Laufenburg
Der Abschied vom Bezirksamt ist das Ende einer 210-jährigen Ära

Die Ära der Aargauer Bezirksämter ging am 31. Dezember 2012 zu Ende. Den Wechsel zur Staatsanwaltschaft nutzte der Laufenburger Bezirksamtmann Pius Suter, um Behördenmitgliedern im Bezirk den Dank für ihre langjährige Zusammenarbeit abzustatten.

Walter Christen
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Der letzte Laufenburger Bezirksamtmann Pius Suter (links) mit seinen Vorgängern Alois Leuthard (rechts) und Hermann Senn. – Foto: Walter Christen

Der letzte Laufenburger Bezirksamtmann Pius Suter (links) mit seinen Vorgängern Alois Leuthard (rechts) und Hermann Senn. – Foto: Walter Christen

Nach 210 Jahren wurden im Kanton Aargau die Bezirksämter auf Ende 2012 aufgehoben und durch die Staatsanwaltschaft abgelöst. An der Abschiedsfeier in Laufenburg betonte Bezirksamtmann Pius Suter: «Mit einigen Partnern werden wir auch als Staatsanwaltschaft nach wie vor eng zusammenarbeiten. Das sind die Kantonspolizei, die Amtsärzte, das Bezirksgericht und andere.

Impression von der Verabschiedung des Bezirksamts in Laufenburg
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Impression vom Abschied beim Bezirksamt Laufenburg
Impression vom Abschied vom Bezirksamt Laufenburg
Impression vom Abschied vom Bezirksamt in der Stadt Laufenburg
Impression von der Abschiedsfeier beim Bezirksamt Laufenburg
Pius Suter, der letzte Laufenburger Bezirksamtmann
Impression von der Verabschiedung des Bezirksamts Laufenburg

Impression von der Verabschiedung des Bezirksamts in Laufenburg

Walter Christen

Da die Räumlichkeiten für die Staatsanwaltschaft in Rheinfelden zuerst noch gebaut werden müssen, verfügt das Fricktal während den nächsten rund zweieinhalb Jahren über zwei Standorte: Rheinfelden und Laufenburg. Das heisst, in den Räumen des ehemaligen Bezirksamts im «Roten Löwen» befindet sich neu die Staatsanwaltschaft: «Wir führen auch sämtliche Arbeiten in Laufenburg aus, die in die Kompetenz der Staatsanwaltschaft fallen. Bis der Umzug nach Rheinfelden erfolgt, teilen wir uns im Fricktal das Zuständigkeitsgebiet immer noch nach den beiden Bezirken auf.» Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg führt die Strafuntersuchung bei Erwachsenen in den Bezirken Rheinfelden und Laufenburg. Sie wird in ihrer Arbeit durch Assistenzstaatsanwältinnen und -anwälte und kaufmänisches Personal unterstützt. Leitende Staatsanwältin ist Simone Stöckli in Rheinfelden, ihr Stellvertreter als leitender Staatsanwalt ist Pius Suter in Laufenburg mit dem Team des bis zum 31. Dezember 2012 tätigen Bezirksamts. Und eben dieses Bezirksamt war der Grund, weshalb Pius Suter die Gemeindedelegationen aus dem Bezirk Laufenburg zu einer Abschiedsfeier eingeladen hatte.

«Wer nichts mit uns zu tun hat, ist glücklich», meinte er. Das trifft für jene Leute zu, die nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Aber von Amtes wegen hatten zum Beispiel die Gemeindebehörden mit dem Bezirksamt zusammenzuarbeiten. Diesbezüglich war Pius Suter des Lobes voll und dankte für das gute Einvernehmen. «Wir vom Bezirksamt wollen das Ende der Ära zum Anlass nehmen, um mit diesen langjährigen Partnern im Bezirk Laufenburg auf den Abschied – mit einer Portion Wehmut unsererseits – anzustossen», sagte er und gab einen Rückblick auf die Tätigkeit der Bezirksämter von Anbeginn an: 1803 wurden im Kanton Aargau die Bezirksämter gebildet. Ihre Tätigkeit als Vollzugs- und Untersuchungsorgane der Zentralverwaltung beinhaltete sämtliche Verwaltungsgebiete, inklusive des Strafvollzugs. Bis zum Ausbau der Zentralverwaltung, also bis 1852, waren die Bezirksämter auch zuständig für das Passwesen, die Gemeindefinanzen, den Vollzug von Bundeskompetenzen wie etwa Zoll, Mass und Gewicht und sie hatten die Aufsicht über das Zivilstandswesen, wie von Pius Suter zu vernehmen war.

