Verhehlen kann Daniel Waldner, 55, nicht, dass er etwas angespannt war, als Pfarrer Peter Feenstra von der Kirchengemeinde Magden-Olsberg vor der Tür seines alten Bauernhauses in Kaisten stand. Er und zwei weitere Vertreter waren gekommen, um seine Objekte und Installationen aus Holz und Eisen zu betrachten. Dies, weil der Objektkünstler einige Monate zuvor von der Vereinigung Hortus Dei Olsberg eine Anfrage für eine Ausstellung in der Klosterkirche Olsberg bekam. «Ich hatte Bedenken, dass meine Objekte für den kirchlichen Kontext als zu morbide empfunden werden», sagt Waldner. So schwingen bei Waldner die an Federn hängenden Füsse einer Ballerina auf und ab und die an Schüren befestigten Hände klatschen auf Knopfdruck und im Flur steht ein Körper, dessen Beine Krücken sind.

Doch die Bedenken von Waldner bewahrheiteten sich nicht, im Gegenteil: «Zum Schluss sassen wir alle an einem Tisch und hatten es glatt», erzählt Waldner. «Da wusste ich, dass meine Objekte angekommen sind.»

Ein Skelett in der Kirche

Pfarrer Feenstra hat keine Befürchtungen, dass sich an der Vernissage am Freitag in der Klosterkirche Olsberg jemand vor den Kopf gestossen fühlen könnte. «Der Surrealismus von Waldners Objekten ermöglichen dem Betrachter eine neue Art der Wahrnehmung. Ich empfinde seine Kunst als schön», sagt er. Und auch wenn sich so manch ein Fuss oder eine Hand in Bewegung setzt, an dem der Rest des Körpers fehlt, so faszinierten solche Erscheinungen die Menschen. «Selbst in der Klosterkirche gibt es mit einem menschlichen Skelett, das in einem Altar verborgen ist, und dem Bild der Heilgen Agnes, die mit dem Schwert hingerichtet wird, morbide Elemente», sagt Feenstra.

Wichtig ist für Waldner, dass man bei der Betrachtung seiner Werke nicht zu ernst an die Sache geht. «Ich will nicht provozieren, sondern die Leute unterhalten und sie im Idealfall zum Schmunzeln bringen.» Wichtig für ihn ist auch, sich in seinem Kunstschaffen permanent mit sich und seiner Welt auseinanderzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist eine Orgelpfeife, aus der er mit einem Schleier und einen Halbmond kurzerhand ein Minarett gemacht hat.

Religionen in Kunstwerk vereint

Die Idee hierzu sei ihm vor rund drei Monaten gekommen, als er von den Schwierigkeiten einer Beziehung zwischen einer jungen Muslimin und einem jungen Christen aus erster Hand erfuhr. «Als die Beziehung aufflog, wurde die junge Muslimin von ihren Eltern geschlagen und von ihrem Bruder gedrängt, die Beziehung aufzugeben», erzählt Waldner. Diese Geschichte habe ihn inspiriert, die beiden Religionen zu vereinen. Einen Namen für sein interkonfessionelles Kunstwerk hat er noch nicht gefunden. Aufgrund des Schleiers fällt für ihn aber «Muezzini» in die engere Wahl.

Feenstra geht nicht davon aus, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlen könnte, wenn am Freitag das Orgelpfeifen-Minarett in der Kirche oder im Pfarrsaal zu sehen ist. «Klar, es werden christliche und islamische Kulturobjekte miteinander vermischt. Ich halte dies aber für nicht anstössig. So viel Freiheit darf die Kunst haben.»

Platz lassen zwischen den Objekten

Ein Objekt zu verkaufen sei nicht sein primäres Ziel, «ein schöner Nebeneffekt dennoch», wie er sagt. Zumal er für die Ausstellung rund 1500 Franken in die Hand nehmen muss. Kosten fallen unter anderem für den Lastwagen mit Hebebühne an, mit dem er seine Objekte von Kaisten nach Olsberg transportiert.

Zwischen 20 und 25 Objekte werden von Waldner in Olsberg zu sehen sein. Etwa drei Tage lang wird er sich Zeit nehmen, die Räumlichkeiten zu studieren und sich zu überlegen, wo er welches Kunstwerk hinstellt. Wichtig bei der Anordnung ist für ihn, Platz zwischen den Objekten zu lassen. «Die Kunst braucht Raum, um zu wirken», sagt er. «Wichtig ist, dass sich die Leute Zeit nehmen.»