Frick
Die Sparmassnahmen sind eine Belastung – keine Entlastung

Die Schulleitung wehrt sich gegen die vorgesehenen Sparmassnahmen bei Primarschule und Kindergarten. Die eingesparten Kosten würden die Chancenungleichheit verstärken und später Mehrausgaben in der Berufseingliederung verursachen.

Miriam Suter
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Fricktaler Schüler (Symbolbild)

Fricktaler Schüler (Symbolbild)

Kenneth Nars

Im kantonalen Bildungsbereich werden Budgets gekürzt. Das hat das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) vom Kanton Aargau so beschlossen. Wann die Umsetzung der Entlastungsmassnahmen in Kraft tritt, ist allerdings noch unklar.

Von den Massnahmen betroffen sind auch der Kindergarten und die Primarschule in Frick. Die Teamschulleitung nimmt dazu Stellung. «Für uns sind das keine Entlastungsmassnahmen. Im Gegenteil, die Belastung für die Lehrpersonen nimmt zu», sagt Schulleiter Lothar Kühne. Er sieht in den Entlastungsmassnahmen viel eher Sparmassnahmen auf Kosten des Bildungsapparates.

An der Schule Frick sollen laut Schulleitung vor allem ungebundene Lektionen reduziert werden. Dabei handelt es sich um Unterrichtsstunden, die nicht an ein Fach gebunden sind und vielfältig eingesetzt werden können.

So kann beispielsweise eine Unterrichtsstunde, die aufgrund eines Schulausflugs ausgefallen ist, nachgeholt und somit kompensiert werden. Sie sind also eine Art «Zeitpolster» und werden auch eingesetzt für Klassenrats-Sitzungen oder zur Intensivierung des Unterrichts in Halbklassenstunden. «Solche ungebundenen Lektionen ermöglichen es den Lehrepersonen beispielsweise, mit der Klasse Exkursionen zu unternehmen.», sagt Schulleiter Peter Boss.

Wenn man hier sparen muss, könne es durchaus sein, dass ein Lehrer Ausflüge, etwa ins Salzwerk Rheinfelden, streiche, damit die Pflichtinhalte des Lehrplans weiterhin erreicht werden können. Auch Projekte wie der Primarschulchor, bisher durch eine ungebundene Lektion ermöglicht, müssten neu finanziert oder abgebrochen werden.

In Frick büsst jede Primarschulklasse mit weniger als 24 Kindern eine bis zwei solcher Lektionen ein. Die Schulpflege und die Schulleitung sehen hier eine «massive Beeinträchtigung der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler» und eine «wesentlich erhöhte Belastung der Lehrpersonen».

Sparen am Deutschunterricht

Auch die Rahmenbedingungen des DaZ-Unterrichts (Deutsch als Zweitsprache) werden «weiter verschlechtert werden». Hier seien vor allem die schwächsten Kinder gefährdet: Bei ihnen steht die gelingende Integration ins Schulsystem auf dem Spiel.

Denn eine verzögerte Sprachentwicklung hat Auswirkungen auf die Leistungen in allen Fächern. Spricht ein Kind schlecht Deutsch, so versteht es etwa die Aufgabenstellung in Algebra weniger gut und hat folglich auch im Fach Mathematik Mühe.

Die eingesparten Kosten verstärken laut Schulleitung auch «die Chancenungleichheit und werden später Mehrausgaben in der Berufseingliederung verursachen». Die drohenden Sparmassnahmen des Kantons machen Schulleiter Boss Sorgen: «Eine Schule ist kein Betrieb, der einfach Geld aus einem anderen Kässeli nehmen kann, wenn es an einem Ort fehlt.»

Letztlich seien der Schulleitung bei einer Umsetzung der Budgetkürzungen die Hände gebunden. «Ich habe keine Mittel, die Massnahmen zu umgehen», so Boss.

Angriff auf integrative Schulen

Auch im Kindergarten werden die Sparmassnahmen Auswirkungen haben. In Frick verliert jeder Kindergarten vier Lektionen und damit vier Teamteaching-Stunden. Das sind Unterrichtsstunden, bei denen zwei Lehrpersonen gleichzeitig eine Klasse unterrichten.

So haben sie die Möglichkeit, individuell auf die Bedürfnisse der Kindergärtner einzugehen. Solche Teamteaching-Stunden bilden einen wichtigen Bestandteil einer integrativ geführten Schule oder eben eines Kindergartens. Laut der Schulleitung Frick treffen die geplanten Sparmassnahmen «integrativ geführte Schulen ins Herz».

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