Rheinfelden

Der Stadtpark verliert eine 100-jährige Eiche – in der ganzen Stadt dürften weitere folgen

Die Stadt Rheinfelden fällt aus Sicherheitsgründen einen 22 Meter hohen Baum. Der Klimawandel fordert die Baumpfleger heraus.

Es knackt und knirscht, als der Greifarm des Fällkrans den Ast der 22 Meter hohen Eiche im Rheinfelder Stadtpark packt. Aus sicherer Entfernung beobachten mehrere Spaziergänger das Spektakel. Einige zücken ihre Smartphones und halten in Bildern fest, wie der 100 Jahre alte Baum innert 25 Minuten von der Kämpfer Forst GmbH aus Magden zerlegt wird.

Stadt-Gärtnermeister Paul Näf und Stadt-Baumpfleger Alex Neeser sind zufrieden mit der Fällung. Der Baumschlag sei notwendig gewesen, weil die Äste dürr waren und bei einem Windstoss drohten, abzubrechen und in die Tiefe zu stürzen, sagt Näf. «Gerade weil ein Fussgängerweg sowie die Zufahrt zum Parkhaus Parkresort an dem Baum vorbeiführen, war die Fällung aus Gründen der Sicherheit nicht zu vermeiden.»

Hainbuche vertrocknete innert weniger Wochen

Es ist nicht der erste Baum, der dieses Jahr in der Stadt gefällt werden musste. Bisher waren es um die 15 Bäume. «Etwa am Rheinuferweg, beim Friedhof oder im Engerfeld, wo eine Hainbuche innert kurzer Zeit brüchig wurde.»

Der Grund liegt für Näf auf der Hand. «Die Bäume leiden unter der Trockenheit und der Hitze.» Eine Niederschlag-Stastik, die er für die Stadt führt, zeigt: Von Januar bis Ende Juli fielen im Jahr 2016 noch 730 Liter Regen pro Quadratmeter. Die letzten Jahre nahm die Regenmenge in diesem Zeitraum kontinuierlich ab. Im aktuellen Jahr betrug sie noch lediglich 422 Liter pro Quadratmeter.

Während man Jung-Bäume in einer Trockenperiode bewässern könne, sei dies bei ausgewachsenen Bäumen aussichtslos, sagt Neeser, für denn es wichtig ist, bei einer Fällung Aufklärungsarbeit zu betreiben.

«Zuweilen fragen die Passanten vor Ort, weshalb wir diesen Baum denn unbedingt fällen müssen.» Nachdem er den Passanten erklärte habe, dass die Stadt wieder an diese Stelle Jung-Bäume einsetzen würde, zeigten sich diese Verständnis.

Bäume setzen, die dem Klimawandel trotzen

Wichtig, so Neeser, ist es beim Pflanzen solche Bäume zu setzen, welche die Hitze und Trockenheit besser vertragen. «Es wäre falsch davon auszugehen, dass die aktuelle Situation, nur eine vorübergehende sei», so Nesser.

Wichtig sei es auch, aufgrund von Schädlingen verschiedene Baumarten zu pflanzen, schiebt Näf nach, «damit es bei einem starken Schädlingsbefall einer bestimmten Baumart nicht zu allzu grossen Verlusten im gesamten Baumvolumen kommt.»

Nesser und Näf kontrollieren im öffentlichen Raum der Stadt rund 1300 Bäume. Indikatoren, ob ein Baum gesund ist oder in wenigen Jahre gefällt werden muss, gibt es viele. Dazu gehört etwa der sogenannte Angsttrieb, den Bäume ausbilden, wenn sie ernsthaft in Not geraten oder eine Krone, die nicht mehr richtig nachwächst, weil der Baum vor vielen Jahren falsch beschnitten wurde.
So verhehlen Neeser und Näf nicht, dass der grosse Fällkran auch in den nächsten Jahren das eine oder andere Mal in der Stadt zu sehen sein wird.

Autor

Dennis Kalt

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