Die Aufgaben der Bezirksamtmänner hatten sich lange Zeit kaum verlagert. Eine Ausnahme bildete das Vormundschaftswesen, welches ihnen neu zugeteilt wurde. «Das breite Portefeuille der bezirksamtlichen Aufgaben blieb in der Folge in den Grundzügen bis ins 21. Jahrhundert bestehen», erklärte Bezirksamtmann Pius Suter. Nebst dem Bezirksamtmann waren ein Amtsstatthalter, als dessen Vertreter im Verhinderungsfall, und ein Amtsschreiber beim Bezirksamt tätig. Piust Suter fuhr fort: «Es gab früher auch einen Amtsweibel bei jedem Bezirksamt, der bei seiner Amtsverrichtung und in Begleitung des Bezirksamtmanns einen geteilten Mantel in den Farben Schwarz und Blau trug und einen Stab mitführte.» Und noch eine weitere Funktion gab es bis 1890 in den Bezirksämtern, den der Finanzdirektion unterstellten Bezirksverwalter, später ins Bezirksamt eingegliedert und als Bezirksamtmann-Stellvertreter tätig.

Der erste Bezirksamtmann von Laufenburg hiess Josef Tröndlin. Als kleines Müsterchen erwähnte Pius Suter, dass Tröndlin im Jahr 1803 der Trennung von Gipf und Oberfrick von Niederfrick zugestimmt hatte, ohne vorher die Genehmigung des «Grossen Rathes» einzuholen. Dafür kassierte er auch prompt eine deftige Schelte. Die Trennung wurde ein Jahr später doch noch offiziell bewilligt.

Der Bezirk Laufenburg zählte von 1803 bis 2012 insgesamt 19 Bezirksamtmänner. Vor Pius Suter aus Gipf-Oberfrick, der 1993 zum Stellvertreter und 2003 zum Bezirksamtmann gewählt wurde, bekleidete Alois Leuthard aus Frick (1993 gewählt) dieses Amt. Davor waren es Arnold Wües, Frick (1962), Hermann Senn, Gansingen (1959), Josef Stäuble, Sulz (1925) und Bernhard Metzger, Möhlin (1904), um nur die Amtsträger der letzten rund hundert Jahre zu erwähnen. Als Bezirksverwalter/Bezirksamtmann-Stellvertreter waren tätig: Karl John, Eiken (Bezirksverwalter), Max Müller, Frick, Gemeindeammann und Chef der Gemeindeabteilung des Kantons Aargau (Bezirksverwalter), Alois Leuthard, Frick (Bezirksamtmann-Stellvertreter ab 1968), Pius Suter, Gipf-Oberfrick (Bezirksamtmann-Stellvertreter ab 1993) und Peter Münger, Oberhof (Bezirksamtmann-Stellvertreter ab 2003).

Im Namen der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Laufenburg bedankte sich Gemeindeammann Roger Fricker, Oberhof, bei Bezirksamtmann Pius Suter und dessen Team für die geleistete grosse Arbeit. «Das System Staatsanwaltschaft wird teurer und nicht mehr so bürgerfreundlich. Juristen denken einfach anders, als zum Beispiel ehemalige Gemeindeschreiber. So war der gute Kontakt der Gemeinden zum Bezirksamt überaus wertvoll. Doch wir gehen den Wechsel pragmatisch an. Fest steht indessen, dass alle Bezirksämter sehr gut gearbeitet haben, sonst wären viel mehr Fälle an höhere Gerichtsinstanzen weitergezogen worden.» Als Geschenk zum Abschied versprach Roger Fricker «eine letzte Schiffahrt von Laufenburg aus, bevor es bachab geht mit dem Team». Somit darf sich denn die Crew vor dem Umzug in rund zweieinhalb Jahren nach Rheinfelden hinunter noch auf eine Fahrt mit dem Personenschiff «Stadt Laufenburg» freuen.

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