Möhlin

Das neue Stück zieht Parallelen zu Castingshows

Seit Oktober probt das Lehrertheater, damit bei der Premiere am 26. August alle Tanzeinlagen gelingen.

Seit Oktober probt das Lehrertheater, damit bei der Premiere am 26. August alle Tanzeinlagen gelingen.

Das Lehrertheater präsentiert dieses Jahr das Stück «Nur den Pferden gibt man den Gnadenschuss».

In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, breiteten sich auch in Hollywood Existenzängste, Armut und Hoffnungslosigkeit aus. Jeder Strohhalm, dem vielleicht zu entkommen, wurde ergriffen: So nehmen Gloria und Robert in ihrer Verzweiflung an einem mehrtägigen Tanzmarathon teil.

Bis auf kurze Pausen muss durchgetanzt werden. Verpflegung ist gratis, das Preisgeld beträgt 1500 Dollar. So beginnt der amerikanische Schriftsteller Horace McCoy seinen Roman «They Shoot Horses, Don’t They – Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss».

Das Lehrertheater Möhlin bringt nun die Theaterversion von Klaus Krämer und Kaspar von Erffa ins Fricktal. Regie führt Christine Thurnheer, Produktionsleiter ist Dieter Schlachter. Acht Neue machen bei dieser Inszenierung erstmals mit.

Das Stück ist nicht nur thematisch anspruchsvoll, auch die Herausforderungen an die Darsteller sind gross. Seit Oktober wird intensiv geprobt, acht Tanzpaare studieren unter Anleitung von Tanzlehrerin Deborah Gyger im wortwörtlichen Schweisse ihres Angesichts unterschiedlichste Tänze ein. Parallel dazu wird das gesamte Theaterstück geformt mit den vier Moderatoren der Show einschliesslich der atemberaubenden Wechsel in der Handlung.

Thematik ist aktuell

«Inhaltlich halten wir uns weitgehend an die Vorlage des Romans, nur Musik und Kleidung entsprechen den heutigen Vorstellungen», erklärt Dieter Schlachter. Und weiter: «Die Thematik von damals hat eigentlich nichts von ihrer Aktualität verloren, symbolhaft können Parallelen zur Gegenwart hergestellt werden.»

Die Teilnehmer des Tanzmarathons werden angetrieben von Wunschdenken und unerfüllter Sehnsucht, entdeckt, berühmt und reich zu werden. Dafür nehmen sie viel in Kauf: 170 Stunden Tanz ohne Schlaf und nur zehnminütige Pausen, Erschöpfung, Demütigung, Spektakel, Gewalt.

Selbst ihre kurzen Pausen müssen sie in für alle einsehbaren Käfigen verbringen. Für Showmaster und Publikum zählen Voyeurismus und die heimliche Freude am Versagen der Akteure. Aktuell ist dabei die Frage, wie weit sich die Teilnehmer für zweifelhafte Anerkennung, für Ruhm, Karriere und Geld demütigen lassen.

Denn wer kennt sie nicht, die Freude an der Sensation, an Tränen und Pleiten in einigen Castingshows. Die Produktion des Lehrertheaters bietet alle Zutaten für ein eindrückliches Erlebnis: ästhetische Tanzeinlagen, nachdenkliche Dialoge, tiefe zwischenmenschliche Beziehungen und eine direkte Aufforderung an ein kritisches Publikum.

Die Motive der acht Tanzpaare zur Teilnahme am Spektakel sind bunt gemischt, von der anfänglichen Freude am Mitmachen über Karrieredenken bis hin zum Wunsch, endlich der Arbeitslosigkeit zu entkommen. Doch was macht das seelisch und körperlich mit den Teilnehmern? Zu sehen ist ein krankhaftes Geflecht von freiwilliger Preisgabe jeder Privatsphäre für die eher unwahrscheinliche Möglichkeit, ganz oben mitzumischen.

Premiere: Samstag, 26. August, 20.15 Uhr, Bata Club Haus, Möhlin. www.lehrertheater.ch

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