Fricktal

Die Norderschliessung nimmt Fahrt auf – sie hinterlässt auch Verlierer

Das Erschliessungsgebiet in der Vogelperspektive mit dem Bahnhof Frick (rot), dem Gewerbegebiet Gipf-Oberfrick (blau), der Bauzone Gipf-Oberfrick (gelb) und dem Bereich der möglichen Anschlüsse (pink).

Das Erschliessungsgebiet in der Vogelperspektive mit dem Bahnhof Frick (rot), dem Gewerbegebiet Gipf-Oberfrick (blau), der Bauzone Gipf-Oberfrick (gelb) und dem Bereich der möglichen Anschlüsse (pink).

Zwei Gemeinden, zwei Projekte, eine Umsetzung: Das Gemeindegebiet von Gipf-Oberfrick und der Bahnhof Frick werden neu erschlossen.

Es kommt Zug in die Norderschliessung von Gipf-Oberfrick und Frick. Am Donnerstagabend stellten die beiden Gemeinden ihre Ideen vor, wie der Bahnhof Frick rückwärtig ausgebaut und das nördliche Gemeindegebiet von Gipf-Oberfrick erschlossen werden soll.

Die Präsentation machte eines deutlich: Es ist eine äusserst komplexe Planung. Weil verschiedene Player mitmischen. Weil die topografischen Verhältnisse Grenzen setzen. Weil die beiden Gemeinden zum Teil unterschiedliche Ziele verfolgen. Weil jede Variante auch Nachteile mit sich bringt. Und: Weil es bei jeder Lösung in Gipf-Oberfrick Verlierer gibt.

Die Frage wird deshalb sein: Können die Gemeinden – und dabei insbesondere Gipf-Oberfrick, wo die Planung wesentlich diffiziler ist als in Frick – ihre Stimmbürger überzeugen, dass die Vorteile klar überwiegen? Die beiden Gemeinderäte sind davon überzeugt. Die Norderschliessung sei nicht nur im Interesse der Gemeinden, sondern «im öffentlichen Interesse der Gemeinde und der Talgemeinschaft», sagte der Gipf-Oberfricker Vizeammann Georg Schmid.

Mit der Vorstellung trug der Planungsmarathon, der vor elf Jahren begann, erstmals sichtbare Früchte, pardon: konkrete Linienführungen. Die sieben wichtigsten Eckpfeiler:

  • Die Ziele: Gipf-Oberfrick will mit der Norderschliessung drei Ziele erreichen. Die Gemeinde will eine «sichere, direkte und attraktive Fuss- und Velo-Verbindung zum Bahnhof» bekommen, wie Gemeinderat Jos Bovens erklärte. Sie will, zweitens, zukünftige Erschliessungen sicherstellen und, drittens, Lösungen für «diverse Baustellen» wie etwa die (zu) schmalen Trottoirs im Nadelöhr Bahnunterführung angehen. Frick will mit der Norderschliessung primär den Bahnhofplatz vom Mischverkehr befreien, damit es Platz für den geplanten Ausbau des Bahnhofs gibt, der zum «Bahnhof für das obere Fricktal» werden soll. Trotz unterschiedlichen Interessen sind die beiden Gemeinden überzeugt: «Die Anliegen sind kompatibel», so Schmid.

Fünf Varianten geprüft

  • Die Varianten: In Gipf-Oberfrick wurden zwischen 2006 und 2012 vier Erschliessungsvarianten geprüft. Weil jedoch keine dieser Varianten die Gemeinde vollkommen überzeugte, kam die Variante «Mitte» hinzu. Diese wird nun vom Gemeinderat favorisiert und soll weiterbearbeitet werden. Sie basiert auf Machbarkeitsstudien, Studien der Verkehrsplaner und Verkehrszählungen. Auch die Direktbetroffenen wurden mit einbezogen. Mit der Variante «Mitte» können laut Bovens alle Ziele von Gipf-Oberfrick realisiert werden. Ein weiterer Vorteil sei, dass bei dieser Variante alle Lärmquellen am Bauzonenrand und nicht im Quartier liegen. Zudem seien die Kosten moderat und die Variante ermögliche Land-Umlegungen «mit positiven Auswirkungen» für die betroffenen Eigentümer. Allerdings, das verschwieg Bovens nicht, werden «mit einer Erschliessung, ungeachtet wie sie geplant ist, immer privates Eigentum oder Interessen berührt – sogar, wenn auf der grünen Wiese geplant wird». Bei der Variante Mitte sind zwei Gewerbebetriebe – Theo Hinden und Meliofeed AG – «stark betroffen», so Bovens.
  • Die Verlierer: Die beiden Gewerbebetriebe werden mit der Variante beeinträchtigt. Der Gemeinderat von Gipf-Oberfrick ist zwar überzeugt, dass die Norderschliessung so realisiert werden kann, «dass beide Betriebe weitergeführt werden können und eine Weiterentwicklung möglich bleibt», so Bovens. In mehreren Besprechungen erklärte sich die Meliofeed AG laut Bovens bereit, konstruktiv an einer Lösung mitzuarbeiten – unter der Prämisse, dass der Betrieb gewährleistet bleibt. Auch bei der Familie Hinden schien sich eine mögliche Lösung anzubahnen. «Nach eingehender Prüfung hat die Familie Hinden jetzt entschieden, dass sie ihren Betrieb an diesem Standort weiter führen möchte. Sie lehnt deshalb eine solche Erschliessung ab», sagt Bovens. Der Gemeinderat will trotzdem an der Variante festhalten und «versichert, dass er im weiteren Verfahren alles daransetzen wird, eine verträgliche Lösung für die Familie Hinden zu finden.» Der Gemeinderat ist überzeugt, «dass es eine solche gibt».

Mehr P+R-Plätze am Bahnhof

  • Der neue Bahnhof: Mit der Norderschliessung kann der Bahnhof Frick vom Mischverkehr befreit werden. Geplant ist, einen neuen Busbahnhof beim heutigen Standort des Holzverlads zu realisieren. Gleichzeitig will der Gemeinderat mehr Platz für Velos und Fussgänger schaffen sowie das P+R-Angebot erweitern. Das neue Parkangebot kommt auf die Nordseite zu liegen; eine Vereinbarung mit der Tonwerke Keller AG liegt vor.
  • Die Kosten: Die reine Norderschliessung wird mit der Variante «Mitte» beide Gemeinden auf fünf bis sechs Millionen Franken zu stehen kommen. Diese Kosten teilen sich die Gemeinden hälftig. Nicht eingerechnet sind weitere Baumassnahmen wie etwa der Durchstich zum Böllikreisel in Frick.
  • Der nächste Schritt: Beide Gemeinden beantragen an der Gemeindeversammlung im Juni einen Kredit für die Erschliessungsplanung. Da die Planung in Gipf-Oberfrick aufwendiger ist, ist dort der Kredit mit 120'000 Franken rund dreimal so hoch wie in Frick.
  • Der Zeitplan: Als nächster Schritt wird, die Zustimmung des Souveräns vorausgesetzt, die Erschliessung konkret geplant. Danach wird in beiden Gemeinden gleichzeitig ein Baukredit beantragt.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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