Manchmal hing der ganze Wäscheständer in Monika Weibels Garten in Möhlin voll mit Plüschtieren. Bunte Enten, Bären, Äffchen und Hasen, allesamt frisch gewaschen, trockneten in der Sonne – bevor sie in Kartonschachteln verpackt in einem Lastwagen nach Ungarn gefahren wurden.

Fast 15 Jahre lang hat Weibel solche Hilfsgüter-Transporte organisiert. Nun möchte sie aufhören. Ende Februar soll der letzte Lastwagen beladen werden und die Fahrt nach Ungarn unter die Räder nehmen.

Erinnerungen an den Anfang

«Ich bin jetzt 66 Jahre alt – da fängt das Leben an», sagt Weibel und lacht. Ernst fügt sie an: «Es ist einerseits das Alter, das mich zum Aufhören bewogen hat. Andererseits spüre ich auch, dass die Begeisterung vom Anfang nicht mehr ganz da ist. Da muss ich ehrlich sein.» Und halbherzig will die gebürtige Ungarin ihr Hilfsprojekt nicht weiterführen.

Was bleibt, sind unzählige Erinnerungen. Etwa an die Anfangszeit ihrer Tätigkeit. Da sammelte sie die Hilfsgüter für Ungarn in ihrer damaligen Wohnung in Möhlin. Von allen Seiten wurde ihr Material zugetragen, von Bekannten, aber auch von Menschen, die sie nicht einmal kannte, von Brockenstuben und von Secondhand-Läden.

100 Tonnen im Jahr

Bald stapelten sich die Kartonschachteln. Bis schliesslich kein Platz mehr war und Weibel auch noch einen Parkplatz in der Garage vollstellte und schliesslich einen zweiten. «Irgendwann kam die Verwaltung und sagte, dass es so nicht weitergeht», erzählt Weibel und lacht. Vorübergehend konnte sie die Hilfsgüter bei einem Möhliner Landwirt in der Scheune unterbringen.

Dann meinte es der Zufall gut mit ihr. Die Firma Novoplast AG in Wallbach bot spontan an, einen Lagerraum zur Verfügung zu stellen. Und nicht nur das: Ein Lastwagen, der Waren von der Produktionsstätte in Ungarn in die Schweiz fährt, nimmt seither die Hilfsgüter auf dem Rückweg mit.

Vier Mal im Jahr fuhr ein voller Lastwagen in Richtung Ungarn. Das sind rund 100 Tonnen Hilfsgüter im Jahr. Möbel, Kirchenbänke, Feuerwehrausrüstung und -material, Kleider, Krankenbetten, Spielzeug, Wandtafeln und anderes Schulmaterial.

Die Freude war ihr Antrieb

Für ihre Tätigkeit wurde Weibel 2013 sogar von höchster Stelle ausgezeichnet: Ihr wurde das Silberne Verdienstkreuz der Republik Ungarn verliehen. Auch viele Dankesbriefe und Kinderzeichnungen, die sie über die Jahre erhalten hat, hat Weibel aufbewahrt. «Ich habe in der Zeit viele schöne Momente erlebt und interessante Menschen kennen gelernt, mit denen ich sicher in Kontakt bleibe», sagt Weibel.

Sie werde natürlich auch in Zukunft ein offenes Ohr haben für ihre Kontaktpersonen in Ungarn. Und ja, wenn es irgendwie möglich sei, werde sie auch in Zukunft versuchen zu helfen. «Aber sicher nicht mehr im Rahmen wie bisher», sagt Weibel.

Ihr Engagement bei der Gesellschaft Helvetia-Hungaria wird sie fortführen. Dort ist sie seit einiger Zeit Vizepräsidentin der Sektion Nordwestschweiz und Zentralpräsidentin der gesamtschweizerischen Gesellschaft. Diese betreut über zwei Dutzend Projekte in Ungarn sowie für ungarische Minderheiten in der Ukraine, der Slowakei und in Rumänien.

«Die Freude, die wir den Menschen mit der Hilfe bereiten konnten, war mein Antrieb», sagt Monika Weibel. Wie bei den gewaschenen Plüschtieren aus ihrem Garten: Sie wurden in ein Heim für betagte Personen gebracht. Die Senioren durften sie an ihre Enkel verschenken; doppelte Freude mit Hilfe aus der Schweiz.