Ein Wisch mit dem Pinsel versetzt die Anwesenden in Staunen. Maurizio Lavina steht auf einer Hebebühne hoch oben unter der Decke der römischkatholischen Kirche St. Georg in Zuzgen. Man könnte meinen, der Restaurator trage weisse Farbe auf die Decke auf – aber nein: Der Pinsel ist trocken, Lavina wischt damit vielmehr den dunkelgrauen Schmutz von der weissen Decke. Unten auf den Kirchenbänken sehen rund 30 Besucher interessiert zu, die Kirchenpflege hatte zum Tag der offenen Baustelle eingeladen.

Seit rund einem Monat laufen in der Kirche St. Georg die Reinigungsarbeiten. «17 Jahre nach der letzten grossen Renovation hat sich bereits wieder viel Schmutz angesammelt», erklärt Klaus Hollinger, Präsident der Kirchenpflege. Er verweist auf die dunklen Stellen an Decke und Wänden, auf die teilweise noch düster wirkenden Gemälde, Malereien und Altäre. «Die Unterschiede zu den bereits gereinigten Flächen sind frappant und sogar von blossem Auge deutlich zu sehen», so Hollinger.

Ausmass überrascht Experten

Das Ausmass der Verschmutzung innerhalb nur weniger Jahre hat dabei sogar die Restauratoren und Experten der Denkmalpflege überrascht. Aber: Sie haben auch eine Erklärung dafür. «Schmutz wie Kerzenruss, Kleiderfasern und Staub schwebt in der Raumluft und lagert sich unterschiedlich stark und schnell ab – je nach Oberflächentemperatur und -feuchtigkeit», sagt Restaurator Stefan Buess. Grosse und häufige Schwankungen bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit würden diesen Prozess noch beschleunigen.

In Zuzgen war genau das bisher ein Problem. «Im Vorfeld von Anlässen wurde die Heizung jeweils stark hochgefahren», sagt Stefan Birrer, Spezialist für Elektrotechnik in Kirchbauten. «Durch das schnelle und starke Erwärmen litten einerseits die Materialien, wie etwa das Holz der Kirchenbänke oder die Fenster. Andererseits gab es auch verstärkt Luftzüge und -bewegungen, was wiederum die Verschmutzung beschleunigte.»

Neue Heizungssteuerung

Nebst der umfassenden Reinigung werden deshalb auch Schäden an den Glasfenstern repariert. Und: Die Kirche erhält eine neue Steuerung, auch für die Heizung. «Die Kirche wird künftig kontinuierlich und langsam aufgeheizt», erklärt Birrer. «So können die Materialien geschont, die Luftbewegungen gebremst und die Verschmutzungen reduziert werden.»

Erst einmal geht es nun aber darum, die Kirche umfassend zu reinigen. Dabei müssen objektspezifische Faktoren wie der Verschmutzungsgrad, die Art des Schmutzes oder die Oberflächenstruktur beachtet werden. «Die Schwierigkeit besteht darin, die teils klebrige Schmutzschicht von der Farbe darunter zu lösen, ohne Schmutz und Farbe miteinander zu verreiben», erklärt Stefan Buess.

Deshalb werde die Reinigung in mehreren Arbeitsgängen durchgeführt. In einem ersten Schritt gilt es, die Fläche mit einem Wedel oder Sauger von losem Staub und Spinnweben zu befreien. Danach erfolgt die sogenannte Trockenreinigung, etwa mit einem Latexschwamm. «Partiell reinigen wir die Flächen zum Schluss mit Wasser», sagt Buess. «Ziel ist es, die Geschichte und den Ausdruck einer Kirche zu erhalten.»

120 000 Franken budgetiert

Die Zuzger Kirche St. Georg zähle heute «zu den wenigen neugotischen Sakralbauten im Kanton, die noch über ihre gesamte bauzeitliche Ausstattung verfügen», erklärt Isabel Haupt von der kantonalen Denkmalpflege. «Um den dauerhaften Erhalt des wertvollen Baudenkmals zu sichern, ist regelmässiger Unterhalt nötig.»

Die Kirchenpflege hat für die Reinigung und Reparatur in der Kirche sowie die Erneuerung der Kirchen- und Heizungssteuerung 120 000 Franken budgetiert. Derzeit rechne man allerdings mit einer leichten Überschreitung dieses Budgets, sagt Klaus Hollinger. Dies unter anderem, weil die Reinigungsarbeiten etwas aufwendiger ausfielen. «Wenn wir es machen, wollen wir es richtig machen», sagt Hollinger. Ende Mai soll die Reinigung voraussichtlich abgeschlossen sein, Anfang Juni beginnt der Umbau der Kirchensteuerung, bevor die Kirche ab dem 15. Juni wieder benutzbar ist – und in neuem, altem Glanz erstrahlt.