wahnsinn», so Giess weiter. Schliesslich würden sich Abklärungen und Planungen wohl über Jahre hinziehen. Dass die Anton Giess AG die Umsetzung an die Hand nehmen würde, sei deshalb eher unwahrscheinlich. «Ausser es wären alle hell begeistert von der Idee», so Giess.

Skepsis und Ablehnung

Liest man die über 30 Kommentare, die Facebook-Nutzer unter den Visualisierungen hinterlassen haben, zeigt sich, dass dies eher nicht der Fall ist. Die grosse Mehrheit steht der Idee skeptisch bis ablehnend gegenüber. Während sich einige User fragen, ob auf dem Gelände überhaupt genügend Platz für ein Hochhaus wäre und ob Rheinfelden noch weitere Wohnungen brauche, finden anderen die Idee eines Hochhauses «schrecklich» oder «grauenvoll». Auch der Charme des Städtchens leide, so die Kommentatoren. «Können wir keine Architektur haben, die zumindest dem Stil der Altstadt entspricht», fragt etwa eine Userin.

Simon Giess ist über die Voten nicht überrascht. «Hochhäuser werden immer sehr kontrovers diskutiert», sagt er und schiebt nach, dass das Gebäude gar nicht übermässig hoch sei. «Es ist nur doppelt so hoch wie die Überbauung Kaiserstrasse. Und an anderen Orten in Rheinfelden, etwa im Dianapark, gibt es höhere Gebäude.» Und: Giess liest «zwischen den Zeilen» aus den Kommentaren auch heraus, dass derzeit «die Situation für viele städtebaulich nicht befriedigend gelöst ist». Eines sei ohnehin klar, so Giess: «Rheinfelden wird sich in den kommenden Jahren verändern und weiterentwickeln.»

Und die Stadt macht sich auch jetzt bereits Gedanken, «ob und wenn ja, wo in Rheinfelden allenfalls Hochhäuser Sinn machen könnten», wie Stadtschreiber Roger Erdin sagt. Der Kredit für ein entsprechendes Hochhauskonzept wurde im Juni 2017 von der Gemeindeversammlung bewilligt. Mit dem von Architekt Max Dudler visualisierten Gebäude habe sich die Stadt offiziell nicht befasst, so Erdin weiter. Die Skizze sei aber «ein interessanter Denkanstoss, um über städtebauliche Entwicklungen zu diskutieren».

Der Stadtschreiber weist aber auch darauf hin, dass das Gebäude nicht den Eingang zur Stadt markieren würde, sondern in unmittelbarer Nähe des früheren Alters- und Pflegeheimes Kloos mit der Kapelle läge. Einem Gebäudeensemble, das unter kommunalem Schutz stehe. «Ob ein Gebäude dieser Grösse gerade an dieser Lage sinnvoll ist, ist fraglich», so Erdin.