«Wir sind im Moment wieder mal am Rande der Verzweiflung.» Peter Kalt, Präsident der Ittenthaler Ladengenossenschaft, sagt es direkt. «Wir haben zu wenig Umsatz, um richtig zu überleben, aber auch noch zu viel, um einfach zu sterben.»

Der kleine Laden hat in der Vergangenheit schon manches Mal zu Sorgenfalten Anlass gegeben. «Die grösste Hürde in den letzten Jahren war die Kündigung des Ladenlokals durch die Gemeinde Kaisten», so Kalt.

Hätte nicht die katholische Kirchgemeinde Ittenthal das Haus gekauft und der Genossenschaft mietzinsfrei zur Verfügung gestellt, «gäbe es den Laden heute nicht mehr».

Die Finanzen waren trotz aller Unterstützung aber nie wirklich rosig, die Einnahmen reichten knapp, um die laufenden Ausgaben decken zu können. Jede zusätzliche Investition stellt ein Problem dar.

Und nun zeichnen sich neue dunkle Wolken über dem Ittenthaler Laden ab: Die Abwanderung der guten alten Kundschaft. Das sei wörtlich zu nehmen, so der Genossenschaftspräsident. «Die ältere Bevölkerung zieht aus Ittenthal weg. Sie suchen sich eine Wohnung in einer grösseren umliegenden Gemeinde oder gehen ins Altersheim.»

Diese Kundschaft, die praktisch ihren ganzen Einkauf im Laden gemacht hat, sei im Moment nicht ersetzbar. Da nützt es auch nichts, dass im Ortsteil Ittenthal in den letzten Jahren sehr viel gebaut worden ist. Kalt weiss: «Die jetzt noch sehr mobile Bevölkerung nutzt den Laden zu wenig.»

Wie weiter?

Das Wegbleiben der bisherigen Stammkundschaft hinterlässt ein Loch in der Kasse. Es wurden im Vorstand bereits Ideen formuliert, wie die Zukunft aussehen könnte. «Auch unorthodoxe Möglichkeiten wurden angesprochen», erklärt Kalt.

Eine Idee wäre beispielsweise, dass gegen eine Gebühr ein Ladenschlüssel erhältlich wäre. Damit könnte zwar nicht alles selber geholt werden, jedoch Dinge, «für welche es sich nicht lohnt, extra zum Tankstellenshop zu fahren». Die Idee sei im Vorstand aber nicht so gut angekommen. «Als Ideenlieferant habe ich sie aber noch nicht ganz beerdigt», sagt der Genossenschaftspräsident schmunzelnd.

Fakten müssen auf den Tisch

Anhand der Fakten wird der Vorstand nun an seiner nächsten Sitzung darüber entscheiden, wie es weitergehen soll. Dazu gehört auch die Inventur, die am kommenden Samstag ansteht.

«Danach muss ich noch die Buchhaltung fertigstellen», macht Kalt deutlich, dass letztlich die konkreten Zahlen für das «Wie weiter» des kleinen Dorfladens ausschlaggebend sind.

Peter Kalt verhehlt nicht, dass sich längst nicht mehr alle mit der gleichen Begeisterung für den Dorfladen einsetzen. Das stete Wiederholen von zu wenig Umsatz motiviere nicht unbedingt.

Wie knapp die Finanzen sind, zeigte sich auch, als am Montagmorgen ein Kühlgerät den Geist aufgegeben hat. Und wieder stellt sich die Frage: «Was sollen wir noch investieren, was nicht»?

An dieser Stelle kommt wieder der Kämpfer, der Positivdenker Peter Kalt zum Vorschein: «Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und die Reparatur muss ja nicht wieder Tausende kosten.»

Stolz und Traurigkeit

Trotz aller Unsicherheiten ist auch Stolz bei Peter Kalt spürbar. «Stolz war und bin ich auf die Aufbauphase, da haben alle an einem Strick gezogen.» Stolz ist er zudem auf die Mitarbeitenden, die sich immer wieder Gedanken für die Gewinnung von mehr Kundschaft machen.

Der treuen Kundschaft spricht er ebenfalls ein grosses Lob aus. Kalt hält inne, Bedauern mischt sich in seine Worte: «Traurig macht es mich, dass wir es nicht schaffen, den Umsatz mindestens zu halten. Im Gegenteil, wir verlieren jedes Jahr Umsatz und müssen versuchen, diese Einbussen aufzufangen. Die Zitrone ist aber aus meiner Sicht ausgepresst und das Überleben des Ladens steht einmal mehr auf Messers Schneide.»