Fricktal

Die Dressureiterin nach dem dritten Platz: «Ich bin mega-stolz auf mein Pferd»

Nicole Geiger holt mit ihrem Wallach Phal de Lafayette in Göteborg EM-Bronze in der Para-Dressur.

Nicole Geiger holt mit ihrem Wallach Phal de Lafayette in Göteborg EM-Bronze in der Para-Dressur.

Nicole Geiger aus Zeiningen hat soeben im Para-Reiten Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Sie ist nun, nach einem harten Rückschlag, ganz weit oben.

An der Pferdesport-Europameisterschaft in Göteborg holte sich die Fricktaler Para-Dressurreiterin Nicole Geiger (54) mit ihrem 14-jährigen Wallach Phal de Lafayette am Montag die Bronzemedaille in der Einzelwertung. Es ist die erste Medaille für den Schweizer Para-Pferdesport an einem Grossanlass.

Frau Geiger, Sie haben mit Phal Bronze geholt. Sind Sie zufrieden?

Nicole Geiger: Aber sicher doch! Alles lief rund, Phal machte perfekt mit. Ich bin mega-stolz auf ihn. Es ist die erste Medaille überhaupt für die Schweiz im Para-Pferdesport.

Was ist das für ein Gefühl?

Ein Unglaubliches! Ich habe jetzt noch Adrenalinschübe pur und geniesse den Moment voll und ganz. Die Medaillenvergabe findet ja erst noch statt (die Medaillen wurden gestern Abend überreicht, Anm. der Redaktion). Ich denke, erst wenn ich sie in der Hand habe, werde ich wirklich realisieren, dass es wahr ist und kein Traum.

Sind Sie stolz auf Ihre Leistung?

Ich bin stolz auf unsere Leistung. Denn es ist nicht meine Medaille alleine, sonder es ist die von mir, Phal und dem ganzen Team. Es ist wie bei einem Puzzle: Jedes Teil muss ineinandergreifen, nur dann kann es klappen. Das war am Montag der Fall. Das Puzzle wurde zusammengesetzt – und auf dem Bild kam eine Medaille zum Vorschein.

Sie mussten mit Startnummer eins in den Wettkampf. Ein Nachteil?

Die Startnummer eins ist generell wenig beliebt, denn man hat keine Vergleichsmöglichkeit. Ich bin deshalb nicht auf volles Risiko geritten, sondern auf Nummer sicher gegangen. Die Rechnung ging auf, wir haben die Medaille.

Sie sagten vor dem Wettkampf: «Wir haben nur diese eine Chance.» Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Ich habe das Glück, dass ich eine ausgeprägte Turnierreiterin bin. Ich kann die Leistung an Turnieren auf den Punkt abrufen. (Lacht.) Und zum Glück spielt Phal da mit.

Wer erweist sich jeweils als der Nervenstärkere: Phal oder Sie?

Wir sind beide gleichermassen stark. Wir geben uns gegenseitig die Sicherheit, dass wir das zusammen schaffen. Wir sind ein eingespieltes Team. Phal ist sehr zuverlässig und stets unheimlich motiviert. Er ist in den Prüfungen «bei mir», wie man das bei uns sagt.

Gibt es eine Wechselwirkung? Wird Phal also beispielsweise nervös, wenn Sie unruhig werden?

Ganz klar. Wenn irgendetwas rund um uns passiert, das Phal verängstigen könnte, kann ich ihm mit meiner Ausstrahlung zu verstehen geben: «He, es ist alles ok.» Man muss sich immer bewusst sein, dass ein Pferd ein Fluchttier ist, und der Reiter dem Pferd zu verstehen geben muss: «Es ist nicht kritisch, alles läuft, wie es soll.» Phal hört auf mich – und genau das ist die Basis für unseren Erfolg.

Sie haben sich vor der EM am Ellenbogen verletzt. Spürten Sie die Verletzung noch?

Ich musste im Vorfeld einiges umstellen, da ich von der Kraft und der Beweglichkeit her die Zügelführung nicht gleich machen konnte wie bis anhin. Mein Vorteil war, dass ich bereits vorher mit Hilfsmitteln reiten konnte und diese habe ich nun von der Zügelführung her auch ausgenützt. Zudem hat mich mein Team voll unterstützt und mir Arbeiten abgenommen.

Wie erleben Sie die Atmosphäre in Göteborg?

Ich erlebe Göteborg als sympathische Stadt. Wir sind hier mitten in der Stadt und fühlen uns rundherum herzlich willkommen. Auch die Organisation ist perfekt. Das einzige, was mitten in der Stadt natürlich fehlt, sind Wiesen, wo die Pferde grasen könnten. Ich fühle mich sehr wohl hier, wir sind mitten in Göteborg eine grosse Familie.

Anders als bei den Olympischen Spielen finden die Para-Wettbewerbe zeitgleich mit den anderen Wettbewerben statt. Erleben Sie das als Vorteil?

Ja, denn so ist die Delegation natürlich nochmals grösser. Man besucht sich auf den Wettkampfplätzen und tauscht sich gegenseitig aus. Ich fand es toll, dass viele Regelsportler an unsere Wettkämpfe kamen und uns anfeuerten. Das macht Spass – und wir halten natürlich Gegenrecht.

Sie haben in der Einzelwertung Bronze geholt. Heute Mittwoch steht noch der Freestyle-Wettbewerb an. Haben Sie nun Appetit auf mehr?

Wie sagt man so schön: Wenn man Blut geleckt hat, will man mehr. Wir werden versuchen, heute nochmals eine Topleistung abzurufen. Ich bin glücklich mit dieser einen Medaille, aber natürlich werden Phal und ich um eine zweite Medaille kämpfen. Wir werden alles geben. Ich freue mich auf den Wettbewerb.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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