Nager

Dem Biber ist es wohl im Fricktal – er hat schon drei Reviere bezogen

Deutliche Spuren: Ein von einem Biber angenagter Baumstamm an der Sissle bei Frick.

Deutliche Spuren: Ein von einem Biber angenagter Baumstamm an der Sissle bei Frick.

In Frick lebt seit einem Jahr ein Biber an der Sissle. Auch in Kaisten und im Mettauertal sind die Nager präsent.

Nun hat auch Frick seinen Biber. In den sozialen Medien kursieren aktuell Fotos, die einen angenagten Baumstamm an der Sissle zeigen. Gemeinde und Kanton bestätigen, dass sich ein Biber in Frick zu Hause fühlt.

Bereits seit einigen Jahren gebe es immer mal wieder eine Bibermeldung aus der Sissle, sagt Christian Tesini von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. «In Frick selber gibt es seit rund einem Jahr eine regelmässige Biberpräsenz.»

Gemeindeschreiber Michael Widmer freut’s. «Es ist schön, dass sich der Biber trotz der dichten Bebauung selbst in Frick angesiedelt hat», sagt er. Natürlich weiss er, dass Biber auch immer wieder zu Problemen und Konflikten führen. So etwa im Sommer, als ein Biber bei Merenschwand mit seinem Damm 71 Hektaren Land flutete.

Widmer spricht denn auch von einer Herausforderung, der Tierart in der eng bebauten Schweiz einen genügend grossen und artgerechten Lebensraum zu bieten. Er schliesst nicht aus, dass der Biber auch in der Region Schäden in Gärten, an landwirtschaftlichen Kulturen oder an Kunstbauten im Gewässerraum verursacht.

«Sollte dies eintreffen, so wäre gemeinsam mit den zuständigen kantonalen Behörden ein Weg zu suchen, um dem Biber seinen Lebensraum zu erhalten und zugleich Schäden zu verhindern.» Dass dies möglich ist, zeigen Widmer Beispiele aus anderen Regionen, wo der Biber schon länger wieder heimisch ist.

Um das Konfliktpotenzial weiss man auch beim Kanton. Im 15-seitigen «Massnahmeplan Biber» zeigt der Kanton auf, was zu tun ist, wenn der Biber Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen – dazu gehört auch das Fluten von Ackerland –, im Wald, am Ufer oder an Infrastrukturanlagen wie Wegen produziert. Ziel ist dabei immer, eine nachhaltige Lösung zu finden – die beiden Ansprüchen, also denen des Bibers und denen des Menschen, gerecht wird.

Das ist nicht immer einfach. Der kantonale Massnahmeplan, der auf dem Konzept Biber Schweiz fusst, sieht deshalb als ultimo ratio bei grossen Schäden oder einer erheblichen Gefährdung von Infrastrukturanlagen auch vor, dass ein oder alle Biber in einem Gewässerabschnitt eingefangen oder abgeschossen werden können.

Nur: «Die Entfernung von Bibern ist mittel- und langfristig keine nachhaltige Lösung», schreibt der Kanton gleich selber dazu. Frei gewordene Reviere würden aufgrund der aktuellen Bestandssituation schnell wieder besetzt. «Der ursprüngliche Konflikt tritt meist wieder auf, bevor die erneute Anwesenheit von Bibern bemerkt wird.»

Im Fricktal verhält sich der Biber, der geschützt ist, mehrheitlich menschenkompatibel. Einen Problembiber gebe es «grundsätzlich nicht», sagt Tesini. Das heisst aber nicht, dass es nie zu einem Interessenskonflikt kommt. In Möhlin etwa sorgte ein Biber mehrfach für Schlagzeilen, weil er seinen Nage-Radius etwas gar weit auslegt.

Aktuell sind Biber im Fricktal am Rhein sowie an drei Zuflüssen präsent: An der Sissle bei Frick, am Kaisterbach in Kaisten und am Buererbach im Mettauertal. Dies zeigt das Bibermonitoring, das der Kanton alle fünf Jahre durchführt. Danach lebten 2018 schätzungsweise 345 Biber in 113 Revieren im Aargau; zehn Jahre zuvor waren es erst 272 Tiere in 74 Revieren.

Dass sich der Biber im Fricktal abseits des Rheins heimisch fühlt, ist dabei relativ neu. 2008 gab es an den drei Bächen, die heute je ein Revier aufweisen, noch keinen Biber. Der Nager liess sich dann zuerst am Kaistenbach nieder (vor 2013) und hat in den letzten Jahren weitere Reviere im Mettauertal und an der Sissle bezogen.

Konflikte gibt es vor allem an kleinen Gewässern

Eine weitere Ausbreitung des Bibers ist zu erwarten. Meldungen von Biberbeobachtungen nehme der Kanton gerne entgegen und füge sie in die Bibermonitoringdatenbank ein, sagt Tesini. «Sollten an frisch gemeldeten Standorten bereits Konflikte drohen, wird der Sachverhalt vor Ort durch den kantonalen Biberbeauftragten oder die Sektion Jagd und Fischerei geklärt», so Tesini. Danach werde zusammen mit den Betroffenen nach einer Lösung gesucht.

Zu Konflikten kommt es vor allem an kleineren Gewässern, denn hier liegen Infrastruktur oder Kulturland nahe am Bach und damit am potenziellen Lebensraum des Bibers. Der Biber wirkt meist in einem schmalen Streifen von rund 50 Metern ab dem Ufer; bei den grossen Flüssen sind die Anlagen und Kulturen oft weiter vom Ufer entfernt.

Biber leben territorial und geben ihr Territorium nicht so schnell wieder her. «Die Biber können sich mit vielem arrangieren und auf Veränderungen gut reagieren», schreibt Tesini in einem Beitrag in «Umwelt Aargau». «Wir Menschen brauchen mehr Zeit, um uns wieder an lange abwesende Tiere und ihr Verhalten zu gewöhnen.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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