Der Klimawandel macht sich auch am Hochrhein massiv bemerkbar. Das weiss kaum jemand besser als Helmut Kohler. Seit 1997 betreut er zwei private Stationen sowie die Wetterstation in Bad Säckingen und jene des Deutschen Wetterdienstes in Rheinfelden. Vergleicht er aktuelle mit früheren Wetterdaten, stellt er eine Reihe von Veränderungen fest. Wir zeigen fünf Erkenntnisse, die Kohler Sorge bereiten.

Temperaturen sind im Durchschnitt gestiegen

Das zeigen Kohlers Statistiken für Bad Säckingen und Rheinfelden. Für beide Standorte liegen dem Hobbymeteorologen Daten seit 1961 vor. «Weltweit werden die Wetterdaten anhand sogenannter Normwertperioden verglichen», erklärt Kohler. Eine Periode umfasst 30 Jahre.

Kohler hat für Bad Säckingen und Rheinfelden die jeweiligen Durchschnittstemperaturen für die Zeitabschnitte 1961 bis 1990, 1971 bis 2000 und 1981 bis 2010 miteinander verglichen. Das Resultat: Betrug die durchschnittlich gemessene Temperatur in Bad Säckingen von 1961 bis 1990 pro Jahr noch 9,4 Grad, stieg der Wert für 1981 bis 2010 um 0,4 auf 9,8 Grad.

In Rheinfelden beläuft sich der Unterschied gar auf 0,8 Grad: Für die erste Normwertperiode beträgt die Durchschnittstemperatur 10 Grad, für den Zeitraum 1981 bis 2010 liegt sie bei 10,8 Grad.

Es wird in der Region immer heisser

Kohler hat für Bad Säckingen auch die Durchschnittstemperaturen der vergangenen sechs Jahre analysiert. Alle Werte liegen über dem Mittel der vorangegangenen Normwertperiode (1981 bis 2010), seit 2014 jeweils um mehr als ein Grad. 2018 war die Jahres-Durchschnittstemperatur mit 11,91 Grad um 2,11 Grad höher als die der letzten Normwertperiode.

Für das aktuelle Jahr liegt der bisherige Durchschnittswert (Januar bis August) bei 11,85 Grad und damit um 2,05 Grad höher. «Da kann man sich bereits vorstellen, um wie viel die Durchschnittstemperatur für die nächste Normwertperiode von 1991 bis 2020 im Vergleich zu den vorherigen dreissig Jahren zugelegt haben wird», so Kohler.

Es gibt mehr Sommer- und Hitzetage

Sowohl in Bad Säckingen als auch in Rheinfelden wurden für die Normwertperiode 1981 bis 2010 mehr Sommer- und Hitzetage registriert als in früheren Jahrzehnten. «Als Sommertage werden Tage bezeichnet, die eine Durchschnittstemperatur von 25 Grad und mehr aufweisen.

An Hitzetagen liegt die mittlere Temperatur bei über 30 Grad», erklärt Kohler. Wurden für die Jahre 1961 bis 1990 in Bad Säckingen pro Jahr durchschnittlich 46,2 Sommer- und 8,9 Hitzetage gezählt, waren es im Zeitraum 1981 bis 2010 51,3 Sommertage und 11,8 Hitzetage. In Rheinfelden legte die Anzahl Sommertage von 53 auf 65,5 zu; die Anzahl Hitzetage von 11,6 auf 18,2.

Die Sonnenscheindauer nimmt zu

In Bad Säckingen hat die Sonne zwischen 1981 und 2010 im Schnitt pro Jahr 1684 Stunden lang geschienen und damit 155,5 Stunden länger als im Zeitraum 1961 bis 1990. In Rheinfelden nahm die durchschnittliche Sonnenscheindauer pro Jahr von 1716 Stunden in der ersten Periode (1961 bis 1990) auf 1751 Stunden (1981 bis 2010) zu.

Kohlers detailliertere Daten für Bad Säckingen zeigen zudem: Werden die Durchschnittswerte pro Monat miteinander verglichen, schien die Sonne zwischen 1981 und 2010 in jedem Monat deutlich länger als während der vorangegangenen Normwertperioden.

Es regnet seltener aber in grösseren Mengen

Zwischen 1981 bis 2010 fielen in Bad Säckingen im Schnitt pro Jahr 1159 Millimeter Regen. Zwischen 1961 bis 1990 waren es im Schnitt 1106 Millimeter. Auch in Rheinfelden lag der Wert für die letzte Normwertperiode mit 1045 Millimeter über jenem für den Zeitraum 1961 bis 1990, als im Mittel 1005,2 Millimeter Regen pro Jahr fielen.

«Es gibt in den letzten Jahren mehr Extremniederschläge, und das summiert sich», sagt Kohler. Die Werte für den Jahresniederschlag seien wenig aussagekräftig. Zum einen zeigen die Daten für die jeweiligen Monatsmittel je Normwertperiode kein eindeutiges Bild: So ist beispielsweise die durchschnittliche Regenmenge im August für den Zeitraum 1981 bis 2010 im Vergleich zu 1961 bis 1990 stark zurückgegangen: von knapp 115 Millimeter auf rund 98 Millimeter.

Zum anderen hätten, wie auch bundesweit, Wetterextreme in unserer Region zugenommen, so Kohler: «Es gibt lange Trockenphasen, wo kein Tropfen Regen fällt, und dann kommt alles auf einmal.»

Was es nicht mehr gebe, sei der klassische Landregen: ein gleichmässiger Dauerregen über mehrere Tage hinweg. «Bis zu drei Wochen lang kein Regen wie während der Sommer in den vergangenen Jahren: Das gab es früher so gut wie nicht», betont Kohler. In den 1980er Jahren sei es noch völlig normal gewesen, dass es im Sommer jede Woche einmal geregnet habe.