Baugesuchsverfahren

«Domus»-Kosten schiessen in die Höhe – der Turm in Kaiseraugst nicht

Liebrüti-Miteigentümer Thomas Götz will das Zentrum der Siedlung modernisieren und gleichzeitig 125 Wohnungen bauen.

Liebrüti-Miteigentümer Thomas Götz will das Zentrum der Siedlung modernisieren und gleichzeitig 125 Wohnungen bauen.

Das Baugesuchsverfahren harzt. Der Frühling 2021 ist als Start für den Kaiseraugster Grossbau anvisiert.

Das Baugesuchsverfahren für den «Domus» samt Neugestaltung des Zentrums in der Liebrüti zieht sich wie ein Kaugummi in die Länge. Eingereicht auf der Gemeinde wurde das Baugesuch im Oktober 2018. Noch während der Auflage – im August 2019 – rechnete Liebrüti-Miteigentümer Thomas Götz mit einem Baustart spätestens Anfang 2020. Nun sagt Götz, dass der Baustart für die 125 Wohnungen frühestens im Frühling 2021 erfolgen könnte. Der Termin für einen Erstbezug des rund 72 Meter hohen Turms würde sich damit ins Jahr 2024 verschieben.

Sechs Einwendungen sind gegen das Projekt eingegangen. Diese machten neben vier Privatpersonen der Verkehrs-Club Schweiz (VCS) und der Heimatschutz Aargau geltend. «Wir haben drei private Einwender persönlich empfangen, VCS und Heimatschutz schriftlich abgeholt. Bisher konnte jedoch keine Einsprache bereinigt werden», so Götz, der die Situation als unbefriedigend bezeichnet. «Derzeit liegt das Zentrum brach. Davon haben weder Bewohner, Gemeinde noch wir etwas.»

Fehlendes Fassadenkonzept erst nach der Rahmenbaubewilligung

Verwundert ist Götz, dass der Gemeinderat die Einsprachen des Heimatschutzes und jener Privatpersonen, die sich auf das fehlende Fassadenkonzept beziehen, nicht schon längst abgewiesen hat. So erklärte Gemeindepräsidentin Françoise Moser während der Baugesuchsauflage, dass vorgesehen sei, eine Rahmenbaubewilligung mit Auflagen zu erteilen, um der Bauherrschaft eine Planungssicherheit für kommende Aufgaben einzuräumen.

Götz greift diesen Punkt kritisch auf. Farbgestaltung und Fassadenkonstruktion sind laut ihm eben solche Aufgaben, die bei diesem komplexen Projekt erst nach der Rahmenbaubewilligung – also auf Basis einer Planungssicherheit – hätten angegangen werden sollen. Dies in Zusammenarbeit und Absprache mit der Gemeinde und einem externen Fachbüro. Nun würde jedoch ein detailliertes Fassadenkonzept zur Voraussetzung der Baubewilligung gemacht.

Konkret geht die Gemeinde nicht auf diese Kritik ein. Gemäss Moser habe sich nach der baurechtlichen Prüfung zusammen mit einem externen Fachbüro gezeigt, dass seitens der Bauherrschaft noch ein gewisser Handlungsbedarf bestehe. «Sobald der Gemeinde die bereinigten Unterlagen vorliegen, können die Einwendungen abgehandelt und das Baugesuch auf Basis der gesetzlichen Bestimmungen bewilligt werden», sagt Moser, die zuversichtlich ist, dass dies bald der Fall ist.

Kosten steigen auf rund 70 Millionen Franken an

Ziel der Bauherrschaft ist es, die Punkte der Fassadenkonstruktion und der Farbgestaltung mit der Gemeinde und einem externen Fachexperten bald zu besprechen. Götz hofft dann auf grünes Licht von der Gemeinde. Er schätzt, dass der Bau wegen Verzögerungen und baulichen Anpassungen, die umgesetzt werden müssen, ein Viertel teurer zu stehen kommt. Veranschlagte die Bauherrschaft im Gesuch noch 57 Millionen Franken, geht Götz nun von rund 70 Millionen Franken aus.

Unter anderem erhöht sich die Regelhöhe der Geschosse um zehn Zentimeter auf 2,60 Meter, was Mehrausgaben von rund einer Million Franken allein für den Beton entspricht. «Anders als geplant und damals von der Gemeinde kommuniziert, sind zudem 125 Keller notwendig, für die ein weiteres Zwischengeschoss erstellt werden muss», so Götz. Dies schlägt mit 1,5 Millionen Franken zu Buche.

Die Ungewissheit in Sachen Baustart erschwert auch die Suche nach einem Nachmieter für Migros, die als Ankermieterin des Zentrums ihre Filiale im Mai schloss. Gespräche mit potenziellen Nachfolgern hätten stattgefunden. Obwohl der Baustart noch ungewiss ist, sind bei Astrid Styger, Geschäftsleiterin bei der Immobilienverwalterin Varioserv AG, bereits rund zehn Bewerbungen für die Wohnungen im «Domus» eingegangen. Dies sei auch ein erster Indikator, dass die Wohnungen vom Markt gut aufgenommen würden – wenn sie denn dereinst stehen.

Autor

Dennis Kalt

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